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Kleingärtner sollen Stromnetze übernehmen – doch viele Fragen bleiben offen

Hamburgs Kleingartenvereine stehen vor einer grundlegenden Veränderung: In den kommenden Jahren sollen Stromnetze, die bislang von öffentlichen Unternehmen betrieben werden, schrittweise in die Verantwortung der Vereine übergehen. Was nach mehr Selbstbestimmung klingt, könnte sich für viele Ehrenamtliche als erhebliche Belastung erweisen.

Start bereits ab 2026 geplant

Schon ab 2026 soll die Übergabe beginnen. Perspektivisch sollen innerhalb der nächsten zehn bis fünfzehn Jahre sämtliche noch vorhandenen Stromnetze an die jeweiligen Kleingartenvereine übergeben werden.

Zwar besteht formal keine Pflicht zur Übernahme. Doch die Alternative ist heikel: Werden Anlagen nicht übernommen, könnten sie künftig zurückgebaut werden.

Damit steht im Raum, dass Kleingartenanlagen im Zweifel ihre Infrastruktur verlieren könnten – nicht aus eigenem Willen, sondern aus finanziellen oder organisatorischen Gründen.

Kosten? Unklar.

Besonders brisant: Der Senat kann derzeit weder den Gesamtinvestitionsbedarf noch die durchschnittlichen Kosten pro Verein oder Parzelle benennen.

Dabei berichten viele Vereine bereits jetzt von wachsender Verunsicherung. Um auf mögliche Sanierungen vorbereitet zu sein, werden teilweise zusätzliche Umlagen diskutiert oder bereits erhoben.

Für viele Pächterinnen und Pächter könnte dies spürbare Mehrkosten bedeuten – und damit die soziale Zugänglichkeit des Kleingartenwesens gefährden.

Ehrenamt am Limit?

Kleingartenvereine sind ehrenamtlich organisiert. Sie wurden ursprünglich nicht dafür geschaffen, technische Versorgungsnetze zu betreiben.

Künftig könnten sie jedoch Verantwortung für Betrieb, Wartung und Sanierung übernehmen müssen – inklusive möglicher Haftungsfragen.

Welche konkreten Anforderungen entstehen und welche Risiken Vorstände künftig tragen, hängt laut Senat vom jeweiligen Betreibermodell ab.

Klare Leitplanken fehlen bislang.

Unterstützung? Noch in Arbeit.

Auch mögliche Förderprogramme, Zuschüsse oder andere Unterstützungsmaßnahmen befinden sich weiterhin in der Prüfung.

Ein umfassendes Konzept zur Finanzierung, Organisation und Umsetzung ist bislang nicht vorgelegt worden – obwohl ein entsprechender Bericht ursprünglich bereits bis Ende 2025 angekündigt war.

Die Übertragung der Infrastruktur könnte neue Chancen eröffnen – etwa für dezentrale Lösungen wie Photovoltaik.

Doch ohne klare Finanzierung, verbindliche Unterstützung und transparente Planung droht aus einem Modernisierungsschritt ein erhebliches Risiko für Hamburgs Kleingartenwesen zu werden.

Gerade weil rund 36.000 Pächterinnen und Pächter betroffen sein könnten, braucht es jetzt Planungssicherheit statt offener Fragen.

Quelle: Bürgerschaftsdrucksache 23/3200