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Medizinischer Notstand in Steilshoop zwischen den Feiertagen: „Wir wissen nicht mehr weiter“

Es ist genau das eingetreten, wovor ich seit Langem warne. Zwischen den Feiertagen herrschte in Steilshoop faktisch medizinischer Notstand. Die Situation war nicht theoretisch, sie war real – und sie zeigte sich in den Nachrichten, die mich in diesen Tagen erreicht haben. Viele davon sind so eindringlich, dass man sie kaum lesen kann, ohne fassungslos zu werden.

Menschen schrieben mir Sätze wie:

„Ich bekomme meine Tabletten nicht mehr.“

„Mein Arzt ist nicht erreichbar und niemand sagt mir, wohin ich soll.“
„Ich habe Angst, weil ich ohne meine Medikamente nicht klarkomme.“
Oder ganz schlicht: „Wir wissen nicht mehr weiter.“

Diese Hilferufe kamen nicht irgendwann, sondern ausgerechnet rund um Weihnachten. Während andere Feiertage hatten, war ich damit beschäftigt, Nachrichten zu beantworten, Telefonnummern rauszusuchen, auf Notdienste hinzuweisen, Alternativen zu prüfen – wissend, dass es keine echte Lösung gibt, wenn ein ganzer Stadtteil ohne hausärztliche Versorgung dasteht. Das darf in einer Stadt wie Hamburg schlicht nicht passieren.

Die nackten Zahlen zeigen, warum die Lage eskaliert ist:

  • 2020 gab es in Steilshoop noch zehn Hausärzte.

  • Heute sind es nur noch vier – zumindest auf dem Papier.

  • Zwei Praxen können seit Wochen nicht arbeiten, angeblich wegen technischer Probleme.

  • Die beiden anderen Hausärzte hatten über die Feiertage Urlaub.

Das Ergebnis: zeitweise kein einziger erreichbarer Hausarzt für Steilshoop.

Parallel dazu verschärfte sich die Medikamentenversorgung dramatisch. Betroffene berichteten, dass selbst notwendige Medikamente und Betäubungsmittel vor Ort nicht mehr erhältlich waren. Für chronisch Kranke, ältere Menschen und Familien bedeutete das Unsicherheit, Angst und im Zweifel ernsthafte gesundheitliche Risiken.

Statt klarer Zuständigkeiten gab es ein Weiterreichen der Verantwortung:

  • Die Kassenärztliche Vereinigung verweist auf die Sozialbehörde.

  • Die Sozialbehörde verweist zurück auf die Kassenärztliche Vereinigung.

Und am Ende stehen die Menschen in Steilshoop da – allein gelassen.

Steilshoop ist seit Jahren stark belastet. Manche sprechen abfällig von einem „Ghetto“. Das ist nicht nur falsch, sondern zynisch. Nicht der Stadtteil versagt – das System versagt. Wer Warnungen ignoriert, medizinische Strukturen ausdünnt und dann überrascht tut, wenn alles zusammenbricht, handelt verantwortungslos.

Wir werden weiter darüber berichten – insbesondere darüber, wie schlimm die Lage zwischen den Feiertagen wirklich war.
Wir werden die Stimmen der Betroffenen hörbar machen.
Und wir werden den Finger so lange in die Wunde legen, bis endlich gehandelt wird.

Denn niemand darf an Weihnachten – oder an irgendeinem anderen Tag – das Gefühl haben, medizinisch allein gelassen zu sein.
Nicht in Steilshoop.