Hamburg ist eine hundefreundliche Stadt – zumindest gemessen an der Zahl der Vierbeiner. Zum 31. August 2026 waren bereits 106.869 Hunde im Hamburger Hunderegister eingetragen. Im März waren es noch 102.602, im Jahr 2012 sogar erst 59.479 Hunde. Innerhalb von 14 Jahren ist die Zahl damit um fast 80 Prozent gestiegen.
Meine Schriftliche Kleine Anfrage zeigt, welche Hunde in Hamburg besonders beliebt sind, wie viele Hunde als gefährlich eingestuft werden, wie sich der Hundekontrolldienst entwickelt und welche Auslaufflächen zur Verfügung stehen. Dabei wird deutlich: Die Hundezahl wächst erheblich, die städtische Infrastruktur hält damit jedoch nur begrenzt Schritt.
Wandsbek ist Hamburgs Hundebezirk Nummer eins
Die meisten registrierten Hunde leben im Bezirk Wandsbek. Dort sind 25.490 Tiere gemeldet – beinahe jeder vierte Hamburger Hund. Es folgen Hamburg-Nord mit 17.159 und Altona mit 14.836 Hunden.
Die Verteilung im Überblick:
- Wandsbek: 25.490 Hunde
- Hamburg-Nord: 17.159 Hunde
- Altona: 14.836 Hunde
- Eimsbüttel: 13.396 Hunde
- Hamburg-Mitte: 12.633 Hunde
- Bergedorf: 8.018 Hunde
- Harburg: 7.750 Hunde
Weitere 7.587 Datensätze konnten keinem Bezirk eindeutig zugeordnet werden, beispielsweise aufgrund von Schreibfehlern in den Anschriften. Das ist eine erstaunlich hohe Zahl und zeigt, dass auch die Datenqualität des Hunderegisters verbessert werden muss.
Mischlinge und Labradore besonders beliebt
Mit 16.904 registrierten Tieren bilden Mischlinge die mit Abstand größte Gruppe. Unter den eindeutig benannten Rassen liegt der Labrador Retriever mit 9.570 Hunden klar an der Spitze.
Die 20 häufigsten registrierten Hunderassen sind:
- Labrador Retriever: 9.570
- Golden Retriever: 3.927
- Jack Russell Terrier: 3.668
- Französische Bulldogge: 3.598
- Chihuahua: 3.489
- Dackel: 2.854
- Australian Shepherd: 2.361
- Yorkshire Terrier: 2.156
- Malteser: 2.026
- Border Collie: 1.891
- Havaneser: 1.833
- Pudel: 1.824
- Mops: 1.616
- Bolonka Zwetna: 1.520
- Beagle: 1.314
- Boxer: 1.272
- Deutscher Schäferhund: 1.270
- Zwergpudel: 1.222
- Shih Tzu: 1.198
- Cocker Spaniel: 1.196
884 Hunde gelten als gefährlich
Zum 31. August 2026 waren in Hamburg insgesamt 884 Hunde als gefährlich eingestuft oder unterlagen aufgrund ihrer Rasse der Vermutung der Gefährlichkeit. Das Hundegesetz unterscheidet dabei zwischen rassebedingt gefährlichen und individuell als gefährlich eingestuften Hunden.
Auch hier weist Wandsbek mit 196 Tieren den höchsten Wert auf:
- Wandsbek: 196
- Hamburg-Mitte: 188
- Eimsbüttel: 90
- Hamburg-Nord: 83
- Harburg: 67
- Altona: 66
- Bergedorf: 58
- Bezirk noch ungeklärt: 136
Unter den als gefährlich geführten Hunden befinden sich besonders viele Rottweiler. Insgesamt weist die Anlage 248 Rottweiler sowie 50 Rottweiler-Mischlinge aus. Hinzu kommen unter anderem 126 American-Staffordshire-Terrier-Mischlinge, 95 American Staffordshire Terrier, 41 Bordeauxdoggen, 31 American Bullys, 22 Pitbull-Terrier-Mischlinge, 21 American-Pit-Bull-Terrier-Mischlinge und 21 Kangals.
Die Einstufung sagt allerdings nicht automatisch aus, dass ein Tier bereits durch aggressives Verhalten aufgefallen ist. Ein Teil der Hunde fällt allein aufgrund der gesetzlichen Rasselisten unter die Gefährlichkeitsvermutung.
Millionen aus der Hundesteuer
Im Jahr 2025 nahm Hamburg rund 5,62 Millionen Euro Hundesteuer ein. Bis zum 3. August 2026 kamen bereits rund 2,89 Millionen Euro zusammen. Die Angaben zu den vollständigen Einnahmen für 2024 und 2025 verweist der Senat lediglich auf frühere Drucksachen.
Den Einnahmen stehen verschiedene Ausgaben gegenüber. Für den Hundekontrolldienst entstanden 2024 Personalkosten von 658.531,65 Euro. Bis zum 31. Juli 2026 waren es 316.782,32 Euro.
Deutlich höher fallen die Kosten für die Unterbringung von Hunden aus:
- 2024: 1.456.366,13 Euro
- 2025: rund 1,88 Millionen Euro
- bis 31. August 2026: 967.374,40 Euro
Für Gassibeutel gab Hamburg bis Ende Juli 2026 insgesamt 116.747 Euro aus. Für Hundeauslaufzonen und weitere unmittelbar der Hundehaltung zurechenbare Sachkosten wurden 2024 rund 19.300 Euro und 2026 bislang rund 99.400 Euro aufgewendet.
Angesichts von jährlich mehreren Millionen Euro Hundesteuer muss die Frage erlaubt sein, ob ausreichend Geld in gute, sichere und wohnortnahe Angebote für Hundehalter zurückfließt.
Hundekontrolldienst weiterhin knapp besetzt
Die Personalausstattung des Hundekontrolldienstes schwankte in den vergangenen Jahren erheblich:
- Dezember 2024: 8,77 Vollzeitstellen
- Dezember 2025: 4,77 Vollzeitstellen
- Februar 2026: 7,77 Vollzeitstellen
- Juli 2026: 7 Vollzeitstellen
Damit standen im Juli 2026 lediglich sieben Vollzeitstellen für mehr als 106.000 registrierte Hunde im gesamten Stadtgebiet zur Verfügung. Gegenüber Dezember 2024 ist die Ausstattung weiterhin gesunken.
Zu der Zahl der durchgeführten Kontrollen und den daraus entstandenen Ordnungswidrigkeitenverfahren legte der Senat keine neuen Zahlen vor, sondern verwies auf eine frühere Anfrage. Das Gleiche gilt für registrierte Verstöße gegen Melde- und Registrierungspflichten sowie für Beißvorfälle.
Neue Daten für 2026 zu nicht ordnungsgemäß angemeldeten Hunden sollen erst im Februar 2027 ausgewertet und veröffentlicht werden. Eine Auswertung sonstiger Vorfälle, bei denen Menschen oder Tiere durch Hunde verletzt wurden, führt Hamburg nicht. Der Senat erklärt, eine händische Prüfung von weit über tausend Vorgängen sei im Rahmen der Anfrage nicht möglich.
Mehr als 1.300 Verstöße in Naturschutzgebieten
Konkrete Zahlen nennt der Senat bei Verstößen gegen das Anleingebot in Naturschutzgebieten. Im Jahr 2024 wurden 673 und im Jahr 2025 weitere 676 Verstöße festgestellt. Das waren zusammen 1.349 Fälle.
Eine Aufschlüsselung nach Bezirken erfolgt nicht. Die Zahlen für 2026 sollen erst nach Abschluss des Jahres ausgewertet werden. Auch sonstige Verstöße gegen hunderechtliche Vorschriften werden nicht umfassend statistisch erfasst.
Das ist unbefriedigend. Nur mit einer guten Datengrundlage lässt sich beurteilen, wo besonders häufig Konflikte auftreten und an welchen Stellen Kontrollen oder bessere Informationen notwendig sind.
143 Auslaufzonen – die meisten ohne vollständigen Zaun
Die aktuelle Anlage des Senats führt insgesamt 143 Hundeauslaufzonen auf. Davon sind nach Auswertung der Angaben:
- 36 vollständig eingezäunt,
- sechs teilweise eingezäunt,
- 99 nicht eingezäunt,
- bei zwei Flächen fehlt eine eindeutige Angabe.
Bemerkenswert ist, dass der Senat zugleich auf eine Übersicht vom März 2026 mit 141 Hundeauslaufzonen verweist. Die aktuelle Anlage enthält demgegenüber 143 Flächen. Diese Abweichung wird in der Antwort nicht näher erläutert.
Nach Bezirken verteilen sich die aufgeführten Auslaufzonen wie folgt:
- Hamburg-Nord: 37
- Altona: 25
- Wandsbek: 20
- Hamburg-Mitte: 19
- Bergedorf: 18
- Eimsbüttel: 17
- Harburg: 7
In Wandsbek sind fünf der 20 aufgeführten Flächen vollständig eingezäunt. 14 sind nicht eingezäunt, bei der Hundeauslaufzone an der Wandsbeker Zollstraße fehlt eine Angabe. Vollständig eingezäunte Flächen gibt es unter anderem am Appelhoffweiher in Steilshoop, bei der Hopfenkarre, am Höltigbaum, im Jakobipark und am Tegelsbarg.
Nicht eingezäunt sind unter anderem die Flächen Am Stühm Süd in Bramfeld, am Edwin-Scharff-Ring in Steilshoop, im Grünzug Steilshooper Allee, am Berner Heerweg sowie auf dem ehemaligen Campingplatz am Kupferteich.
Freilauf ist auch ohne Zaun erlaubt
Hunde dürfen – mit Ausnahme gefährlicher Hunde im Sinne des Hundegesetzes – auch auf nicht oder nicht vollständig eingezäunten Hundeauslaufzonen unangeleint laufen. Eine gesetzliche Verpflichtung zur Einzäunung besteht nicht.
Grundlage sind § 8 Absatz 3 des Hamburgischen Hundegesetzes und Punkt 3.4 der Globalrichtlinie zur Ausweisung von Hundeauslaufzonen. Die konkrete Ausgestaltung liegt im Ermessen der Bezirksämter und richtet sich nach der Lage und den örtlichen Gegebenheiten.
Besondere Vorschriften über Zaunhöhe, Beschaffenheit oder Zugänge gibt es nicht. Es existiert auch keine festgelegte Mindesthöhe, ab der eine Hundeauslaufzone als ausreichend gesichert gilt.
Ob eine Fläche vollständig, teilweise oder gar nicht eingezäunt wird, entscheidet die Verwaltung im Einzelfall. Berücksichtigt werden insbesondere:
- die Nähe zu Straßen und Straßennebenflächen,
- angrenzende Fuß- und Radwege,
- Spielplätze,
- Gewässer,
- vorhandene Wildtiere,
- Ergebnisse von Bürgerbeteiligungen,
- politische Beschlüsse.
Auch mögliche Auswirkungen eines Zaunes auf Wildtiere können grundsätzlich in die Abwägung einfließen.
Kupferteich bleibt ohne Zaun
Am Kupferteich in Poppenbüttel wurde eine Einzäunung der Hundeauslaufzone ausdrücklich geprüft. Das Ergebnis: Nicht die Hundeauslaufzone, sondern der wesentlich kleinere benachbarte Spielplatz soll eingezäunt werden.
Der Senat widerspricht der Darstellung, die Einzäunung der Hundeauslaufzone sei wegen möglicher Beeinträchtigungen von Rehen abgelehnt worden. Diese Begründung treffe nicht zu.
Damit bleibt allerdings das grundsätzliche Spannungsfeld bestehen: Ohne Einzäunung können Hunde die ausgewiesene Fläche verlassen. Das verlangt von den Haltern besondere Aufmerksamkeit und die sichere Kontrolle über das Tier – gerade in der Nähe von Wegen, Gewässern, Straßen und Wildtierlebensräumen.
Nur wenige neue Auslaufmöglichkeiten geplant
Das Angebot wächst trotz der stark steigenden Hundezahl nur langsam. In Schnelsen wurde 2026 die bisherige Freilaufmöglichkeit in der Grünanlage am Von-Hersloh-Weg zu einer offiziellen, 810 Quadratmeter großen Hundeauslaufzone aufgewertet.
Weitere Planungen gibt es an drei Stellen:
- Im Schwarzenbergpark in Harburg ist südlich des Helmsweges eine rund 1.200 Quadratmeter große Hundeauslaufzone vorgesehen. Die Fertigstellung wird für den Sommer 2027 erwartet.
- In Barmbek-Süd ist eine weitere Auslaufzone geplant. Der genaue Standort und die Größe stehen noch nicht fest. Die Umsetzung ist voraussichtlich für Ende Januar 2027 vorgesehen.
- Im Kaskadenpark des Quartiers Jenfelder Au plant das Bezirksamt Wandsbek eine rund 930 Quadratmeter große Hundeauslaufzone. Sie soll allerdings erst 2028 entstehen.
Aufgegebene Hundeauslaufzonen nennt der Senat in seiner Antwort nicht.
Hundezahl wächst schneller als die Infrastruktur
Die Zahlen zeigen deutlich: Hunde gehören für immer mehr Hamburgerinnen und Hamburger zur Familie. Innerhalb weniger Monate kamen mehr als 4.000 registrierte Tiere hinzu. Seit 2012 ist die Zahl um rund 47.400 Hunde gestiegen.
Dem stehen jedoch nur wenige neue Auslaufzonen, ein weiterhin kleiner Hundekontrolldienst und erhebliche Lücken bei der statistischen Erfassung gegenüber. Besonders auffällig ist, dass nur etwa jede vierte aufgeführte Hundeauslaufzone vollständig eingezäunt ist und es keine einheitlichen Mindestanforderungen für Zäune gibt.
Eine wachsende Hundestadt benötigt mehr als Steuereinnahmen und Verbote. Notwendig sind ausreichend große und sichere Auslaufflächen, verständliche Regeln, verlässliche Kontrollen und eine Planung, die Hundehalter, andere Erholungssuchende sowie den Natur- und Wildtierschutz gleichermaßen berücksichtigt. Hamburg sollte deshalb prüfen, ob ein größerer Teil der Hundesteuereinnahmen sichtbar in die entsprechende Infrastruktur zurückfließen kann.

