Skip to content Skip to footer

CO₂-Abscheidung bei Müllverbrennung: Hamburg prüft CCS für MVR und ZRE

Auch Müllverbrennungsanlagen verursachen erhebliche CO₂-Emissionen. Weil diese Emissionen künftig stärker mit Kosten belastet werden, prüft die Stadtreinigung Hamburg den Einsatz von Carbon Capture and Storage, kurz CCS.

Bei diesem Verfahren wird das CO₂ aus dem Abgas abgeschieden, anschließend transportiert und dauerhaft unterirdisch gespeichert. Nach Angaben des Senats kommt diese Technik grundsätzlich für zwei Hamburger Standorte infrage:

  • die Müllverwertung Rugenberger Damm
  • das noch im Bau befindliche Zentrum für Ressourcen und Energie in Stellingen

Konkrete Planungen gibt es jedoch bislang nicht. Weder für die MVR noch für das ZRE wurden die erforderlichen Detailstudien zur technischen Integration einer CO₂-Abscheideanlage erstellt. Deshalb kann der Senat derzeit nicht angeben, wie viel CO₂ abgeschieden werden könnte, welche Investitionen notwendig wären und wie hoch die laufenden Betriebskosten ausfallen würden.

Offen ist ebenfalls, ob und in welchem Umfang die erheblichen Kosten am Ende über höhere Abfallgebühren von den Hamburgerinnen und Hamburgern getragen werden müssten.

Hinzu kommt die ungeklärte Logistik: Das abgeschiedene CO₂ müsste von den Anlagen abtransportiert und zu geeigneten Speicherstätten gebracht werden. Dafür braucht es entsprechende Leitungen, Schiffe, Züge oder andere Transportmöglichkeiten sowie dauerhaft verfügbare Speicher. Diese Infrastruktur ist bislang nicht gesichert.

Andere Städte sind bereits weiter. Für das Müllheizkraftwerk Bremen wird eine CCS-Anlage mit einem Investitionsvolumen im dreistelligen Millionenbereich und einer möglichen Abscheidung von bis zu 300.000 Tonnen CO₂ im Jahr geplant.

Hamburg erkennt CCS damit zwar als mögliche Lösung für schwer vermeidbare Emissionen aus der Müllverbrennung an, befindet sich aber noch ganz am Anfang. Derzeit wird lediglich geprüft. Belastbare Angaben zu Kosten, Nutzen, Zeitplan und möglichen Folgen für die Müllgebühren liegen nicht vor.

Angesichts steigender CO₂-Kosten sollte der Senat zeitnah klären, ob CCS an den Hamburger Anlagen technisch und wirtschaftlich sinnvoll ist. Je länger konkrete Untersuchungen fehlen, desto größer wird das Risiko, später unter Zeitdruck teure Entscheidungen treffen zu müssen.

Quelle: Schriftliche Kleine Anfrage von Sandro Kappe und Antwort des Senats, Bürgerschaftsdrucksache 23/5166 vom 8. September 2026.