In der Gartenstadtsiedlung Hohnerkamp sorgt eine neue Maßnahme der SAGA Unternehmensgruppe für Irritationen und Unverständnis: An zahlreichen Zugängen zu Grün- und Wegeflächen wurden kurzfristig Schilder mit der Aufschrift „Privatweg – Nutzung und Zutritt nur für Mieter der SAGA“ angebracht. Betroffen sind unter anderem Verbindungen aus Richtung Erbsenkamp, Timmermannsredder, Heilberger Hang sowie Bereiche rund um die Bushaltestelle „Stühm Süd“.
Was viele Anwohner irritiert: Diese Wege wurden über Jahre ganz selbstverständlich von der Allgemeinheit genutzt – von Spaziergängern, Eltern mit Kindern, aber auch im Alltag von Busfahrern. Nun sollen diese Wege plötzlich nur noch einem eingeschränkten Personenkreis vorbehalten sein. Die Folge sind Umwege, Unsicherheit und vor allem viele offene Fragen.
Begründung: Mehr Sicherheit – aber nur auf dem Papier
Die SAGA verweist darauf, dass es sich bei den Flächen um Privateigentum handelt und zuletzt eine zunehmende Nutzung durch Dritte – insbesondere durch Fahrrad- und E-Scooter-Verkehr – festgestellt worden sei. Dies habe das subjektive Sicherheitsempfinden der Mieter beeinträchtigt.
Doch genau hier beginnt das Problem: Die Maßnahme beschränkt sich ausschließlich auf das Aufstellen von Schildern. Eine tatsächliche Kontrolle der Nutzung ist ausdrücklich nicht vorgesehen. Stattdessen setzt die SAGA auf „Regeltreue“ und freiwilliges Verhalten.
Placebo statt Durchsetzung
Damit entsteht der Eindruck einer Maßnahme ohne echte Wirkung. Denn wenn weder kontrolliert noch sanktioniert wird, bleibt die Einschränkung faktisch wirkungslos. Die Schilder wirken eher wie ein Placebo: Sie suggerieren Ordnung, ohne tatsächlich für Klarheit oder Durchsetzung zu sorgen.
Gleichzeitig werden aber diejenigen getroffen, die sich an Regeln halten wollen. Für sie entstehen konkrete Nachteile durch längere Wege und Unsicherheit darüber, ob sie die Wege noch nutzen dürfen.
Unklare Umsetzung im Alltag
Besonders problematisch ist die fehlende Klarheit in der praktischen Anwendung:
- Wer darf die Wege konkret nutzen – und wer nicht?
- Wie sollen Außenstehende erkennen, ob sie „berechtigt“ sind?
- Was gilt für alltägliche Situationen, etwa für Lieferdienste, Pflegekräfte oder Besucher?
Zwar stellt die SAGA klar, dass Besucher, Lieferanten und Haushaltsangehörige die Wege weiterhin nutzen dürfen. Doch ohne Kontrolle bleibt auch diese Regelung letztlich unverbindlich.
Dauerhafte Einschränkung mit Fragezeichen
Ob die Schilder dauerhaft bestehen bleiben sollen, lässt die SAGA offen. Es heißt lediglich, man werde die Maßnahme „regelhaft und situativ“ überprüfen. Eine klare Perspektive für die Anwohner gibt es damit nicht.
Die Situation am Hohnerkamp zeigt ein grundsätzliches Problem: Statt tragfähiger Lösungen wird auf symbolische Maßnahmen gesetzt. Schilder allein schaffen weder Sicherheit noch Akzeptanz – insbesondere dann nicht, wenn ihre Einhaltung gar nicht überprüft wird.
Was bleibt, ist Verunsicherung vor Ort und der Eindruck, dass hier mehr Schein als Sein umgesetzt wurde.
– Drucksache 23/3807 –

