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Hamburgs Naturschutzgebiete unter Druck: Senatsantwort zeigt Lücken bei Pflege, Kontrolle und Biodiversitätsschutz

Hamburg rühmt sich gern als „grüne Stadt“ – doch ein genauer Blick auf den Zustand unserer Naturschutzgebiete zeigt: Vieles läuft nicht so, wie es laufen müsste.

Aufsicht: Zu wenige Fachkräfte für zu viele Schutzflächen

In ganz Hamburg gibt es nur drei stationierte Naturschutzwarte – für Gebiete wie die Fischbeker Heide, die Boberger Niederung und den Duvenstedter Brook. Ergänzend arbeiten zehn Rangerinnen und Ranger für alle Naturschutzgebiete der Stadt. Für eine Millionenstadt mit 37 Naturschutzgebieten ist das deutlich zu wenig.

Besonders auffällig: Für das Eppendorfer Moor und das Rothsteinsmoor gibt es keine eigenen Naturschutzwarte. Diese Flächen werden nur „mitbetreut“. Angesichts ihrer Sensibilität – beides sind Moorgebiete – ist das unverständlich und fachlich kaum zu rechtfertigen.

Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen: Maßnahmen ja – aber kein Gesamtüberblick

Der Senat listet einzelne Maßnahmen auf, etwa:

  • Neubau eines Steges im Eppendorfer Moor
  • Instandsetzung eines Stauwehres
  • Heidepflege und Schilfreduzierung im Rothsteinsmoor
  • regelmäßige Entkusselung und Offenhaltungsmaßnahmen

Doch eine vollständige Übersicht der Maßnahmen der letzten fünf Jahre kann der Senat nicht liefern – angeblich aus Zeitgründen. Das ist problematisch. Eine fundierte Naturschutzpolitik braucht Transparenz und Struktur. Wenn nicht einmal der Senat die Maßnahmen systematisch erfasst, wie soll dann eine fachlich saubere Bewertung erfolgen?

Biodiversitätsschutz: Viele Maßnahmen – aber keine klare Strategie

Zwar werden wichtige Pflegemaßnahmen genannt, etwa:

  • Förderung von Moorpflanzen wie Torfmoosen und Sonnentau
  • Pflege von Heiden und Magerrasen
  • Renaturierung von Moorbereichen
  • Monitoring von Flora und Fauna
  • Entfernen invasiver Neophyten

Doch Hamburg hat keine eigenständige Biodiversitätsstrategie für die Naturschutzgebiete. Vieles ist in übergeordneten Projekten gebündelt – nützlich, aber nicht ausreichend strukturiert für die speziellen Herausforderungen der Schutzgebiete. Eine Großstadt, die ihre Natur ernst nimmt, braucht klare Leitlinien für ihre seltensten und empfindlichsten Lebensräume.

Bürgerbeteiligung: Vielfalt vorhanden, aber ungleich verteilt

Hamburg bietet verschiedene Möglichkeiten der Bürgerbeteiligung: Führungen, Pflegeeinsätze, Mooraktionstage, Ehrenamt. Das ist positiv. Doch die Angebote variieren stark je nach Gebiet. Gerade im hochbelasteten Stadtraum wie dem Eppendorfer Moor oder dem Rothsteinsmoor wären dauerhaft betreute Beteiligungsprogramme sinnvoll – sie fehlen jedoch.

Kontrollen und Verstöße: Besonders freilaufende Hunde bleiben ein Problem

Die größte Belastung in den Gebieten bleibt klar erkennbar: freilaufende Hunde. Das Eppendorfer Moor zeigt die Probleme deutlich:

  • 2022: 3 Verstöße
  • 2023: 0 Verstöße
  • 2024: 4 Verstöße
  • 2025: 10 Verstöße

Das ist ein drastischer Anstieg – und ein Hinweis, dass mehr Kontrollen nötig wären. Vermüllung von Gräben und Wasserläufen ist ebenfalls ein Problem, doch mangels Personal werden Verstöße kaum geahndet.

Schutzauflagen: vorhanden, aber unzureichend kontrolliert

Zwar gelten klare Naturschutzgebietsverordnungen, doch die Kontrollen erfolgen fast ausschließlich durch die Rangerinnen und Ranger. Technische Hilfsmittel wie Kameras werden nicht eingesetzt – selbst an besonders sensiblen Bereichen. Dabei könnten gerade in schwer einsehbaren Moorbereichen technische Lösungen sinnvoll sein.

Fazit: Hamburg muss seine Naturschutzgebiete besser schützen

Die Antwort des Senats zeigt deutlich:

  • Es gibt zu wenig festes Aufsichtspersonal.
  • Viele Maßnahmen erfolgen, aber ohne klare Strategie und Dokumentation.
  • Die Biodiversität wird gefördert – doch ohne umfassende Leitlinie.
  • Verstöße nehmen zu, Kontrollen sind unzureichend.
  • Bürgerbeteiligung existiert, ist aber nicht systematisch weiterentwickelt.

Hamburg braucht eine moderne, gut ausgestattete und konsequent umgesetzte Naturschutzpolitik – keine Verwaltung des Mangels. Die Naturschutzgebiete sind unser natürlicher Schatz. Sie zu schützen ist nicht optional, sondern Pflichtaufgabe für kommende Generationen.

Quelle: Drucksache 23/1979