Seit dem 8. Dezember 2025 ist die Dreifeld-Sporthalle Turnierstieg am Standort des Gymnasium Osterbek vollständig gesperrt. Grund sind erneute und gravierende Absackungen des Hallenbodens. Für viele kam die Vollsperrung überraschend – doch bei genauerem Hinsehen drängt sich eine andere Frage auf: Warum wurde nicht früher gehandelt?
Schäden seit 2024 bekannt – trotzdem weitergespielt
Bereits im Jahr 2024 waren Schäden infolge von Wassereintritt bekannt geworden. Dennoch lief der Hallenbetrieb zunächst weiter. Ein tragfähiges Sanierungs- oder zumindest belastbares Ausweichkonzept war zu diesem Zeitpunkt offenbar nicht vorhanden.
Die Folge: Heute stehen Schulen und Vereine vor einem Scherbenhaufen. Sportstunden fallen aus oder können nur eingeschränkt stattfinden. Trainingszeiten wurden gestrichen, Wettkampfvorbereitungen erschwert. Besonders bitter: Der Stadtteil Bramfeld ist ohnehin nicht üppig mit Hallenzeiten ausgestattet.
Teilfreigabe als Notlösung – große Sperrung erst 2028?
Laut Mitteilung plant SBH | Schulbau Hamburg in Abstimmung mit der Schulbehörde eine Teilfreigabe der beiden stirnseitigen Hallenfelder. Nach Eilmaßnahmen zur Wiederherstellung des Bodens und erfolgreichen Kontrollmessungen könnten diese Felder voraussichtlich in der achten Kalenderwoche wieder genutzt werden.
Für den Schulsport steht derzeit lediglich eine Einfeldhalle zur Verfügung – eine deutliche Einschränkung für einen Standort mit mehreren Sportklassen.
Noch gravierender ist jedoch der Blick in die Zukunft:
Nach der Teilfreigabe sollen Planung und Durchführung der Gesamtsanierung folgen. Die eigentliche Vollsperrung für die Komplettsanierung ist demnach für rund zwölf Monate im Jahr 2028 vorgesehen.
Das bedeutet:
- Erst Teilreparatur
- Dann Jahre später eine erneute Komplettsperrung
- Und dazwischen weiterhin Unsicherheit
Ist das wirklich die wirtschaftlich und organisatorisch sinnvollste Lösung?
Keine Ausweichflächen vorgesehen – ernsthaft?
Besonders irritierend ist die Aussage, dass für Sportflächen gemäß Mieter-Vermieter-Modell (MVM) grundsätzlich keine Ausweichflächen zur Verfügung gestellt werden. In Abstimmung mit dem Bezirksamt Wandsbek werde zwar geprüft, ob Ersatz möglich ist – doch Ausweichmöglichkeiten könnten „nur sehr begrenzt in Einzelfällen“ angeboten werden. Konkret konnte lediglich für die 1. Damen-Volleyballmannschaft des TSV Wandsetal eine Hallenzeit organisiert werden – dienstags ab 19 Uhr in der Sporthalle Gropiusring, durch Absprache mit einem anderen Verein.
Und der Rest?
Jugendmannschaften? Breitensport? Weitere Wettkampfteams?
Für sie heißt es offenbar: improvisieren oder ausfallen lassen.
Leidtragende sind Schülerinnen, Schüler und Ehrenamtliche
Die Sperrung trifft nicht nur den schulischen Sportunterricht am Gymnasium Osterbek, sondern auch den organisierten Vereinssport im Stadtteil Bramfeld. Zahlreiche Sportstunden können seit Wochen nicht oder nur eingeschränkt stattfinden. Bestehende Ausweichlösungen decken den Bedarf lediglich teilweise ab.
Gerade nach den Pandemiejahren wissen wir, wie wichtig verlässliche Sportangebote für Kinder und Jugendliche sind. Bewegung, Teamgeist, soziale Bindung – all das leidet unter einer monatelangen Hängepartie.
Ein Stadtteil wie Bramfeld darf beim Thema Sportinfrastruktur nicht zum Dauerprovisorium werden. Wer Bildung, Integration und Ehrenamt ernst nimmt, muss auch funktionierende Sportstätten sicherstellen – und zwar rechtzeitig, planvoll und transparent.
Alles andere ist kein Sport – sondern Verwaltungsstillstand.
Quelle: Drucksache 23/2950

