Bereits im Jahr 2022 wurde in einer Bürgerschaftsdrucksache darauf hingewiesen, dass in Hamburg mehr als 22 Millionen Quadratmeter Altlastenflächen existieren – Flächen, die zumindest theoretisch auch für die Gewinnung von Solarenergie genutzt werden könnten. Angesichts steigender Energiepreise und ambitionierter Klimaziele hätte dies ein zentraler Baustein der Energiewende sein können.
Doch vier Jahre später zeigt eine aktuelle Anfrage: Passiert ist nahezu nichts.
Kaum Fortschritt – aber mehr Altlasten
Die Gesamtfläche der bekannten Altlasten in Hamburg ist sogar weiter gestiegen:
Von rund 22,38 Millionen Quadratmetern im Jahr 2020 auf aktuell etwa 22,69 Millionen Quadratmeter.
Wie sich diese Flächen in den Jahren 2022 bis 2025 konkret entwickelt haben, kann der Senat jedoch nicht sagen. Entsprechende Daten würden nicht vorgehalten.
Allein dieser Umstand wirft Fragen auf. Denn wer Flächenpotenziale politisch nutzen will, muss deren Entwicklung auch systematisch erfassen.
Senat relativiert eigenes Potenzial
Besonders auffällig ist die Argumentation des Senats zur Nutzung dieser Flächen für Solarenergie. Während 2022 noch ausdrücklich auf das Potenzial hingewiesen wurde, heißt es nun:
- Es bestehe kein Zusammenhang zwischen Altlastenflächen und Solarenergie
- Die Flächen seien häufig privat, bebaut oder nicht geeignet
- Sie stünden der öffentlichen Hand nicht pauschal zur Verfügung
Das wirkt wie eine nachträgliche Relativierung der eigenen Ausgangslage. Denn natürlich ist nicht jede Altlastenfläche geeignet – aber genau deshalb wäre eine systematische Prüfung erforderlich gewesen.
Eignungsprüfungen? Fehlanzeige
Auf die zentrale Frage, wie viele dieser Flächen seit 2022 überhaupt auf ihre Eignung für Photovoltaik oder Solarthermie untersucht wurden, bleibt die Antwort ernüchternd:
Es gibt keine belastbaren Zahlen.
Weder Anzahl noch Flächenumfang oder Anteil an der Gesamtfläche können benannt werden. Für private Flächen würden entsprechende Daten gar nicht erst erfasst.
Damit fehlt jede Grundlage für eine strategische Nutzung dieses Potenzials.
Null Anlagen seit 2022
Noch deutlicher wird das Defizit bei der tatsächlichen Umsetzung:
Seit 2022 wurde auf keiner einzigen städtischen Altlastenfläche eine Solaranlage installiert.
Lediglich ein einziger „Anwendungsfall“ wird derzeit geprüft – am Standort Brümmer. Weitere konkrete Planungen? Fehlanzeige.
Das bedeutet:
Ein theoretisches Potenzial von über 22 Millionen Quadratmetern steht im Raum – praktisch genutzt wird es nicht.
Verpasste Chance für die Energiewende
Gerade Altlastenflächen gelten in vielen Regionen als besonders geeignet für Solarprojekte. Sie stehen oft nicht in Konkurrenz zu Wohnungsbau oder Naturschutz und könnten einen wichtigen Beitrag zur Flächenbereitstellung leisten.
In Hamburg hingegen zeigt sich ein anderes Bild:
- keine systematische Erfassung
- keine flächendeckenden Prüfungen
- keine nennenswerte Umsetzung
Statt eines strategischen Ansatzes dominiert Stillstand.
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache:
Hamburg verfügt über riesige Flächenpotenziale – nutzt sie aber nicht.
Gleichzeitig fehlen:
- belastbare Daten
- transparente Strategien
- konkrete Fortschritte
Während die Energiewende politisch beschworen wird, bleibt ein naheliegender Ansatz weitgehend ungenutzt.
Die entscheidende Frage lautet daher:
Warum wird dieses Potenzial nicht gehoben – und wer trägt die Verantwortung für diese jahrelange Untätigkeit?
– Drucksache 23/3791 –

