Im Rahmen der zweiten bundesweiten Erhebung zur Wohnungslosenberichterstattung hat die Sozialbehörde im Februar 2024 eine vertiefende Befragung zur gesundheitlichen Situation obdachloser Menschen in Hamburg durchführen lassen. Das Ergebnis ist alarmierend: Der Gesundheitszustand der Betroffenen hat sich gegenüber früheren Jahren deutlich verschlechtert.
Hamburg reagiert darauf mit einer engeren Verzahnung von Obdachlosen- und Suchthilfe, einer besseren psychiatrischen Versorgung und einer stärkeren Vernetzung niedrigschwelliger medizinischer Angebote mit der Regelversorgung.
Deutliche Gesundheitsbelastung und eingeschränkter Zugang zu Hilfe
Von den 300 befragten obdachlosen Menschen bewerteten nur 26 Prozent ihren Gesundheitszustand als „gut“ oder „sehr gut“. Über die Hälfte stufte ihn als „weniger gut“ oder „schlecht“ ein. 41 Prozent leiden an psychischen oder Suchterkrankungen, weitere 16 Prozent zusätzlich an körperlichen Leiden.
Trotzdem gaben nur 32 Prozent an, Unterstützung zu benötigen – ein Hinweis auf mangelnde Krankheitseinsicht oder geringe Behandlungsbereitschaft. Gleichzeitig suchten 31 Prozent Sucht- oder Drogenberatungsstellen auf – fast doppelt so viele wie früher.
Der Zugang zur medizinischen Versorgung bleibt eine große Hürde: Während 72 Prozent der deutschen, aber nur 42 Prozent der nichtdeutschen Befragten krankenversichert sind, nutzen viele vor allem niedrigschwellige Angebote. 77 Prozent griffen darauf in den letzten sechs Monaten zurück, während nur 51 Prozent reguläre medizinische Leistungen erhielten. Besonders obdachlose Menschen ohne deutsche Staatsangehörigkeit – über die Hälfte der Betroffenen – haben häufig keinen Zugang zur Regelversorgung.
Hamburg stärkt Hilfesysteme und psychische Versorgung
Um die Lebenssituation zu verbessern, vernetzt Hamburg soziale und gesundheitliche Hilfen stärker. Das umfasst u. a. das Übergangswohnen (seit Juni 2024), die Pflegeeinrichtung Garstedter Weg (seit April 2024), das Streetwork-Mobil (seit März 2025) und den „Social Hub“ in der Bahnhofsmission (seit April 2024). Diese Angebote erleichtern den Zugang zu Krankenversicherung, Behandlung und Beratung.
Ein Fokus liegt auf EU-Zugewanderten ohne Leistungsansprüche. Gemeinsam mit Fachstellen wie Plata und der Servicestelle Arbeitnehmerfreizügigkeit unterstützt die Stadt diese Menschen bei Stabilisierung, Perspektivklärung und ggf. Rückkehr. Zugleich setzt sich Hamburg auf Bundesebene für bessere Zugänge zur medizinischen Versorgung nicht versicherter Personen ein.
Landespsychiatrieplan und neue Versorgungsangebote
Der Hamburger Landespsychiatrieplan (Januar 2025) legt einen Schwerpunkt auf schwer psychisch und suchterkrankte obdachlose Menschen. Im September 2025 wurden dafür Übergangsplätze in der Repsoldstraße 27 eröffnet, wo bis Winter 2025/26 zudem eine psychiatrische Schwerpunktambulanz entsteht. Sie arbeitet niedrigschwellig, interdisziplinär und kooperiert eng mit anderen Hilfesystemen. Ergänzend wird das Projekt SAFE von UKE und Asklepios Westklinikum umgesetzt, das zwei mobile Behandlungsteams vorsieht.
Hintergrund
Die Gesundheitsbefragung wurde im Rahmen der bundesweiten Zählung obdachloser Menschen 2024 durch die Gesellschaft für innovative Sozialforschung und Sozialplanung e. V. (GISS) durchgeführt und um einen Hamburger Zusatzfragebogen erweitert. Ziel ist, die Gesundheitslage wohnungsloser Menschen besser zu erfassen und Hilfen gezielter auszurichten.
Die Ergebnisse der Hamburger Gesundheitsbefragung sind hier zu finden.
Der 2. Wohnungslosenbericht des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen ist hier zu finden.
Eine Übersicht des umfangreichen sozialen Hilfesystems für wohnungslose Menschen in Hamburg bietet diese Broschüre: Das soziale Hilfesystem für wohnungslose Menschen

