Was sich rund um das Lehrschwimmbecken am Marie-Bautz-Weg in Farmsen-Berne abspielt, ist ein Lehrstück politischer Verzögerung, beschönigender Kommunikation und mangelnder Verantwortung. Bereits 2019 hatte die Bezirksversammlung Wandsbek – einstimmig – beschlossen, alles dafür zu tun, den Schwimmbetrieb so lange wie möglich aufrechtzuerhalten und eine Versorgungslücke zu vermeiden. Sechs Jahre später steht fest: Genau das ist gescheitert.
Beschlüsse gefasst – aber nicht eingehalten
Der politische Wille war eindeutig: Übergangslösungen prüfen, Alternativen schaffen, eine Schließung ohne Ersatz verhindern. Doch die nun vorliegende Senatsantwort zeigt: Trotz früher Förderanträge (bereits 2018) beginnt der Bau erst 2025 – mit einer mindestens 1,5-jährigen Unterbrechung des Schwimmbetriebs im Stadtteil. Für Schulen, Vereine und Familien ist das ein massiver Einschnitt.
Übergangslösungen: Theorie statt Praxis
Der Senat verweist auf Ersatzzeiten in umliegenden Schwimmbädern, organisiert unter anderem über Bäderland Hamburg GmbH. Angeblich wurden 91 Bahnenstunden pro Woche angeboten. Doch wie viele davon tatsächlich genutzt werden konnten, weiß der Senat selbst nicht. Die Verantwortung wird an Betreiber und Vereine weitergereicht – Transparenz sieht anders aus. Wie viele Wasserzeiten real verloren gingen? „Nicht vergleichbar“, heißt es lapidar, weil der Altbetrieb privat organisiert war. Für die Betroffenen wirkt das wie eine Ausrede.
Sieben Jahre von der Idee zum Baustart
Besonders ernüchternd: Zwischen erster Projektskizze, neuem Förderantrag, Klimaschutz-Nachbesserungen und Abstimmungsrunden vergingen rund sieben Jahre. Niemand fühlt sich für die Verzögerungen konkret verantwortlich. Alles sei „im üblichen Rahmen“ großer Bauprojekte verlaufen. Für Kinder, die jetzt nicht schwimmen lernen, und Vereine, die ihr Angebot einschränken müssen, klingt das zynisch.
Kommunikation erst, als es zu spät war
Dass es zu einer langen Versorgungslücke kommen würde, wurde öffentlich nie klar benannt. Nutzer wurden über den Betreiber informiert, der Bezirk über Pressemitteilungen. Eine ehrliche, frühzeitige Kommunikation gegenüber Schulen, Vereinen und Eltern? Fehlanzeige.
Ja, der Neubau wird kommen – irgendwann. Und ja, er ist formal ein „Ersatzbau“. Aber der politische Anspruch von 2019, keine Lücke entstehen zu lassen, wurde klar verfehlt. Das Ergebnis ist ein jahrelanges Wegducken hinter Zuständigkeiten, Förderprogrammen und Formalien. Schwimmen lernen ist kein Luxus. Wer das ernst meint, muss Planung, Bau und Übergangslösungen endlich so organisieren, dass Beschlüsse nicht nur Papier bleiben.
*(Grundlage: Schriftliche Kleine Anfrage Drs. 23/2448)

