Ab dem 1. Januar 2027 wird es ernst: In der gesamten Europäischen Union tritt ein einheitlicher CO₂-Preis in Kraft – und dieser wird voraussichtlich zwei- bis dreimal so hoch ausfallen wie der bisherige deutsche nationale Preis. Für Industrie, Energieversorgung, Verkehr und große Teile der städtischen Infrastruktur bedeutet das eine tiefgreifende wirtschaftliche und technische Zäsur.
Parallel dazu rücken Technologien zur CO₂-Abscheidung, -Nutzung und -Speicherung (CCS/CCU) zunehmend in den Fokus. Sie gelten als potenziell wichtige Instrumente, um unvermeidbare Emissionen zu reduzieren und hochindustrielle Regionen wie Hamburg auf den Pfad zur Klimaneutralität zu bringen. Gleichzeitig spielen natürliche Senken – Wälder, Moore und Böden – eine zentrale Rolle, deren Potenzial bislang längst nicht ausgeschöpft ist.
Doch Hamburgs Klimabilanz weist weiterhin relevante Lücken auf: Internationale Emissionen aus Flug- und Schiffsverkehr, die für eine Hafenstadt von globaler Bedeutung essenziell sind, werden bislang nicht vollständig berücksichtigt. Diese Grauzone erschwert eine ehrliche Bewertung des tatsächlichen CO₂-Fußabdrucks der Stadt.
Wie bewertet der Senat CCS und CCU?
Der Senat verweist darauf, dass die strategische Bewertung der Technologien derzeit im Rahmen einer neuen Carbon Management Strategie erarbeitet wird. In diesem behördenübergreifenden Prozess sollen Wirksamkeit, Risiken und mögliche Anwendungsfelder von CCS und CCU für Hamburg analysiert und systematisch aufbereitet werden. Konkrete Aussagen dazu, wie effektiv diese Verfahren im städtischen Kontext sein können oder welche Risiken – etwa geologische, technische oder regulatorische – bestehen, macht der Senat bisher nicht.
Klar ist jedoch: Hamburg wird angesichts steigender CO₂-Kosten und der ambitionierten Klimaziele nicht darum herumkommen, sich intensiv mit diesen Technologien auseinanderzusetzen. Ob sie allerdings einen nennenswerten Beitrag zur städtischen Klimaneutralität leisten können, hängt maßgeblich von den Ergebnissen dieser Strategie ab – und von der Frage, wie praktikabel, wirtschaftlich und gesellschaftlich akzeptiert CCS und CCU in einer dicht besiedelten Metropolregion sind.
Welche Projekte plant Hamburg?
Konkrete Planungen oder Pilotprojekte werden vom Senat bislang nicht benannt. Stattdessen verweist er darauf, dass die Durchführung von CCS- oder CCU-Vorhaben primär in der Verantwortung privater und öffentlicher Akteure liege – etwa in der Industrie, der Energiewirtschaft oder bei Forschungsinstituten.
Damit bleibt offen, welche Rolle die Stadt selbst künftig übernehmen will: moderierend, fördernd oder auch investiv? Angesichts der industriepolitischen Bedeutung für Standorte wie den Hafen, Stahl- oder Zementproduktion wäre eine klare Orientierung dringend notwendig.
Hamburg steht vor wegweisenden Entscheidungen. Der EU-CO₂-Preis zwingt Wirtschaft und Politik zu schnellen und belastbaren Strategien, während CCS und CCU als mögliche Bausteine für die Klimaziele diskutiert werden. Doch bisher bleibt der Senat inhaltlich vage. Ohne konkrete Projekte, klare Bewertungen und ohne Transparenz über mögliche Risiken und Chancen droht die Stadt ins Hintertreffen zu geraten – gerade in einer Phase, in der energieintensive Industrien schnelle Antworten benötigen.
Die kommenden Monate werden zeigen, ob Hamburg den Anspruch eines führenden Klimastandorts tatsächlich mit Leben füllt oder lediglich Strategien ankündigt, die erst in weiter Zukunft Wirkung entfalten.
Quelle: Drucksache 23-02310

