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Energiepark Hafen wird zum Kostenfiasko – Projekt Dradenau droht aus dem Ruder zu laufen

Das Prestigeprojekt des rot-grünen Senats zur Hamburger Wärmewende entwickelt sich immer mehr zum Kostenfiasko. Der Bau des Energieparks Hafen auf der Dradenau, der das Kohlekraftwerk Wedel ersetzen soll, wird inzwischen mit 724,4 Millionen Euro veranschlagt – ganze 272 Millionen Euro mehr als ursprünglich geplant.

Kostensteigerung um über 60 % – trotz mehrfacher Nachbesserungen

Als das Projekt im Dezember 2021 vom Aufsichtsrat der Hamburger Energiewerke (HEnW) genehmigt wurde, lag das Budget bei 452 Millionen Euro. Seitdem wurde der Kostenrahmen dreimal erhöht – zuletzt im September 2025. Innerhalb von vier Jahren sind die kalkulierten Ausgaben damit um mehr als 60 Prozent gestiegen.

Offiziell verweist der Senat auf bekannte Gründe wie den Ukrainekrieg, gestiegene Materialpreise und erhöhte Brandschutzauflagen. Doch die Antwort zeigt auch: Ein erheblicher Teil der jüngsten Mehrkosten geht auf Planungsfehler und Nachbesserungen zurück.
So entsprach die ursprüngliche Ausführungsplanung des Generalunternehmers nicht den sicherheitstechnischen Anforderungen – die Folge sind teure Nacharbeiten am gesamten Rohrleitungssystem.

Senat hält am Zeitplan fest – Zweifel bleiben

Trotz der massiven Kostensteigerungen und Verzögerungen hält der Senat weiter am ursprünglichen Zeitplan fest:
Die Inbetriebnahme soll Ende 2025 beginnen, das Kohlekraftwerk Wedel soll Ende 2026 endgültig abgelöst werden.
Eine Verschiebung um rund ein halbes Jahr – nach Einschätzung des Senats ohne Auswirkungen auf die Versorgungssicherheit.
Diese optimistische Bewertung erscheint jedoch zweifelhaft, wenn man bedenkt, dass der Energiepark Hafen das zentrale Rückgrat des Hamburger Kohleausstiegs darstellen soll.

Unklar, wer die Mehrkosten trägt

Besonders kritisch: Der Senat lässt offen, wer die enormen Mehrkosten tragen wird.
Fest steht bislang nur, dass die Stadt Hamburg selbst „voraussichtlich keine Mehrkosten“ übernimmt. Damit droht die finanzielle Last am Ende bei den Fernwärmekunden zu landen. Zwar seien aktuell keine Preiserhöhungen vorgesehen – das könnte sich jedoch schnell ändern, wenn die Indexwerte ansteigen.

Projektmanagement unter Druck

Erst nach den jüngsten Enthüllungen hat der Senat die HEnW beauftragt, eine Ursachenanalyse vorzunehmen und das Projektcontrolling zu verstärken – gegebenenfalls mit externer Unterstützung.
Doch dieses Eingreifen kommt viel zu spät. Nach Jahren steigender Baukosten, fehlender Transparenz und verzögerter Kommunikation stellt sich die Frage:
Warum wurde die Bürgerschaft nicht früher und umfassender informiert?

Das Vertrauen in die Kostenplanung des Senats ist massiv beschädigt. Wer Projekte dieser Dimension verantwortet, muss frühzeitig und transparent über Risiken informieren – nicht erst, wenn die Kosten bereits explodiert sind. Der Energiepark Hafen ist zu wichtig, um zum Symbol für Missmanagement zu werden.

Hintergrund

Der Energiepark Hafen soll Hamburgs Wärmewende maßgeblich voranbringen. Das Gas- und Dampfturbinenkraftwerk (GuD Dradenau) soll künftig klimaneutrale Abwärme aus Industrie, Abfallverwertung und Kläranlagen in die Fernwärme einspeisen. Es gilt als zentraler Baustein des Kohleausstiegs bis 2030.
Mit den jüngsten Kostenexplosionen droht das Projekt jedoch, seinen Anspruch als Leuchtturm der Energiewende zu verlieren.

– Drucksache 23/1612