Elbwasser für die Lausitz? – Überleitung gefordert –Was würde das für den Hamburger Hafen bedeuten?

Die Lausitz trocknet aus, Wasser wird an vielen Stellen zur Mangelware. In Brandenburg werden die Stimmen lauter, die eine Wasserüberleitung aus der Elbe fordern. In einem derzeit laufenden Forschungsprojekt des Umweltbundesamtes „Wasserwirtschaftliche Folgen des Braunkohleausstiegs in der Lausitz“ sollen u.a. Potenziale für Fremdwasserüberleitungen – auch aus der Elbe – untersucht werden. Hamburg darf sich an diesem Projekt nicht beteiligen.

 

Bereits heute fließt aufgrund der abnehmenden Wasserstände weniger Wasser flussabwärts, wodurch weniger Sedimente Richtung Meer transportiert werden können. Dadurch gelangen vermehrt Sedimente aus der Nordsee in die Tideelbe, was zu Mindertiefen führt, die kostenintensiv beseitigt werden müssen. Gleitzeitig verliert die Elbe an Süßwasser, da sich die Brackwasserzone flussaufwärts verschiebt. Dadurch könnte in Zukunft weniger Wasser für den Obstanbau zur Verfügung stehen. Die Entnahme und das Anstauen von Wasser muss daher im gesamten Flussgebiet abgestimmt werden, damit alle Flussanrainer ihre Interessen wahren können.

Der Ressource Wasser wird in Brandenburg immer knapper. Einige Städte können kaum noch die Trinkwasserversorgung garantieren. Die Wasserbetriebe sind bereits gezwungen, aus dem Uferfiltrat der Spree, zusätzlich zum gehobenen Grundwasser, weiteres Rohwasser zu gewinnen. Die Säurefracht in der Spree erreicht aber inzwischen bedenkliche Werte. Durch den Kohleausstieg droht sich das Sulfatproblem noch zu beschleunigen. Die Säurefracht im Fluss kann nur durch Verdünnen mit Wasser gesenkt werden. Dafür fließt der Spree aber zu wenig Wasser zu.

 

Hinzukommt, dass der Ausstieg aus dem Braunkohletagebau riesige Krater hinterlassen hat, die nun mit Wasser befüllt werden sollen. In den Speicherseen und bereits gefluteten Tagebaurestlöchern kommt es zu weiteren Wasserverlusten durch Verdunstung. Dies belastet zusätzlich den Wasserhaushalt.

 

Aus diesem Grund gibt es bereits die Forderung, Elbe-Wasser in die Lausitz zu lenken. Ich habe beim Senat nachgefragt (22-5001), ob und wie man sich mit dieser Forderung auseinandergesetzt hat.

 

Wie der Senat mitteilt, ist das Problem der „Wasserentnahme und Überleitung von Wasser“ bereits 2008 als wichtige Wasserbewirtschaftungsfrage identifiziert worden. Gemeinsam mit dem Bund und neun weiteren Bundesländern wurde zudem 2004 die Flussgebietsgemeinschaft Elbe gegründet.

 

Aufgrund des sich zuspitzenden Klimawandels wird sich die Verfügbarkeit von Wasser weiter reduzieren, vor allem in den vom Braunkohlebergbau geprägten Gebiete der Oberen Havel, der Schwarzen Elster und der Spree. Hier müssen laut Senat differenzierte und vertiefende Betrachtungen vorgenommen, weitere Maßnahmen und Managementkonzeptionen erarbeitet und die Ergebnisse länder-, sektoren- und akteursübergreifend verabredet werden.

 

Aber wie sollen länder-, sektoren- und akteursübergreifend Maßnahmen aussehen, wenn allen Beteiligten dieselbe Ressource, nämlich Wasser fehlt?

 

So heißt es weiter, dass in Hamburg Wasserentnahmen insbesondere bei ohnehin niedrigen Abflüssen nachteilige Auswirkungen auf die Gewässerökologie des Ästuars (der breite Wasserkörper an der Mündung eines Flusses oder Stroms an einer meist flachgründigen Senkungsküste) wie auch auf die Wassertiefeninstandhaltung des Hamburger Hafens entfalten können.

 

Die letzten acht Jahre im Elbeeinzugsgebiet waren geprägt durch historisch niedrige Abflüsse, die dazu führen, dass die natürliche stromabgerichtete Verlagerung der Sedimente innerhalb der Tideelbe abnimmt. Dies hat zur Folge, dass vermehrt marine Sedimente in die Tideelbe eingetragen werden, wo sie zu Mindertiefen bzw. erhöhtem Unterhaltungsbedarf führen. Gleichzeitig kann sich die schwebstoffreiche Trübungszone stromauf verlagern. Niedrige Abflüsse führen auch zu einer Verschiebung der Brackwasserzone im Ästuar stromaufwärts mit entsprechender Verringerung des Ausbreitungsbereichs der Süßwasserwatten und möglichen Folgen für die Süßwasserentnahmen für den Obstbau.

 

Hinsichtlich der Wasserqualität ist zu erwarten, dass bei gleichbleibender Schadstofffracht die Konzentrationen gelöster Schadstoffe durch eine geringere Wasserführung theoretisch ansteigen, während die Belastung in Schwebstoffen und Sedimenten durch die vermehrte Beimengung unbelasteter mariner Schwebstoffe tendenziell abnimmt.

 

Durch den Tideeinfluss von der Nordsee ist eine Veränderung der Wasserstände in Hamburg nicht wahrscheinlich. Eine Unterschreitung der im Rahmen des Gesamtkonzepts Elbe angestrebten Fahrrinnentiefe der Binnenelbe könnte sich auch auf das Wertschöpfungspotenzial durch weniger Be- und Entladungen von Binnenschiffen im Hamburger Hafen auswirken.

 

Daher müssen Wasserentnahmen, die die Abflüsse weiter senken, ebenso wie Stauhaltungen flussgebietsweit abgestimmt und gesteuert werden, um eine alle Belange einbeziehende Wassermengenbewirtschaftung zu gewährleisten, die die ökologischen und wirtschaftlichen Folgen im gesamten Flussgebiet berücksichtigt und einen Interessensausgleich zwischen Ober- und Unterliegern sicherstellt.

 

Vereinfacht gesagt: Bereits heute fließt aufgrund der abnehmenden Wasserstände weniger Wasser flussabwärts, wodurch weniger Sedimente Richtung Meer transportiert werden können. Dadurch gelangen vermehrt Sedimente aus der Nordsee in die Tideelbe, was zu Mindertiefen führt, die kostenintensiv beseitigt werden müssen. Gleitzeitig verliert die Elbe an Süßwasser, da sich die Brackwasserzone flussaufwärts verschiebt. Dadurch könnte in Zukunft weniger Wasser für den Obstanbau zur Verfügung stehen. Die Entnahme und das Anstauen von Wasser, muss daher im gesamten Flussgebiet abgestimmt werden, damit alle Flussanrainer ihre Interessen wahren können.

 

Wie der Senat weiter mitteilt, sollen in einem derzeit laufenden Forschungsprojekt des Umweltbundesamtes „Wasserwirtschaftliche Folgen des Braunkohleausstiegs in der Lausitz“, u.a. Potenziale für Fremdwasserüberleitungen – auch aus der Elbe – untersucht werden. Zudem umfasst ein Arbeitspaket die Erschließung neuer potenzieller Standorte für weitere Wasserspeicher zur Verbesserung der Abflussverhältnisse und Wasserversorgung in der Region.

 

Wegen der zukunftsweisenden Bedeutung des Projekts auch für die Tideelbe hat Hamburg in Abstimmung mit Niedersachsen und Schleswig-Holstein erbeten, in der Projektsteuerungsgruppe als Vertretung des Tideelberaums konstruktiv mitzuwirken. Der Projektträger hat trotz mehrfacher Anfragen dieses Angebot abgelehnt und möchte auf die hydrologische Expertise der Tideelbeländer verzichten. Die Vertretung der überregionalen Interessen der Tideelbe musste daraufhin über die beteiligten Länder der Flussgebietsgemeinschaft Elbe sichergestellt werden, so der Senat.

 

Wie wahrscheinlich ist es jedoch, dass tatsächlich Wasser aus der Elbe in die Lausitz fließen wird?

 

Aus Sicht des Senates, ist das Entnehmen und Ableiten von Wasser aus oberirdischen Gewässern eine Benutzung im Sinne des Wasserhaushaltsgesetzes, die der Erlaubnis oder der Bewilligung bedarf. Für ein Vorhaben, das nach dem Gesetz über die Umweltverträglichkeitsprüfung einer Umweltverträglichkeitsprüfung unterliegt, können Erlaubnis und Bewilligung nur in einem Verfahren erteilt werden, das den Anforderungen des genannten Gesetzes entspricht und in dem die Betroffenen und die beteiligten Behörden Einwendungen geltend machen können. In Inhalts- und Nebenbestimmungen können Maßnahmen angeordnet werden, damit das Wasser mit Rücksicht auf den Wasserhaushalt sparsam verwendet wird. In der Regel ist dafür von der zuständigen Planfeststellungsbehörde ein Planfeststellungsverfahren durchzuführen.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0