Hamburgs Gewässer sind stärker belastet als bisher öffentlich bekannt. Wie aus offiziellen Messungen hervorgeht, wurden im Jahr 2023 in einer Vielzahl von Oberflächengewässern Grenzwerte für Schadstoffe deutlich überschritten – teils mehrfach und in relevanter Konzentration. Die Befunde stammen aus der operativen Überwachung nach der EU-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) und betreffen sowohl ökologisch sensible Gebiete als auch stark genutzte Gewässerabschnitte.
Diese Hamburger Gewässer sind betroffen:
Die nachfolgende Liste zeigt, wo im Stadtgebiet die Umweltqualitätsnormen (UQN) verletzt wurden – darunter teils hochtoxische Stoffe wie Quecksilber, Perfluoroktansulfansäure (PFOS), bromierte Diphenylether, Insektizide und Schwermetalle:
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Alster-Abschnitte:
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AL_05: Alster mit Ammersbek und Diekbek
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AL_09: Tarpenbek mit Kollau und Mühlenau
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AL_12 – AL_16: Wandse, Mellingbek, Bredenbek, Lottbek und kanalisierte Alster bis zur Elbe
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Bille und Nebengewässer:
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BI_06b – BI_21: Reinbeker Mühlenteich, Glinder Au, Dove-Elbe, Schleemer Bach, Hohendeicher See
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Elbe:
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EL_01 – EL_04: Elbe Ost, Elbe im Hafenbereich, Flottbek – mit bis zu sieben verschiedenen Schadstoffen (u.a. Heptachlor und Tributylzinnverbindungen)
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Südliche Elbregion und Nebenläufe:
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MO_01 – MO_03: Moorburger Landscheide, Alte Süderelbe (Fließgewässer und See)
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Weitere belastete Gewässer:
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ES_01: Este Werft – mit zehn Schadstoffüberschreitungen (u.a. PCB 153, Benzo(b/k)fluoranthen)
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PI_03, PI_15: Düpenau und Wedeler Au
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SE_01, SE_03: Seevekanal und Engelbek – mit hohen Konzentrationen u.a. von Kupfer, Zink, Pestiziden
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Besonders besorgniserregend:
An mehreren Messstellen kam es zu Überschreitungen der zulässigen Höchstkonzentration (ZHK-UQN), was auf akute toxische Wirkungen hinweist. So etwa bei:
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Dichlorvos in der Wandse (17.08.2023)
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Heptachlor und Heptachlorepoxid in der Elbe (18.01.2023)
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Benzo(ghi)perylen und verwandten Stoffen in der Este Werft und Moorburger Landscheide (mehrfache Überschreitungen im Jahresverlauf)
Welche Folgen drohen?
Wird die UQN überschritten, kann dies laut Umweltbehörde zu schwerwiegenden Schäden führen:
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Veränderungen in der Artenzusammensetzung
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Schädigungen an Fischen, Wasserpflanzen und Kleinstlebewesen
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Langfristige Einlagerung toxischer Substanzen in der Nahrungskette
Reaktionen des Senats bleiben vage:
Zwar verweist die Stadt auf „grundlegende Maßnahmen“ doch ob diese tatsächlich greifen, bleibt offen. Ein systematisches Monitoring konkreter Verbesserungen fehlt.
Und Glyphosat?
Für den besonders umstrittenen Stoff Glyphosat liegen für 2024 noch keine Auswertungen vor. Diese werden laut Senat frühestens im 4. Quartal 2025 erwartet – zu spät für eine rechtzeitige Reaktion.
Fazit:
Hamburgs Oberflächengewässer sind mit Schadstoffen belastet – von der Alster bis zur Elbe, von der Dove-Elbe bis zur Este. Die zahlreichen Überschreitungen zeigen deutlich, dass die bisherigen Schutzmaßnahmen nicht ausreichen. Wenn der Senat nicht entschiedener handelt, droht eine dauerhafte Schädigung der aquatischen Umwelt. Die Bürgerinnen und Bürger haben ein Recht auf sauberes Wasser – auch in Hamburg.
Anlage 1 zu Drs. 23/728

