Deutlicher Anstieg der Meldungen
Die Zahl der gemeldeten Verschmutzungen ist in nahezu allen Bezirken deutlich gestiegen. Während 2024 noch 164.193 Meldungen bei der Stadtreinigung eingingen, waren es 2025 bereits 178.924. Allein im ersten Quartal 2026 wurden schon 43.617 Meldungen erfasst. Hochgerechnet auf das Gesamtjahr droht ein erneuter Anstieg.
Besonders betroffen sind:
- Hamburg-Mitte mit über 54.000 Meldungen im Jahr 2025
- Wandsbek mit einem Anstieg von 20.291 (2024) auf 23.508 (2025)
- Harburg mit einem Sprung von 16.872 auf 20.850
Auch beim „Melde-Michel“ zeigt sich eine dramatische Entwicklung: Die Meldungen haben sich von 5.858 im Jahr 2024 auf 11.888 im Jahr 2025 mehr als verdoppelt.
Das ist kein statistischer Ausreißer – das ist ein klares Signal: Hamburg vermüllt zunehmend.
Datenlücken statt Klarheit
Besonders problematisch ist, dass der Senat zentrale Fragen gar nicht beantworten kann. Weder illegale Sperrmüllablagerungen noch die Vermüllung von Grünanlagen lassen sich konkret auswerten. Der Grund: Es fehlen geeignete Kategorien, und Freitextmeldungen werden nicht dauerhaft gespeichert.
Mit anderen Worten: Die Verwaltung weiß nicht einmal genau, wo die größten Probleme liegen.
Eine zielgerichtete Bekämpfung der Vermüllung ist unter diesen Umständen kaum möglich. Wer Probleme nicht misst, kann sie auch nicht lösen.
Keine Verstärkung – trotz wachsender Probleme
Noch gravierender ist der Umgang mit dem Personal. Die sogenannten WasteWatcher sollten ursprünglich ein sichtbares Zeichen gegen Vermüllung setzen. Doch eine personelle Aufstockung ist nicht geplant.
Der Senat argumentiert, bestehende Kräfte würden „flexibel eingesetzt“ und Maßnahmen „optimiert“. Gleichzeitig zeigen die Zahlen aber genau das Gegenteil: Die Meldungen steigen weiter.
Das bedeutet im Klartext: Mehr Müll – aber nicht mehr Personal.
Keine neuen Maßnahmen – nur Verwaltung des Problems
Auch bei den geplanten Maßnahmen bleibt der Senat bemerkenswert ambitionslos. Neue Initiativen? Fehlanzeige. Zusätzliche Mittel? Ebenfalls nicht vorgesehen. Stattdessen sollen bestehende Maßnahmen „fortgeführt“ werden – ohne zusätzliche Kosten.
Das ist kein Aufbruch, das ist Stillstand.
Die Realität auf Hamburgs Straßen
Während in Senatsantworten von „Stabilisierung“ gesprochen wird, sieht die Realität anders aus: Illegale Sperrmüllhaufen, überquellende Mülleimer, herumliegende Einkaufswagen und verlassene Schrottfahrzeuge prägen vielerorts das Stadtbild.
Gerade in dicht besiedelten Stadtteilen führt das zu wachsender Frustration. Vermieter bleiben auf Entsorgungskosten sitzen, die über Nebenkosten auf alle umgelegt werden. Das belastet besonders diejenigen, die sich korrekt verhalten – und verstärkt soziale Spannungen in ohnehin angespannten Quartieren.
Die Zahlen sind eindeutig, die Probleme sichtbar – doch der Senat bleibt passiv.
Statt konsequent zu handeln, fehlen belastbare Daten, zusätzliches Personal und neue Ideen.
Hamburg braucht keine weiteren Auswertungen, sondern endlich wirksame Maßnahmen:
- bessere Datenerfassung
- klare Zuständigkeiten
- mehr Personal vor Ort
- und spürbare Konsequenzen für Verursacher
Denn eines ist klar: Wenn der öffentliche Raum weiter verkommt, leidet nicht nur das Stadtbild – sondern das Vertrauen in die Handlungsfähigkeit der Politik.
Quelle: Drucksache 23/3686

