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Gewerbeflächen-Bilanz 2025 veröffentlicht: Wo der Norden wachsen kann

Die Nachfrage nach Gewerbeflächen bleibt in der Metropolregion Hamburg ungebrochen hoch – und doch zeigt die aktuelle Gewerbeflächen-Bilanz 2025, dass trotz zunehmenden Flächendrucks weiterhin nennenswerte Potenziale bestehen. Rund 1.750 Hektar sofort bis mittelfristig verfügbare Gewerbe- und Industrieflächen wurden in der dritten länderübergreifenden Analyse identifiziert. Damit ist das Gesamtangebot gegenüber der Vorgängerbilanz leicht um rund drei Prozent gestiegen.

Von den erfassten Flächen sind 873 Hektar sofort nutzbar, das Angebot an Industriearealen erhöhte sich moderat auf 622 Hektar. Auffällig ist dabei der hohe Anteil öffentlicher Eigentümer: Mehr als 70 Prozent der Flächen gehören Kommunen oder anderen öffentlichen Trägern. Besonders umfangreiche Baulandreserven finden sich in den Kreisen Ludwigslust-Parchim, Schwerin, Hamburg und Steinburg, die gemeinsam fast zwei Drittel des gesamten Angebots stellen – häufig jedoch mit größerer Entfernung zum Hamburger Zentrum. Entlang der Autobahnen A1 und A7 liegen zudem erhebliche, bislang ungenutzte Potenziale, die jedoch teilweise durch Emissionsvorgaben oder andere Restriktionen eingeschränkt werden.

Digitale Transparenz: GEFIS zeigt, wo Platz ist

Mit dem Gewerbeflächen-Informationssystem GEFIS steht der Region ein in Deutschland einzigartiges Tool zur Verfügung, das verfügbare Gewerbeflächen zentral sichtbar macht. Interessierte Unternehmen können dort nach Standorten suchen, Flächen vergleichen und direkt Kontakt zu den verantwortlichen Stellen aufnehmen. Die Plattform trägt zunehmend dazu bei, interkommunale Entwicklungen zu erleichtern und den Markt transparenter zu gestalten.

Hohe Nachfrage – und deutliche regionale Unterschiede

Die Bilanz offenbart ein heterogenes Bild innerhalb der 21 beteiligten Kreise und kreisfreien Städte. Besonders stark nachgefragt sind Flächen weiterhin in Stormarn, Segeberg, Pinneberg und Harburg. Die bevorstehende Fehmarnbelt-Querung wirkt bereits jetzt als zusätzlicher Nachfrageimpuls.

Neue Gewerbeflächen entstehen vor allem in gut angebundenen Regionen wie dem Herzogtum Lauenburg, Rotenburg (Wümme) und Stormarn. In Lübeck, dem Kreis Segeberg und dem Heidekreis hingegen ging das Angebot aufgrund hoher Nachfrage zurück. Große Reserven weisen dagegen weiterhin Ludwigslust-Parchim, Schwerin und Nordwestmecklenburg auf.

Hamburg: Hohe Bedeutung, begrenzte Reserven

Der Stadtstaat bleibt zentraler Wirtschafts­motor der Region. Rund 160 Hektar gewerblich nutzbare Flächen stehen derzeit zur Verfügung – bei gleichzeitig hoher Nachfrage insbesondere nach Lager- und Produktionsflächen. Die durchschnittliche Flächengröße liegt bei bescheidenen 1,2 Hektar.

Positiv entwickelte sich das Angebot wissensorientierter Gewerbeflächen. Forschung, Innovation und technologieintensive Unternehmen stärken zunehmend das Profil der Stadt. Die Infrastruktur spielt dabei eine Schlüsselrolle: 87 Prozent der verfügbaren Gewerbeflächen liegen in Autobahnnähe, digitale Netze sind nahezu flächendeckend ausgebaut.

Wer kauft? Vor allem die Betriebe vor Ort

Im Berichtszeitraum wurden 356 Hektar vermarktet und 390 Grundstücke verkauft – weniger Transaktionen als zuvor, aber mit größerer Fläche. Über zwei Drittel der Verkäufe betrafen kleine Parzellen unter 5.000 Quadratmetern. Es sind also vor allem die regionalen, häufig kleineren Unternehmen, die den Markt bestimmen: Mehr als die Hälfte aller Grundstücke gingen an Betriebe aus der jeweiligen Kommune.

Ein deutlicher Ausschlag im überregionalen und internationalen Flächenumsatz – mehr als 100 Hektar – resultiert aus der ursprünglich geplanten Northvolt-Ansiedlung in Dithmarschen. Große Umsätze verzeichnete zudem der Landkreis Ludwigslust-Parchim, gefolgt von Rotenburg (Wümme). Erhöhte Nachfrage zeigt sich besonders entlang der Autobahnachsen A1 und A7.

Parallel dazu stiegen die Gewerbeanmeldungen nahezu überall. Hamburg bleibt Spitzenreiter, gefolgt von Pinneberg, Segeberg und Stormarn. Auch Lüneburg und Stade verzeichnen dynamische Gründungsaktivität.

Beim Gewerbesteueraufkommen zeigt sich ein stabiles, regional jedoch differenziertes Bild: In sieben Kreisen stiegen die Einnahmen entgegen dem bundesweiten Trend – besonders deutlich in Rotenburg (Wümme) (+49 %) und Steinburg (+15 %). Moderate Zuwächse gab es in Stormarn, Uelzen und Dithmarschen.

Experten sehen Handlungsbedarf

Fachliche Einschätzungen aus Landesplanung und Wirtschaftsförderungen weisen darauf hin, dass der Wettbewerb um Flächen zunimmt – insbesondere zwischen Gewerbe und erneuerbaren Energien. Gleichzeitig gewinnt die interkommunale Zusammenarbeit an Bedeutung.

Viele Kommunen stehen jedoch vor Herausforderungen: Mangel an Entwicklungsflächen, rechtliche Hürden, langwierige Planungsverfahren und restriktive Flächenpolitiken erschweren Ansiedlungen. Hinzu kommen bürokratische Hindernisse bei der Entwicklung gemeinsamer Gewerbegebiete.

Die Gutachter sehen die Wirtschaft auf dem Weg in eine stärker wissensbasierte Zukunft. Sie empfehlen daher, besonders geeignete Standorte gezielt weiterzuentwickeln – darunter etwa der Innovationspark Altona, der Innovations- und Wissenschaftspark Geesthacht, das CFK Valley in Stade oder Innovationscluster in Wittenburg.

Methodik

Die Gewerbeflächen-Bilanz wird regelmäßig auf Basis des Gewerbeflächen-Informationssystems (GEFIS) erstellt. Der aktuelle Bericht umfasst die Jahre 2022 bis 2023 und berücksichtigt quantitative Daten sowie qualitative Einschätzungen der regionalen Wirtschaftsförderungen und Planungsstellen aus 21 Kreisen und kreisfreien Städten in Hamburg, Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern.