Geburtswald: Vorschlag der Grünen ist ein schöner PR-Gag, mehr aber auch nicht

Die Grünen und die SPD haben in der Bezirksversammlung kürzlich einen Antrag (Drs. 21-3217) gestellt, der es gleich in die Medien geschafft hat:

 

Das (freiwillige) Pflanzen eines Baumes durch die frischen Eltern mithilfe von Bezirksamtsmitarbeitern.

 

Gegen eine zu entrichtende Gebühr würde Rot-Grün das gerne möglich machen.

 

Baumpflanzorte sollen z. B. die Randbereiche von Friedhöfen sein. Die Eltern und das Kind sollen Zugang zum Baum haben, ihn pflegen und sich an ihm erfreuen können.

Es ist ganz sicher eine schöne Tradition, bei der Geburt eines Kindes einen Baum zu pflanzen. Er ist ein Symbol des Lebens und auch der Verwurzelung an einem Ort. Es wird also auch die stärkere Bindung an den Heimatort gefördert.

 

Nur gibt es ein Problem: Wo sollen die Pflanzstandorte herkommen? Vor nicht allzu langer Zeit behauptete das Bezirksamt Wandsbek noch, es gäbe keine neuen Standorte. Dann behauptete das Bezirksamt, dass externe Prüfungen nicht möglich seien. Letztlich setzte sich hier die CDU durch: Es wurde eine Prüfung von 8.587 ungeklärten Baumstandorten sowie 1.000 neuen beauftragt, siehe https://www.sandrokappe.de/baumstandorte/.

 

Die dann ermittelten geeigneten Standorte sollten vom Bezirk Wandsbek so schnell wie möglich bepflanzt werden. Schließlich dauert es Jahrzehnte, bis sich die volle Wohlfahrtswirkung eines Baumes entfaltet. Angesichts der immer heißer werdenden Sommer brauchen die Hamburger und Hamburgerinnen dringend mehr Luftreinigung und Abkühlung durch Verdunstung und Schatten. Ganz abgesehen davon, dass der schiere Anblick von Stadtbäumen schon seine Qualitäten hat.

 

2017 gab es in Wandsbek 4.430 Neugeborene laut Statistikamt-Nord. Wenn Wandsbek jedes Jahr über 4.000 zusätzlich zu den Ausgleichspflanzungen für gefällte Bäume pflanzen würde, bin ich der Letzte, der sich beschwert. Natürlich werden nur die wenigsten Eltern ein solches Angebot annehmen.

 

Doch die Flächen für Baumbepflanzung sind leider sehr begrenzt, auch wenn jährlich nur 100 Eltern einen Geburtsbaum pflanzen (lassen) würden. Der Bezirk ist verpflichtet, gefällte Bäume 1:1,5 nachzupflanzen. Muss man da den frischen Eltern Geld für die Pflanzung aus der Tasche ziehen?

 

Im Grunde handelt es sich hierbei um eine Form der bereits bestehenden Aktion „Mein Baum – meine Stadt“. Hier können Anwohner bereits seit 2011 Bäume pflanzen lassem. Wer früher dafür gespendet hat, nutzt jetzt wahrscheinlich diese Möglichkeit. Somit wird kein zusätzlicher Baum gepflanzt.

 

Die Nachpflanzung von gefällten Bäumen ist die Aufgabe des Staates. Sicherlich kann man die Privaten beteiligten, dennoch bleibt es die originäre Aufgabe des Staates.

 

Die Geburtsbäume sind eine schöne PR von Rot-Grün im Bezirk. Chapeau. Doch gerade die Grünen sollten sich darauf konzentrieren, jetzt so viele Baumstandorte wie möglich mit Bäumen zu beschicken statt zwar medienwirksame, letztlich aber wirkungslose Vorschläge zu unterbreiten.

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