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Mehr Grün, weniger Geld: Warum Hamburgs Entsiegelung ins Leere läuft

Entsiegelung ist richtig. Entsiegelung ist wichtig. Und natürlich ist es ein Erfolg, wenn Hamburg über 5.000 Quadratmeter Beton in Grünflächen verwandelt. Jede entsiegelte Fläche trägt dazu bei, Hitzeinseln zu reduzieren, Wasserrückhalt zu verbessern und die Stadt lebenswerter zu machen. Aber genau deshalb gehört eine Wahrheit ebenso deutlich auf den Tisch: Entsiegeln nützt nichts, wenn die Stadt die Pflege dieser neuen Grünflächen nicht ausreichend finanziert.

Während die Umweltbehörde goldene Spaten verteilt und sich für die erreichten Quadratmeter feiert, zeichnen die Bezirke ein völlig anderes Bild. In einer öffentlichen Drucksache warnt die Bezirksamtsleitung Hamburg-Nord vor massiven Qualitätsverlusten im gesamten Stadtgrün. Die geplante Kürzung bei der Rahmenzuweisung Grün entspricht faktisch 810.000 Euro weniger – und damit einem realen Minus von rund 30 Prozent.

Das Problem dahinter ist seit Jahren bekannt:

  • Die Grünflächen wachsen stetig,
  • die Mittel für Pflege und Instandhaltung sind seit 2019 eingefroren,
  • die Kosten im Landschaftsbau sind seitdem um 66 Prozent gestiegen.

Das Ergebnis: Die Bezirke können mit real nur noch rund einem Drittel ihrer ursprünglichen Kaufkraft arbeiten – und sollen gleichzeitig immer größere Flächen pflegen.

Die angekündigten Folgen sind alarmierend:

  • Keine Baum- und Nachpflanzungen mehr,
  • Rückbau kleiner Spielplätze,
  • Stilllegung von Brunnen und Matschflächen,
  • Pflege nur noch auf das absolut Notwendige zur Gefahrenabwehr reduziert.

Besonders fatal ist, dass die laufenden Entsiegelungsprojekte ohne zusätzlichen Pflege-Etat umgesetzt werden. Jede neue Grünfläche bedeutet also mehr Arbeit – aber keinen einzigen zusätzlichen Euro.

So entsteht eine Schieflage, die Entsiegelung langfristig konterkariert. Denn was nützen 5.000 Quadratmeter neues Grün, wenn sie anschließend vergammeln, zurückgebaut oder aus Geldnot kaum gepflegt werden können?

Das System ist so widersprüchlich, dass in der Fabriciusstraße sogar mehr versiegelt wurde als nötig – einzig, um keine zusätzliche Grünfläche zu schaffen, für deren Pflege das Bezirksamt später kein Geld bekäme.

Entsiegelung bleibt richtig. Aber sie funktioniert nur, wenn Hamburg endlich bereit ist, die Bezirke so auszustatten, dass sie das neue Grün auch dauerhaft erhalten können. Ohne ausreichend Pflege droht jeder Erfolg bereits im Ansatz zu scheitern.