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Erneut aufgedeckt: ZRE steigt von 234 auf über 534 Millionen Euro – gleiche Muster wie bei Hamburg Wasser

Erneut konnte ich erhebliche Probleme bei einem öffentlichen Unternehmen aufdecken. Und erneut zeigen sich Muster, die leider bekannt vorkommen: massive Kostensteigerungen, Verzögerungen, neue externe Prüfungen, organisatorische Veränderungen und die Frage, seit wann die Probleme tatsächlich bekannt waren.

Beim Zentrum für Ressourcen und Energie (ZRE) handelt es sich nicht um irgendein Projekt. Das ZRE wurde über Jahre als zentraler Baustein der Hamburger Wärmewende präsentiert. Die Anlage soll künftig jährlich 350 bis 450 Gigawattstunden Wärme liefern und rund 10 Prozent der Wärmeerzeugung im Hamburger Fernwärmenetz beitragen. Zehn Prozent Fernwärme sind kein kleines Nebenprojekt – es geht um die Versorgungssicherheit und einen wichtigen Baustein für den Kohleausstieg.

Die Entwicklung der Kosten ist alarmierend. Ursprünglich lag die Kalkulation bei rund 234 Millionen Euro. Daraus wurden später zunächst 325 Millionen Euro, danach mehr als 450 Millionen Euro und zuletzt bereits 534 Millionen Euro. Nun räumt der Senat sogar ein: Selbst diese Summe wird voraussichtlich nicht ausreichen.

Besonders kritisch ist: Der Senat nennt bislang nicht einmal eine neue konkrete Zahl. Das bedeutet nichts anderes, als dass aktuell offenbar noch nicht einmal klar ist, wie teuer das Projekt am Ende tatsächlich wird.

Die Parallelen zu den Problemen bei Hamburg Wasser und VERA II sind auffällig. Dort haben wir ebenfalls erlebt, wie Kosten massiv gestiegen sind und Risiken erst spät sichtbar wurden. Bei VERA II haben sich die Kosten inzwischen auf rund 300 Millionen Euro mehr als verdoppelt.

Noch bemerkenswerter ist aber die Projektsteuerung. Bei Hamburg Wasser wurde unter anderem kritisiert, dass zentrale Steuerungsstrukturen nicht ausreichend vorhanden oder zu spät eingerichtet wurden. Beim ZRE wurde ein vorhandener Lenkungsausschuss im Projektverlauf sogar eingestellt und durch regelmäßige Jour-Fixes ersetzt.

Bei einem Projekt dieser Größenordnung stellt sich die Frage, wie eine solche Entscheidung getroffen werden konnte. Denn jetzt sehen wir plötzlich das genaue Gegenteil: Externe Projektbewertungen, neue Projektleitungen, zusätzliche kaufmännische Steuerung, Claim-Manager und eine komplette Überarbeitung der Projektorganisation.

Das wirft eine weitere Frage auf: Warum werden diese Strukturen jetzt aufgebaut und nicht bereits deutlich früher?

Besonders irritierend ist der zeitliche Ablauf. Noch im Dezember 2025 wurde dem Aufsichtsrat bestätigt, dass sowohl das Budget als auch die geplante Wärmelieferung eingehalten werden können. Wenige Monate später wird plötzlich von erheblichen Kostensteigerungen, Verzögerungen und einer grundlegenden Neuaufstellung des Projekts berichtet.

Hier stellt sich zwangsläufig die Frage: Wurden die Probleme zu spät erkannt – oder zu spät kommuniziert?

Positiv ist, dass die neue Umweltsenatorin offenbar bereits Konsequenzen zieht und zusätzliche Maßnahmen eingeleitet wurden. Das ist notwendig. Denn schlimm wird es, wenn selbst bei öffentlichen Unternehmen Strukturen entstehen, bei denen Aufsichtsgremien erst sehr spät ein vollständiges Bild erhalten.

Eines ist aber auch klar: Die Wärmewende kann nur funktionieren, wenn die Menschen Vertrauen haben. Bürgerinnen und Bürger sollen Milliardeninvestitionen, neue Heizsysteme und erhebliche Veränderungen mittragen. Dann muss die öffentliche Hand ihre eigenen Großprojekte auch zuverlässig steuern.

Jahrelang wurde das ZRE als zentraler Baustein der Wärmewende dargestellt. Jetzt, wo Probleme sichtbar werden, heißt es plötzlich, es sei nur ein ergänzender Baustein. Das passt nicht zusammen.

Ich erwarte – wie bei Hamburg Wasser – eine lückenlose Aufklärung. Und ich verspreche: Ich werde so lange dranbleiben, bis die Ursachen vollständig aufgearbeitet und die Missstände abgestellt sind.