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Klimaneutral 2040? – Der Zukunftsentscheid verspricht etwas, das selbst laut Handelskammer kaum zu schaffen ist

Der Zukunftsentscheid verspricht Hamburg die Klimaneutralität bereits bis 2040. Doch wer die nüchternen Fakten betrachtet – insbesondere die klaren Aussagen der Handelskammer Hamburg – erkennt schnell: Dieses Ziel ist extrem ambitioniert und unter den aktuellen Rahmenbedingungen kaum erreichbar. 

Die Handelskammer beschreibt im Hamburg-2040-Update unmissverständlich, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen. Und genau diese Voraussetzungen zeigen, wie unrealistisch ein 2040-Ziel ist – erst recht, wenn der Bund weiterhin einen späteren Zielhorizont 2045 vorgibt.

Was laut Handelskammer zwingend erfüllt sein muss

1. Vollständig gesicherter, grundlastfähiger grüner Strom

Die Kammer formuliert als absolute Basis:

„Grundvoraussetzung: grundlastfähigen, grünen Strom für alle Unternehmen zugänglich machen.“

Das bedeutet:

  • Gigantischer Ausbau erneuerbarer Energien
  • Massiver Netzausbau
  • Speichertechnologien im industriellen Maßstab

Realität: Nichts davon ist in Hamburg bisher ausreichend vorhanden. Mit dem Bundesziel 2045 sind die Investitionspfade bundesweit ohnehin auf längere Zeiträume ausgelegt – Hamburg müsste fünf Jahre früher fertig sein, obwohl es nicht einmal die Grundlast sicherstellen kan

2. Komplett neue Wasserstoff- und Energieinfrastruktur

Die Kammer fordert:

„Wasserstoff- & Verkehrsinfrastruktur ausbauen“
„Bei industriellen Prozessen auf regenerative Energieträger […] setzen.“

Hamburg müsste:

  • Wasserstoffimportterminals in großem Stil aufbauen
  • Pipelines, Speicher, Verteilnetze errichten
  • Alle Industrien binnen 15 Jahren transformieren

Realität: Deutschland hat bundesweit erst die Grundstrukturen einer Wasserstoffstrategie. Für 2045. Hamburg müsste deutlich schneller sein – und das ohne bundesweit abgestimmte Infrastruktur, die erst später kommt. Der Einsatz von Wasserstoff wird frühestens ab 2045 – durch die dann wirksam werdenden CO₂-Preise – überhaupt erst mit Erdgas konkurrenzfähig.

3. Wettbewerbsfähige Energiepreise – heute fernab der Realität

Die Handelskammer mahnt:

„Erneuerbare Energie-Infrastruktur ausbauen, preislich wettbewerbsfähige Strompreise schaffen.“

Ohne günstigen grünen Strom wandert Industrie ab. Doch Hamburg hat:

  • hohe Strompreise
  • wenig eigene Erzeugung
  • kaum Flächen für große erneuerbare Projekte

2040 erfordert nicht nur einen Ausbau – es erfordert einen beispiellosen Kraftakt. Der Bund hingegen plant die Entlastungspfade für 2045. Hamburg müsste sich vom Bundespfad „abkoppeln“ und fünf Jahre schneller Milliardeninvestitionen allein stemmen.

4. Industrieumbau im Rekordtempo

Das Ziel erfordert:

  • Umstellung aller großen Industriebetriebe
  • Umrüstung sämtlicher Wärmeprozesse
  • Vollständige Kreislaufwirtschaft

Die Handelskammer sagt selbst:

„Kreislaufwirtschaft stärken“
„Industrielle Prozesse […] auf grünen Strom, Wasserstoff und dessen Derivate setzen.“

Doch Industrien richten sich auf Bundesvorgaben aus. Wenn Deutschland 2045 plant, wird kein Unternehmen die gigantischen Umstellungsinvestitionen fünf Jahre früher abschließen – außer es gibt klare bundesweite Vorgaben, Förderprogramme und Infrastruktur. Die fehlen. Aurubis hat bereits angekündigt nicht mehr zu investieren.

Warum 2040 kaum möglich ist – eine nüchterne Bewertung

1. Hamburg müsste schneller sein als der Bund und alle anderen Bundesländer

→ Die Bundesstrategie, die Netzausbauziele, die Wasserstoffstrategie – alles orientiert sich an 2045.

2. Hamburg hat kaum eigene Energieerzeugung

2040 wäre nur möglich, wenn Hamburg enorme Mengen grünen Stroms zukaufen könnte – doch bundesweit wird er selbst 2045 knapp sein.

3. Industrie und Infrastruktur können nicht isoliert geplant werden

Hamburg ist in nationale Energie-, Gas-, Strom- und H₂-Netze eingebettet. Wenn Deutschland 2045 ausrichtet, ist ein regionaler Alleingang 2040 kaum machbar.

Der Zukunftsentscheid fordert 2040 – doch selbst die Handelskammer zeigt, warum das kaum machbar ist

Hamburg müsste:

  • schneller sein als der Bund
  • schneller als die Industrie
  • schneller als der Netzausbau
  • schneller als der Wasserstoffmarkthochlauf
  • schneller als jede Planungsbeschleunigung

Die Handelskammer listet die Mindestvoraussetzungen – und genau diese zeigen, wie groß die Lücke ist.

2040 ist ein politisches Wunschbild. Die Realität orientiert sich an 2045 – und selbst das wird eine Herkulesaufgabe.

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