Seit 2015 wurden in Hamburg unter rot-grüner Regierungsverantwortung 105,06 Hektar Grünflächen in Bauland umgewandelt – davon 39,28 Hektar allein im Bezirk Wandsbek. Das entspricht einer Fläche von rund 127 Fußballfeldern. Weitere 192,05 Hektar sollen nach bisherigen Planungen noch folgen. Die Auswirkungen dieser Entwicklung sind gravierend: zunehmende Versiegelung verschärft Hitzeprobleme im Stadtklima, erhöht das Risiko von Überflutungen bei Starkregen und reduziert wichtige Kaltluftentstehungsflächen.
Bereits zwischen 1999 und 2017 stieg der Anteil versiegelter Flächen in Hamburg von 36 auf 39 Prozent. In einer wachsenden Metropole ist der Nutzungskonflikt zwischen Wohnungsbau, Infrastruktur und Umwelt zwar real – dennoch gilt politisch der Grundsatz: Entsiegelung, wo möglich, und Versiegelung nur, wo zwingend nötig. Genau hier zeigt sich jedoch ein zentrales Problem der Hamburger Stadtentwicklung.
Neue Zahlen – aber keine Vergleichbarkeit
Aktuell beziffert der Senat den Versiegelungsgrad Hamburgs auf 31 Prozent, basierend auf einer KI-gestützten Auswertung hochaufgelöster Luftbilder aus dem Jahr 2020. Diese Methodik wurde neu eingeführt und erlaubt eine flächendeckende Klassifikation der Bodenbedeckung. Ein Vergleich mit früheren Jahren – insbesondere mit 2017 – ist laut Senat jedoch nicht möglich, da zuvor eine völlig andere Methodik verwendet wurde.
Damit bleibt unklar, wie sich die Versiegelung tatsächlich entwickelt hat. Flächenscharfe Aussagen darüber, wie viele Hektar seit 2015 zusätzlich versiegelt wurden oder wie sich dies auf die sieben Bezirke verteilt, können nach Angaben des Senats nicht gemacht werden. Die früheren Datengrundlagen seien dafür ungeeignet gewesen.
Blinder Fleck trotz bekannter Entwicklung
Diese Aussage steht in einem deutlichen Spannungsverhältnis zu den politisch bekannten Zahlen über umgewandelte Grünflächen seit 2015. Zwar ist bekannt, dass Flächen verloren gingen – wie stark, wo genau und mit welchen kumulativen Effekten auf Stadtklima und Wasserhaushalt bleibt jedoch im Dunkeln. Eine strategische Steuerung wird dadurch erheblich erschwert.
Besonders kritisch: Der Senat arbeitet weiterhin mit einem Flächennutzungsplan aus den 1990er-Jahren. Zwar wird dieser formal über sogenannte Parallelverfahren angepasst, wenn neue Bebauungspläne nicht aus dem bestehenden Plan entwickelbar sind. Seit der Neubekanntmachung 1997 wurden auf diesem Weg 189 Änderungsverfahren durchgeführt. Eine umfassende, moderne Fortschreibung mit Blick auf Klimaanpassung, Entsiegelung und Nachverdichtung auf bereits versiegelten Flächen steht jedoch weiterhin aus.
Hamburg versiegelt weiter – doch eine transparente, vergleichbare und bezirksscharfe Datengrundlage fehlt. Ohne verlässliche Zahlen lässt sich weder der ökologische Schaden realistisch bewerten noch eine wirksame Gegenstrategie entwickeln. Angesichts von Klimawandel, Starkregenereignissen und Hitzesommern wird deutlich: Stadtentwicklung braucht endlich eine zeitgemäße Flächenpolitik – datenbasiert, klimaresilient und vorausschauend.
Quelle: Drucksache 23/2549

