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Hamburgs Universität in der Krise – und der Senat schaut zu

Hamburg rühmt sich gerne als Wissenschaftsmetropole – doch hinter den Kulissen herrscht inzwischen akuter Notstand. Die Uni Hamburg, größte Hochschule der Stadt und akademisches Rückgrat für über 44.000 Studierende, schlägt Alarm: Die finanziellen Spielräume sind ausgeschöpft, Rücklagen aufgebraucht, zentrale Bereiche von Forschung und Lehre stehen vor dem Kollaps. Was als Warnsignal hätte ernst genommen werden müssen, ist längst zum Hilferuf geworden.

Die Lage ist dramatisch. In nahezu allen Bereichen ist die Substanz angegriffen: Unterrichtsangebote werden eingeschränkt, Bibliotheken verkürzen Öffnungszeiten oder schließen ganz, digitale Zugänge und Datenbanken fallen weg. In den Laboren arbeiten Studierende in Gruppen, die doppelt so groß sind wie vorgesehen – ein Qualitätsverlust, der sich unmittelbar auf die Ausbildung auswirkt. Gleichzeitig bricht die Zahl wissenschaftlicher Qualifikationsstellen ein, Promotionsvorhaben geraten ins Stocken, internationale Programme liegen auf Eis. Wer Forschung und Lehre in Hamburg stärken möchte, kann angesichts dieser Entwicklung nur von einem schleichenden strukturellen Rückbau sprechen.

Besonders besorgniserregend ist der Kreislauf, der sich inzwischen etabliert hat: Zu wenig Personal führt zu Verzögerungen bei Förderanträgen, weniger eingeworbene Drittmittel schwächen die Universität weiter, die Attraktivität für Spitzenforscher sinkt – und am Ende verliert Hamburg kostbare wissenschaftliche Talente. Hinzu kommen überlastete Beschäftigte, steigender Krankenstand und immer mehr Überstunden. Das alles kostet nicht nur Substanz, sondern langfristig auch Innovationsfähigkeit.

Die Politik verweist darauf, dass die Globalbudgets der Hochschulen gestiegen seien und die Universitäten in eigener Verantwortung wirtschaften müssten. Doch dieser Hinweis wirkt wie ein formaler Schutzschild: Denn die strukturellen Mehrkosten – gestiegene Energiepreise, Tarifsteigerungen, Investitionen in IT-Sicherheit und Digitalisierung – übersteigen die finanziellen Spielräume vieler Hochschulen deutlich. Die Verantwortung einfach auf die Hochschulleitung abzuwälzen, wird der Dimension des Problems nicht gerecht.

Tatsächlich steht Hamburg an einem Scheideweg. Eine Wissenschaftsmetropole kann man nicht herbeireden – sie muss finanziert, gepflegt und strategisch weiterentwickelt werden. Wenn Lehramtsstudiengänge ab 2026 nicht mehr in der zugesagten Qualität stattfinden können, wenn psychologische Beratung für Studierende kaum noch gewährleistet ist, wenn Forschungsvorhaben mangels Ausstattung brachliegen, dann geht es längst nicht mehr um Optimierungsbedarf, sondern um strukturelle Schäden. Und genau davor warnt die Universitätsleitung.

Auch politisch bleibt die Situation nicht ohne Echo. Die CDU spricht offen von einem „Brandbrief“ und fordert den Ersten Bürgermeister auf, die Lage zur Chefsache zu machen. Der Vorwurf: Während in Reden große Visionen für Wissenschaft und Innovation formuliert werden, lässt der rot-grüne Senat die Hochschulen finanziell austrocknen. Ein Vorwurf, den man nur schwer entkräften kann, solange zentrale Einrichtungen der Universität von Schließungen, Kürzungen und Überlastung betroffen sind.

Hamburg steht vor einer klaren Entscheidung: Will die Stadt im Wettbewerb um Talente, Forschungsgelder und internationale Sichtbarkeit bestehen, braucht die Universität eine stabile und verlässliche Grundfinanzierung. Andernfalls droht die Abwärtsspirale, in die Hamburgs wichtigste wissenschaftliche Institution geraten ist, die Zukunftsfähigkeit des gesamten Standortes zu gefährden.

Wer Wissenschaft ernst nimmt, darf nicht erst reagieren, wenn die Schäden irreversibel geworden sind. Jetzt ist der Moment, gegenzusteuern.