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Klärschlammverbrennungsanlage wird erneut teurer: Hamburg Wasser erhöht Budget um 71 Millionen Euro – und das Ende ist noch nicht erreicht

VERA II ist der Erweiterungsbau der Klärschlammverbrennungsanlage auf dem Hamburger Klärwerk. Das Großprojekt von Hamburg Wasser sollte die Entsorgung von Klärschlamm langfristig sichern. Doch inzwischen steht VERA II vor allem für eines: immer neue Kostensteigerungen, erhebliche Probleme bei Steuerung und Kontrolle und ein finanzielles Erbe aus der Amtszeit des früheren grünen Umweltsenators Jens Kerstan. Nun muss Hamburg Wasser das Budget erneut massiv erhöhen.

Der Aufsichtsrat von Hamburg Wasser hat am 10. September 2026 einer weiteren Budgetanpassung zugestimmt. Für den Erweiterungsbau von VERA II gilt nun ein Budgetrahmen von 315,1 Millionen Euro – 71,2 Millionen Euro mehr als im zuletzt beschlossenen Budget. Hamburg Wasser begründet die Neubewertung unter anderem mit neuen Erkenntnissen aus Genehmigungs- und Bauprozessen und einer umfassenderen Bewertung der Risiken.

Dabei lohnt sich ein Blick zurück. 2018 wurden für VERA II Gesamtkosten von rund 148 Millionen Euro angesetzt. 2021 waren es bereits 214,4 Millionen Euro, 2022 rund 239 Millionen und 2023 schon 285,6 Millionen Euro. 2024 lag die damalige Gesamtbetrachtung bei rund 325 Millionen Euro. Die Zahlen und die heutige Berechnung sind aufgrund der inzwischen veränderten Abgrenzung zwar nicht eins zu eins vergleichbar. Die Entwicklung zeigt dennoch, wie massiv sich die Kostenerwartungen seit Projektbeginn verändert haben.

29,8 Millionen Euro sind bereits echte Mehrkosten

Besonders aufschlussreich ist, wie sich die jetzt beschlossene Erhöhung zusammensetzt. Von den zusätzlichen 71,2 Millionen Euro sind 29,8 Millionen Euro bereits tatsächlich eingetretene Mehrkosten aus Nachträgen sowie zusätzlichen Anforderungen aus Genehmigungs- und Umsetzungsprozessen.

Weitere 27,4 Millionen Euro werden als Kostenvarianz nach den Vorgaben des „Kostenstabilen Bauens“ berücksichtigt. Hinzu kommen 14 Millionen Euro für Risiken mit einer Eintrittswahrscheinlichkeit von mehr als 50 Prozent. Damit entfallen 41,4 Millionen Euro der Anpassung auf Risikovorsorge für mögliche weitere Planungs- und Kostenrisiken.

Und damit ist die Geschichte noch längst nicht beendet.

Denn die Sanierung der bestehenden Verbrennungslinien ist in den 315,1 Millionen Euro gar nicht mehr enthalten. Erweiterungsbau und Sanierung werden künftig getrennt gesteuert. Für die Sanierung waren bislang grob 81,3 Millionen Euro angenommen worden. Hamburg Wasser erklärt jetzt ausdrücklich, dass die aktualisierte Bewertung über dieser bisherigen Schätzung liegen wird. Wie viel teurer es wird, soll erst im zweiten Quartal 2027 feststehen.

Das bedeutet: Schon mit der heutigen Nachricht steht fest, dass weitere Kostensteigerungen folgen werden.

Jahrelange Probleme bei Steuerung und Kontrolle

Die Kostenentwicklung ist besonders kritisch, weil bei VERA II seit Jahren nicht nur über Baupreise gesprochen werden muss. Es geht auch um Projektorganisation, Steuerung, Controlling und Risikomanagement.

Erst im vergangenen Jahr forderte der Aufsichtsrat auf Initiative der Umweltbehörde eine intensivere Kontrolle des Projekts. Daraufhin wurden Projektorganisation sowie Governance- und Controllingstrukturen gemeinsam mit einer externen Unternehmensberatung überprüft und weiterentwickelt. Viel zu spät.

Dass nun ausgerechnet Projektsteuerung, Risikomanagement und Kostencontrolling grundlegend weiterentwickelt werden mussten, wirft die Frage auf, warum diese Strukturen bei einem Großprojekt dieser Dimension nicht von Anfang an funktioniert haben. Hamburg Wasser selbst erklärt, dass die jetzige Neubewertung auf einer erweiterten Datengrundlage beruht und Kosten und Risiken neu bewertet wurden.

CDU hatte vor weiteren Kostensteigerungen gewarnt

Die CDU hat die Entwicklung bei VERA II seit Langem kritisch begleitet und immer wieder davor gewarnt, die jeweils genannten Kostenzahlen als endgültig anzusehen. Die erneute Neubewertung bestätigt diese Befürchtung.

Die Grünen wollten Hamburgs Umwelt- und Energiepolitik umbauen, hinterlassen haben sie ein millionenschweres Chaos. VERA II steht exemplarisch dafür: 2018 rund 164 Millionen Euro, 2021 bereits 196 Millionen, 2024 rund 297 Millionen und jetzt kommen noch einmal mehr als 70 Millionen Euro hinzu. Wir haben immer davor gewarnt, dass das Ende der Kostensteigerungen noch nicht erreicht ist. Leider haben wir recht behalten.

VERA II, ZRE, Dradenau: Immer wieder stoßen wir auf Projekte aus der Amtszeit des ehemaligen grünen Umweltsenators Kerstan, bei denen Strukturen nicht funktioniert haben, Risiken unterschätzt und Probleme viel zu spät erkannt wurden. Dieses politische Erbe kostet die Hamburger inzwischen Hunderte Millionen Euro.

Aber nach eineinhalb Jahren kann auch Katharina Fegebank nicht mehr nur auf ihren Vorgänger zeigen. Sie ist angetreten, die Scherben zusammenzukehren. Bis heute ist ihr das offensichtlich nicht gelungen. VERA II zeigt, dass noch immer neue Probleme und Kosten ans Licht kommen. Und beim ZRE befürchte ich, dass wir ebenfalls noch nicht die letzte Kostensteigerung und Verzögerung gesehen haben.

Kerstan hat das Chaos hinterlassen, Fegebank bekommt es bislang nicht aufgeräumt und bezahlen müssen am Ende die Hamburger. Das ist eine erschreckende Bilanz grüner Umweltpolitik und zeigt leider einmal mehr: Die Grünen können nicht mit Geld der Hamburgerinnen und Hamburger umgehen.

Fegebank verspricht jetzt mehr Kontrolle

Umweltsenatorin Katharina Fegebank bezeichnet die Neuaufstellung von Hamburg Wasser als vorbildlich und fordert für Großprojekte künftig von Anfang an realistische Kostenprognosen einschließlich Risikopuffern.

Genau diese Aussage macht allerdings das grundlegende Problem deutlich: Warum gab es diese realistischen Prognosen, Risikopuffer und Kontrollmechanismen bei VERA II nicht von Anfang an?

Die neue Geschäftsführung muss nun ein Projekt stabilisieren, dessen wesentliche Weichen vor Jahren gestellt wurden. Dass Risiken heute offener ausgewiesen und Erweiterungsbau und Sanierung getrennt betrachtet werden, ist ein richtiger Schritt. Es ändert jedoch nichts an der politischen Frage, wie ein Hamburger Großprojekt überhaupt in diese Situation geraten konnte.

Und der nächste Kostenschritt ist bereits angekündigt: Spätestens im zweiten Quartal 2027 soll die neue Kostenschätzung für die Sanierung der Bestandsanlage folgen. Nach der bisherigen Entwicklung gibt es wenig Anlass anzunehmen, dass VERA II damit finanziell bereits am Ende angekommen ist.

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