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Baumkontrollen in Hamburg: Nach schwerem Unfall bleiben Zahlen und Kosten im Dunkeln

Ende Oktober 2024 kam es im Bezirk Eimsbüttel zu einem schweren Baumunfall: Eine Hamburger Bürgerin wurde durch den Bruch einer städtischen Sumpfzypresse lebensgefährlich verletzt. Nach Medienberichten war der betroffene Baum zuvor weder als geschädigt erkannt noch entsprechend gekennzeichnet worden. Der Vorfall hat die Aufmerksamkeit erneut auf die Frage gelenkt, wie verlässlich, transparent und nachvollziehbar die Baumkontrollen in Hamburg tatsächlich sind.

Keine statistische Auswertung der Baumkontrollen möglich

Auf die Nachfrage, wie viele Bäume in den Jahren 2024 und 2025 im Rahmen der regulären Baumkontrollen geprüft wurden – aufgeschlüsselt nach Bezirken sowie der zuständigen Umweltbehörde (BUKEA) – verweist der Senat auf strukturelle Grenzen des bestehenden Systems. Zwar existiert mit dem Hamburger Straßenbaumkataster ein zentrales digitales Arbeitsinstrument, in dem Baumkontrollen gerichtsfest dokumentiert werden. Dieses System dient der Erfassung des Baumzustands, der Empfehlung von Maßnahmen sowie der Nachverfolgung ihrer Umsetzung.

Eine statistische Auswertung im Sinne einer bezirksweisen Gesamtzahl der geprüften Bäume sei jedoch nicht möglich. Das Kataster sei primär auf die operative Durchführung einzelner Kontrollen ausgelegt und nicht auf aggregierte Auswertungen nach Jahren oder Zuständigkeiten.

Unterschiedliche Kontrollintervalle je nach Baumtyp und Standort

Die Häufigkeit der Baumkontrollen ist in Hamburg nicht einheitlich geregelt, sondern richtet sich nach mehreren Faktoren: dem individuellen Zustand des Baumes, der berechtigten Sicherheitserwartung des Verkehrs sowie der Entwicklungsphase. Straßenbäume werden in der Regel als Einzelbäume kontrolliert – halbjährlich, jährlich, im Zweijahresrhythmus oder anlassbezogen. Jungbäume bis zum 15. Standjahr unterliegen überwiegend Pflegekontrollen.

In Grünanlagen oder bei flächigen Baumbeständen erfolgen hingegen Arealkontrollen. Innerhalb von Parks oder größeren Anlagen können für bestimmte Baumgruppen einheitliche Kontrollintervalle festgelegt werden. Diese Vielfalt an Kontrollformen erschwert eine einheitliche statistische Erfassung zusätzlich.

Auch Kosten lassen sich nicht getrennt beziffern

Ähnlich unklar bleibt die Kostenseite. Auf die Frage nach den Gesamtkosten der Baumkontrollen in den Jahren 2024 und 2025 – getrennt nach Bezirken und zentraler Zuständigkeit – teilt der Senat mit, dass eine vollständige und separate Bezifferung nicht möglich sei.

Das Baummanagement wird in den Bezirksämtern überwiegend mit eigenem Personal durchgeführt. Die Baumkontrolle ist dabei nur ein Teilbereich eines umfassenden Aufgabenfeldes. Kosten entstehen unter anderem durch Personal für Kontrollen, Sachbearbeitung und Leitung, durch Büro- und Fahrzeugausstattung, technische Geräte wie digitale Erfassungsstifte sowie durch die Pflege des Baumkatasters. Hinzu kommen Ausgaben für externe Fachfirmen, etwa bei Sonderuntersuchungen oder zusätzlichen Kontrollen.

Da diese Kostenbestandteile nicht separat ausgewiesen werden und eng mit anderen Aufgaben der Grünunterhaltung verzahnt sind, kann keine klare Gesamtsumme für Baumkontrollen allein benannt werden.

Transparenzlücke trotz zentralem Kataster

Der schwere Unfall in Eimsbüttel macht deutlich, dass trotz digitaler Systeme und geregelter Kontrollintervalle eine Transparenzlücke besteht. Weder die Anzahl der tatsächlich geprüften Bäume noch die dafür aufgewendeten Mittel lassen sich öffentlich nachvollziehen. Gerade vor dem Hintergrund der Verkehrssicherungspflicht und der Sicherheit der Bevölkerung wirft dies die Frage auf, ob bestehende Strukturen künftig stärker auf Auswertbarkeit und Nachvollziehbarkeit ausgerichtet werden müssen.