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Hausärztliche Versorgung in Steilshoop: Viele Probleme bestätigt – konkrete Lösungen bleiben weiter offen

Die hausärztliche Versorgung in Steilshoop bleibt angespannt – und viele zentrale Fragen der Bewohnerinnen und Bewohner sind weiterhin ungeklärt. Das zeigt die aktuelle Antwort des Senats auf eine Schriftliche Kleine Anfrage zur Versorgungslage im Stadtteil.

Besonders kritisch: Die Kassenärztliche Vereinigung Hamburg (KVH) arbeitet bei der Bewertung der Versorgungssituation teilweise weiterhin mit Datengrundlagen aus dem Jahr 2025, obwohl sich die Lage vor Ort inzwischen weiter verschärft hat. Der Senat bestätigt, dass der aktuelle Versorgungsgrad für 2026 bislang noch nicht offiziell festgestellt wurde. Deshalb würden weiterhin ältere Zahlen verwendet.

Die KVH erklärt dazu, dass die Daten zwar regelmäßig zum 1. Januar und 1. Juli aktualisiert würden, diese aber erst verbindlich seien, wenn sie offiziell durch den Landesausschuss der Ärzte und Krankenkassen festgestellt wurden. Für den Stand Januar 2026 sei dies bisher noch nicht erfolgt.

Besonders bemerkenswert: Die häufig genannten Zahlen von 67 beziehungsweise 69 Hausärzten im Umfeld beziehen sich laut Senat nicht auf Praxen oder Standorte, sondern auf einzelne Ärztinnen und Ärzte. Wie viele tatsächlich für Patientinnen und Patienten zugängliche Hausarztpraxen im Umfeld von Steilshoop existieren, konnte der Senat dagegen nicht beantworten. Eine entsprechende Auswertung liege nicht vor. Auch die Zahl der Praxisgemeinschaften sei laut KVH „grundsätzlich nicht auswertbar“.

Damit bleibt weiterhin unklar, wie viele reale hausärztliche Anlaufstellen den Menschen im Stadtteil tatsächlich zur Verfügung stehen.

Der Senat verweist zudem darauf, dass Hamburg insgesamt offiziell weiterhin als „überversorgt“ gelte. Grundlage dafür sind großräumige Berechnungen auf Stadtebene. Für einzelne Stadtteile wie Steilshoop existieren dagegen keine verbindlichen Quoten. Genau das sorgt seit langer Zeit für Kritik, weil sich die tatsächliche Versorgungslage vor Ort oftmals völlig anders darstellt als die statistische Gesamtbetrachtung.

Besonders problematisch erscheint die Bewertung der Erreichbarkeit von Arztpraxen. Laut Bedarfsplanungs-Richtlinie gilt eine hausärztliche Versorgung bereits dann als ausreichend, wenn 95 Prozent der Einwohnerinnen und Einwohner eine Praxis innerhalb von durchschnittlich weniger als 20 Minuten mit dem Auto erreichen können. Zusätzlich arbeitet Hamburg mit sogenannten „funktionellen Räumen“. Für Hausärzte wird dabei ein Radius von drei Kilometern um einen Praxisstandort angenommen.

Gerade in Steilshoop sorgt diese Betrachtungsweise jedoch für erhebliche Zweifel. Denn der Stadtteil ist durch den Bramfelder See, den Ohlsdorfer Friedhof sowie die massiven Baustellen rund um den U5-Bau räumlich stark eingeschränkt. Viele Bewohnerinnen und Bewohner verfügen zudem nicht über ein Auto oder sind in ihrer Mobilität eingeschränkt.

Der Senat erklärt zwar, dass statistische Gebiete genutzt würden, die solche Barrieren berücksichtigen sollen. Gleichzeitig räumt die KVH jedoch ein, dass ihr dafür keine weiteren Daten zur Verfügung stehen.

Auch die Frage, in welchen anderen Stadtteilen sich Steilshooper derzeit tatsächlich hausärztlich versorgen lassen müssen, bleibt unbeantwortet. Laut KVH dürften entsprechende Patientendaten dafür nicht ausgewertet werden. Dem Senat lägen ebenfalls keine Erkenntnisse vor.

Unklar bleibt außerdem weiterhin, was konkret mit den früheren Arztsitzen der Praxis Miamedes beziehungsweise Afzali passiert ist. Hier verweist die KVH auf laufende Verfahren und verweigert derzeit eine inhaltliche Stellungnahme.

Besonders ernüchternd fällt die Antwort zum Einsatz von Fördermitteln aus: Laut Senat wurden bislang keinerlei Mittel aus dem Strukturfonds der KV für Steilshoop eingesetzt – und dies sei derzeit auch nicht geplant. Die KVH vertritt die Auffassung, dass einmalige finanzielle Förderungen keine nachhaltigen Anreize für neue Niederlassungen schaffen würden. Stattdessen setze man eher auf Unterstützung bei Personal, Räumlichkeiten und Mentoringprogrammen.

Konkrete kurzfristige Maßnahmen für zusätzliche Arztpraxen in Steilshoop nennt der Senat allerdings weiterhin nicht.

Dabei gibt es im Stadtteil längst Überlegungen für ein mögliches Gesundheitszentrum – auch unter Nutzung von Containerlösungen und gemeinsam mit der örtlichen Apotheke. Doch auch hierzu bleibt der Senat äußerst vage und verweist lediglich auf frühere Drucksachen sowie laufende Beratungen.

Ein weiterer Streitpunkt bleibt die Zukunft des EKZ Steilshoop. Dort warten viele Mieter, Arztpraxen und Anwohner seit Jahren auf Klarheit. Die Sanierungsvereinbarung ist bis heute nicht veröffentlicht. Laut Senat sei der Prozess zur Veröffentlichung im Transparenzportal zwar gestartet worden, ein konkreter Zeitpunkt könne jedoch weiterhin nicht genannt werden.

Welche verbindlichen Regelungen zur Sicherung von Arztpraxen oder möglichen Übergangslösungen während der Bauphase tatsächlich Bestandteil der Vereinbarung sind, soll erst mit der späteren Veröffentlichung sichtbar werden.

Insgesamt zeigen die Antworten deutlich: Die Probleme der hausärztlichen Versorgung in Steilshoop sind längst bekannt. Trotzdem fehlen weiterhin konkrete kurzfristige Lösungen, transparente Zahlen und verbindliche Zusagen für die Menschen vor Ort.

Quelle: Bürgerschaftsdrucksache 23/3966