Skip to content Skip to footer

Farmsen: Als Lehrschwimmbecken verkauft – tatsächlich entsteht eine Schwimmhalle

Seit Jahren spricht der Senat beim Neubau am Hermelinweg von einem „Lehrschwimmbecken“. So wurde das Projekt öffentlich vorgestellt, so wird es in Pressemitteilungen bezeichnet und so wurde es auch beim Spatenstich im Februar 2025 kommuniziert.

Wer den Begriff Lehrschwimmbecken hört, denkt an ein kleines, flaches Becken für Schwimmanfänger. Die nun vom Senat veröffentlichten Daten zeichnen jedoch ein anderes Bild.

Geplant ist ein Becken mit vier 25-Meter-Bahnen, zehn Metern Breite und einer Wassertiefe von bis zu 1,80 Metern. Hinzu kommen fünf Sammelumkleiden, eine umfangreiche barrierefreie Ausstattung, Umkleiden für mehrfachschwerbehinderte Menschen und weitere Einrichtungen. Die Gesamtinvestitionen belaufen sich auf rund 21 Millionen Euro.

Besonders bemerkenswert ist dabei ein Blick in die Fachliteratur für den Schul- und Bäderbau. In der DGUV-/Schulsport-Systematik heißt es ausdrücklich:

„Die Wassertiefe im Lehr- bzw. Nichtschwimmerbecken darf höchstens 1,35 m betragen.“

Quelle: „Schwimmhallen – Planung, Bau und Betrieb“, DGUV/Schulsport-Systematik:
https://sish.rms2cdn.de/files/public/gesamt-pdf/schwimmhalle.pdf

Auch die dort beschriebenen typischen Lehrschwimmbecken sind deutlich kleiner als die nun geplante Anlage in Farmsen.

Auf Nachfrage erklärt der Senat nun selbst, dass die Begriffe Lehrschwimmbecken und Schwimmhalle nicht klar voneinander abgegrenzt seien. Gleichzeitig räumt er ein, dass das Becken am Hermelinweg größer ausfällt als die üblichen Lehrschwimmbecken in Hamburg. Deshalb habe man für die Antragstellung beim Bund sogar den Begriff „lehrschwimmorientiertes Becken“ verwendet.

Für Vereine und Schwimmausbilder ist die Beckentiefe keineswegs nebensächlich. Gerade für Schwimmanfänger, Kindergruppen und Nichtschwimmer bieten flachere Lehrschwimmbecken Vorteile. Trainer können im Wasser stehen, Kinder verlieren weniger schnell die Orientierung und Ängste vor tiefem Wasser lassen sich leichter abbauen. Bei einer Tiefe von bis zu 1,80 Metern ist dies in großen Teilen des Beckens nicht mehr möglich. Das bedeutet nicht, dass dort kein Schwimmunterricht stattfinden kann – allerdings entspricht dies nicht dem klassischen Konzept eines Lehrschwimmbeckens, wie es vielerorts für die Schwimmausbildung eingesetzt wird.

Damit stellt sich eine berechtigte Frage: Warum wurde der Öffentlichkeit über Jahre hinweg der Eindruck vermittelt, es entstehe ein klassisches Lehrschwimmbecken?

Die Fakten sprechen eine andere Sprache. Vier 25-Meter-Bahnen, eine Tiefe von bis zu 1,80 Metern und Investitionen von 21 Millionen Euro entsprechen nicht dem Bild, das die meisten Menschen mit einem Lehrschwimmbecken verbinden. Selbst der Senat vermeidet inzwischen eine eindeutige Zuordnung und spricht stattdessen von einem „lehrschwimmorientierten“ Becken.

Für viele Bürger wirkt das wie eine nachträgliche Umdeutung. Jahrelang wurde ein Begriff verwendet, der bei den meisten Menschen bestimmte Vorstellungen weckt. Erst auf konkrete Nachfrage wird deutlich, dass die geplante Anlage deutlich größer und anders ausgestattet ist als ein klassisches Lehrschwimmbecken.

Noch schwerer wiegt, dass die Bezeichnung politisch genutzt wurde, um Erwartungen zu wecken. Wer von einem Lehrschwimmbecken spricht, vermittelt den Eindruck einer gezielten Investition in die Schwimmausbildung von Kindern. Tatsächlich entsteht eine deutlich größere Anlage mit Eigenschaften einer Schwimmhalle. Die Öffentlichkeit wurde damit über die tatsächliche Ausgestaltung des Projekts zumindest nicht vollständig informiert.

Wer öffentliche Projekte plant und mit Steuergeld finanziert, sollte von Anfang an klar benennen, was gebaut wird. Bei einem Projektvolumen von 21 Millionen Euro darf erwartet werden, dass die Bürger eine präzise Beschreibung erhalten – und keine Begrifflichkeiten, die erst Jahre später relativiert werden.

Quelle: Bürgerschaftsdrucksache 23/4370 sowie Pressemitteilung des Bezirksamtes Wandsbek vom 24.02.2025.