Die Antwort des Senats auf meine Anfrage wirkt wie ein Versuch der Beruhigung. Doch die tatsächliche Lage an vielen Gewässern der Stadt spricht eine andere Sprache. Während vor Ort ausgetrocknete Bachläufe, weggespülte Wege, unterspülte Bäume und beschädigte Uferbereiche immer häufiger gemeldet werden, erklärt der Senat, es gebe „keine wesentlichen Veränderungen“. Dieser Widerspruch könnte größer kaum sein.
Bereits die umfangreiche Liste der regelmäßig überwachten Gewässer zeigt, wie sensibel Hamburgs Wasserhaushalt ist – von Alster und Wandse über Berner Au, Seebek und Tarpenbek bis hin zu Moorwettern und Dove-Elbe. Die breite Überwachung macht deutlich: Schon wenige problematische Entwicklungen können große Folgen im gesamten städtischen Gefüge auslösen.
Dennoch legt der Senat nahe, dass die Pegelstände der vergangenen fünf Jahre insgesamt unauffällig geblieben seien. Gleichzeitig räumt er ein, dass an zahlreichen Gewässern die Hohen Warnstufen überschritten wurden – etwa an Kollau, Wandse, Berner Au, Mühlenau, Tarpenbek, Bille, Alte Süderelbe und Ammersbek. Kritische Hochwasserlagen traten also sehr wohl auf. Niedrigwasser hingegen wird in Hamburg nicht einmal systematisch erfasst, da hierfür schlicht keine Warnstufen definiert sind. Eine fundierte Risikobewertung ist unter diesen Bedingungen nicht möglich.
Auch die vom Senat selbst genannten Schäden widerlegen die beschwichtigenden Aussagen: ausgewaschene Wege, Böschungsschäden, unterspülte Bäume, beschädigte Uferbefestigungen. Wer solche Schäden feststellt, kann schwerlich behaupten, die Wasserstände seien unproblematisch. Sie sind eindeutige Hinweise auf zunehmende Belastungen, verursacht durch Starkregenereignisse, Trockenperioden und klimatische Veränderungen.
Besonders befremdlich ist, dass der Senat keine Angaben zu den entstandenen Kosten der letzten fünf Jahre machen kann oder will. Schäden werden behoben – aber die Stadt weiß angeblich nicht, wie teuer das ist. Das wirft kein gutes Licht auf das Gewässermanagement einer Großstadt, die immer wieder betont, wie wichtig Wasserwirtschaft und Klimaanpassung seien.
Auch die pauschale Aussage, alle Gewässer seien gleichermaßen betroffen, wirkt wie eine Abwehrhaltung. Bürgerinnen und Bürger beobachten deutliche Unterschiede in ihren Bezirken: ausgetrocknete Bachoberläufe im Sommer, überlaufende Bäche nach Starkregen, beschädigte Wege in Parks oder unterspülte Uferbereiche. Diese Beobachtungen passen nicht zu der Verallgemeinerung des Senats.
Was ebenfalls fehlt, ist eine klare, übersichtliche Darstellung kritischer Entwicklungen, Gefahrenlagen und konkreter Maßnahmen in den Bezirken. Der Verweis auf den WaBiHa genügt nicht. Dieses System liefert aktuelle Pegelstände, aber keine Auswertung, keine Risikobewertung und keine transparente Darstellung für die Öffentlichkeit.
Die Stadt benötigt eine offene Analyse der tatsächlichen Situation. Der Klimawandel wirkt längst auf Hamburgs Gewässersystem ein. Wer weiterhin behauptet, es gebe keine relevanten Veränderungen, ignoriert sichtbare Entwicklungen und gefährdet Infrastruktur, Wasserqualität und Natur.
Quelle: Drucksache 23/214

