Mitten auf dem Mundsburger Damm wächst seit Jahren ein Baum – nicht gepflanzt, nicht geplant, einfach gewachsen. Er hat sich seinen Weg durch die Gehwegplatten gebahnt, Stück für Stück, Jahr für Jahr. Dort, wo die Stadt versiegelt hat, hat sich die Natur ihren Raum einfach zurückgeholt.
Ich fahre fast täglich dort mit dem Fahrrad vorbei. Und jedes Mal denke ich mir: Wenn dieser Baum es schafft, unter härtesten Bedingungen zu überleben, warum schafft es der Senat nicht, hier endlich zu entsiegeln?
Ein paar Meter weiter gibt es bereits offene, entsiegelte Flächen – also genau dort, wo es problemlos funktioniert. Nur an dieser Stelle, wo der Baum seit Jahren kämpft, bleiben die Gehwegplatten unangetastet. Der Wegewart läuft vorbei, der Bezirk schaut nicht hin – und niemand scheint Verantwortung zu übernehmen.
Dieser eine Baum zeigt mehr als jede Klimastatistik: Die Natur gibt nicht auf. Sie wächst weiter, trotzt Beton, Bürokratie und Gleichgültigkeit. Während Hamburg über Klimaneutralität, Nachhaltigkeitsberichte und Zukunftsentscheide diskutiert, liegt die Lösung oft direkt vor uns – oder besser gesagt: wächst aus dem Boden.
Es ist höchste Zeit, dass die Stadt hinsieht. Nicht nur über Klima redet, sondern handelt: versiegelte Flächen öffnen, Lebensräume schaffen, und dort unterstützen, wo die Natur längst angefangen hat, die Arbeit selbst zu übernehmen.
Denn wenn ein einzelner Baum es schafft – warum nicht auch der Senat?


