Seit Jahren diskutiert Hamburg über eine tierschutzgerechte Lösung für die Stadttaubenproblematik. Die Grundidee ist eigentlich klar: Statt immer neue Debatten zu führen, sollen betreute Taubenschläge eingerichtet werden. Dort können Tauben kontrolliert versorgt und ihre Eier gegen Attrappen ausgetauscht werden, um die Population langfristig zu regulieren. Politische Beschlüsse dazu gibt es reichlich – doch bei der Umsetzung zeigt sich ein ernüchterndes Bild.
Die Zahlen sind bemerkenswert: Bereits für die sechs geplanten Taubenschläge in Hamburg-Mitte und Altona wurden über Jahre hinweg erhebliche Mittel bereitgestellt – darunter jährlich 150.000 Euro aus dem Bereich Verkehr und Mobilitätswende sowie weitere 200.000 Euro jährlich aus zentralen Haushaltsmitteln. Hinzu kommen zusätzliche bezirkliche Mittel von über 200.000 Euro.
Trotzdem bleibt die zentrale Frage unbeantwortet: Wo sind die Taubenschläge?
Besonders auffällig ist dabei der Kontrast zwischen politischen Beschlüssen und der tatsächlichen Realität. Seit 2019 wurden in nahezu allen Bezirken Beschlüsse gefasst, Prüfaufträge erteilt, Pilotprojekte beschlossen und Finanzierungen zugesagt. Allein die Übersicht umfasst eine Vielzahl von Drucksachen und Initiativen.
Am Ende existiert jedoch nach Senatsangaben derzeit lediglich ein bezirklicher Taubenschlag am Barmbeker Bahnhof mit Platz für rund 150 Tiere. Daneben sind lediglich zwei weitere privat betriebene Standorte bekannt.
Noch bemerkenswerter wird es beim Blick auf die vielen Gesprächs- und Abstimmungsrunden. In Harburg wurden über Jahre Runde Tische durchgeführt, zahlreiche Akteure eingebunden und Erfahrungen ausgetauscht. Das Ergebnis beschreibt der Senat selbst im Wesentlichen als Informationssammlung und allgemeinen Austausch – nicht als konkrete Umsetzung.
Genau hier stellt sich eine grundsätzliche Frage: Wie viele Gesprächsformate braucht es noch?
Die Fachkenntnisse liegen längst vor. Tiervereine, ehrenamtliche Helfer und bestehende Projekte sammeln seit Jahren praktische Erfahrungen. Dennoch scheint Hamburg weiterhin hauptsächlich über Taubenschläge zu sprechen, statt sie tatsächlich zu bauen.
Selbst der Senat räumt ein, dass konkrete Erkenntnisse aus dem laufenden Pilotprojekt in Barmbek erst nach dessen Abschluss erwartet werden. Gleichzeitig bleibt offen, wann die übrigen beschlossenen Standorte tatsächlich Realität werden.
Die eigentliche Kritik richtet sich dabei nicht gegen den Gedanken betreuter Taubenschläge – im Gegenteil. Vielmehr entsteht erneut ein Muster, das bei öffentlichen Projekten häufiger zu beobachten ist: Beschlüsse werden gefasst, Mittel bereitgestellt, Gesprächskreise eingerichtet – und am Ende dauert die Umsetzung Jahre.
Die Stadttauben werden in dieser Zeit jedenfalls nicht weniger.
Quelle: – Drucksache 23/4121 –

