Hamburg braucht sein Grün. Parks und Straßenbäume sorgen für Schatten und Kühlung, Grünflächen nehmen bei Starkregen Wasser auf und bieten Tieren und Pflanzen Lebensraum. Spielplätze, Brunnen und Planschbecken gehören gleichzeitig zur Lebensqualität in unseren Stadtteilen.
Doch ausgerechnet der neue Haushaltsentwurf der Umweltbehörde zeigt eine gewaltige Finanzierungslücke bei der Unterhaltung des öffentlichen Grüns.
Die BUKEA weist in ihrer eigenen Kennzahl „Defizit Grünanlagenunterhaltung (Sachkosten)“ für 2027 ein Defizit von 45,98 Prozent und für 2028 von 47,19 Prozent aus. Bis 2030 steigt der Wert sogar auf 53,65 Prozent (Einzelplan 6.2, S. 103).
Vereinfacht gesagt: 2028 fehlt nach der eigenen Berechnung der Umweltbehörde fast jeder zweite Euro.
Bezirksamtsleiterin warnte bereits vor den Folgen
Dass dies kein theoretisches Problem ist, zeigen die Warnungen aus den Bezirken.
Besonders deutlich wurde die Bezirksamtsleiterin von Hamburg-Nord, Dr. Bettina Schomburg. Sie bezeichnete die damalige finanzielle Entwicklung als „für das öffentliche Grün im Bezirk existenzbedrohend und in keiner Weise nachvollziehbar“. (siehe dazu https://www.sandrokappe.de/umweltbehoerde-verspricht-mehr-geld-fuer-gruenpflege-doch-im-haushalt-2026-2027-soll-gekuerzt-werden-bezirke-schlagen-alarm/)
Der Hintergrund: Die Mittel waren seit 2019 nicht entsprechend der Kostenentwicklung angepasst worden, während die Preise für Landschaftsbauarbeiten nach Angaben der Verwaltung um rund 66 Prozent gestiegen waren. Gleichzeitig kamen zusätzliche Grünflächen hinzu.
Die Verwaltung beschrieb auch, was eine weiterhin unzureichende Finanzierung bedeuten könnte: weniger Baum- und Nachpflanzungen, kein Ersatz beschädigter Spielgeräte und Parkbänke, Rückbau kleiner Spielplätze sowie die Stilllegung von Brunnen, Matschflächen und Planschbecken.
Das sind keine Horrorszenarien der Opposition, sondern Warnungen aus der Hamburger Verwaltung.
BUKEA spricht von „Goldstandard“ – im Haushaltsentwurf steht etwas anderes
Die BUKEA versucht das enorme Defizit inzwischen zu relativieren. Der ermittelte Bedarf sei ein theoretischer Pflege-„Goldstandard“.
Ein Blick in den Haushaltsentwurf zeigt allerdings eine andere Formulierung. Dort steht ausdrücklich:
„Die Kennzahl bilanziert das Defizit der Finanzmittelausstattung für die Pflege und Unterhaltung der öffentlichen Grün- und Erholungsanlagen.“
Und noch wichtiger: Die BUKEA erklärt selbst, dass der Vergleichswert der Gartenamtsleiterkonferenz auf eine „auskömmliche Grünflächenpflege“ ausgerichtet ist (Einzelplan 6.2, S. 103).
Von einem „Goldstandard“ steht dort nichts.
Die Bezirke warnen seit Jahren
Auch andere Bezirke haben erhebliche Finanzierungslücken festgestellt. Wandsbek bezifferte beispielsweise bei den Straßenbäumen eine Unterfinanzierung von rund 1,3 Millionen Euro, Bergedorf von rund 1,6 Millionen Euro. Wandsbek bezeichnete zudem die Finanzierung für Betrieb und Unterhaltung der Gewässer als strukturell nicht auskömmlich (BV-Drs. Wandsbek 21-0937 und 21-5745).
Es geht also nicht darum, ob unsere Parks künftig besonders luxuriös gepflegt werden. Es geht darum, ob Hamburg ausreichend Geld bereitstellt, um das vorhandene Grün vernünftig zu erhalten.
Spielplätze und Brunnen dürfen nicht dem Rotstift zum Opfer fallen
Gerade angesichts zunehmender Hitze wäre es kaum vermittelbar, wenn Brunnen stillgelegt, Bäume nicht nachgepflanzt oder Spielplätze zurückgebaut werden müssten, weil das Geld für ihre Unterhaltung fehlt.
Wir brauchen in unseren Stadtteilen mehr Schatten, mehr Bäume und funktionierende Brunnen – nicht weniger.
Wenn die eigene Umweltbehörde für 2028 ein Defizit von 47,19 Prozent ausweist und Bezirksverwaltungen gleichzeitig vor konkreten Folgen für Bäume, Spielplätze und Brunnen warnen, muss dieses Defizit geschlossen werden.
Unser öffentliches Grün ist kein „Goldstandard“, auf den Hamburg im Zweifel verzichten kann. Es gehört zur grundlegenden Infrastruktur einer lebenswerten Stadt.


