Skip to content Skip to footer

Hausärztliche Versorgung in Steilshoop vor dem Kollaps – Weihnachten ohne Arzt vor Ort

Kurz vor Weihnachten erreicht mich ein Hilferuf aus Steilshoop, der die dramatische Lage im Stadtteil ungeschönt beschreibt. Die hausärztliche Versorgung ist faktisch zusammengebrochen. Über die Feiertage steht Steilshoop ohne reguläre ärztliche Betreuung da – für rund 20.000 Einwohnerinnen und Einwohner ein unhaltbarer Zustand.

Aktuell schließen oder ruhen nahezu alle verbliebenen Praxen:
Die ehemalige Miamedes-Praxis ist weiterhin nicht arbeitsfähig, die Praxis Ahrary geht in den Urlaub, Dr. Akbaba schließt ab Donnerstag, ebenso die Praxis Dr. Khaan. Damit gibt es über Tage hinweg keine wohnortnahe hausärztliche Versorgung mehr. Selbst engagierte Ärztinnen und Ärzte stoßen an ihre Grenzen. Die Verzweiflung ist spürbar – bei den Praxen, bei den Apotheken und vor allem bei den Patientinnen und Patienten.

Besonders alarmierend ist der Blick zurück:
2020 verfügte Steilshoop noch über zehn Hausärztinnen und Hausärzte. Heute sind es faktisch drei bis vier Vollzeitäquivalente – und zeitweise keine geöffnete Praxis. Das ist kein vorübergehender Engpass mehr, sondern eine strukturelle Versorgungskrise.

Die Folgen sind absehbar und längst Realität:
Menschen wissen nicht mehr, wohin sie sich wenden sollen. Chronisch Kranke bangen um Rezepte, ältere Menschen können weite Wege nicht bewältigen, Notaufnahmen laufen voll. Apotheken vor Ort versuchen zu beruhigen – und müssen doch eingestehen, dass es kaum noch Lösungen gibt.

In einer Stadt wie Hamburg darf das nicht passieren. Der Sicherstellungsauftrag der Kassenärztlichen Vereinigung ist kein abstrakter Paragraf, sondern eine Verpflichtung gegenüber den Menschen. Steilshoop braucht sofortige Übergangslösungen: temporäre KV-Praxen, mobile ärztliche Angebote, angepasste Bereitschaftsdienste und klare Perspektiven für den Wiederaufbau der Versorgung.

Weihnachten ohne Arzt im Stadtteil ist kein Naturereignis. Es ist das Ergebnis jahrelangen Wegschauens. Und es zeigt: Wenn jetzt nicht gehandelt wird, wird sich diese Krise weiter verschärfen. Steilshoop braucht Hilfe – nicht irgendwann, sondern jetzt.