Der Hamburger Senat betont gern seine Vorbildfunktion beim Umwelt- und Ressourcenschutz. Die Auswertung der Anlage zur Schriftlichen Kleinen Anfrage zur Mülltrennung in Behörden zeigt jedoch ein anderes Bild: In weiten Teilen der Verwaltung fehlt bis heute eine vollständige und gesetzeskonforme Mülltrennung. Besonders problematisch ist dabei, dass sich die Defizite nicht gleichmäßig verteilen – einige Bereiche fallen deutlich als schwarze Schafe auf.
Besonders negativ betroffen ist das Bezirksamt Wandsbek
An einer Vielzahl von Standorten – darunter Am Alten Posthaus, Am Neumarkt, Berner Heerweg, Farmsener Landstraße, Saseler Markt, Wandsbeker Allee oder Wentzelplatz – existiert durchgängig lediglich eine Trennung in Papier und Restmüll. Wertstoffe und Bioabfälle werden fast flächendeckend nicht getrennt. Bei der schieren Anzahl der Liegenschaften entsteht hier der Eindruck eines systematischen Wegsehens.
Auch das Bezirksamt Hamburg-Mitte gehört zu den Problemfällen
Zwar gibt es einzelne Vorzeigestandorte mit vollständiger Trennung, gleichzeitig finden sich aber zahlreiche Gebäude – etwa in der Bülaustraße, am Ausschläger Elbdeich, in der Caspar-Voght-Straße, im Lorenzenweg oder an der Katenweide – ohne Wertstoff- oder Biotonne. Gerade in zentralen Verwaltungsstandorten ist das ein deutliches Signal mangelnder Priorität.
Die Senatskanzlei und mehrere zentrale Behördenstandorte schneiden ebenfalls schlecht ab
Am Rathausmarkt, in der Caffamacherreihe und in der Schönen Aussicht wird ebenfalls nur teilweise getrennt. Dass ausgerechnet die zentrale Steuerungsebene der Stadt hier kein Vorbild abgibt, ist politisch besonders brisant.
Defizite zeigen sich zudem in Teilen der Sozial-, Schul- und Kulturbehörde
Mehrere Standorte verfügen lediglich über Papier- und Restmüll, teils sogar ohne nachvollziehbare Begründung. Einheitliche Standards oder ein erkennbarer Wille zur Nachbesserung sind nicht erkennbar.
Demgegenüber gibt es auch positive Ausnahmen, etwa einzelne Standorte in Hamburg-Mitte, Harburg oder bei Umwelt- und Stadtentwicklungsbehörden, an denen alle vier Fraktionen erfasst werden. Diese bleiben jedoch die Minderheit.
Die Anlage macht deutlich: Das Problem ist nicht fehlendes Wissen, sondern fehlende Konsequenz. Solange es keine verbindlichen Vorgaben, klare Zuständigkeiten und eine zentrale Steuerung gibt, bleibt Mülltrennung in Hamburgs Verwaltung vom Zufall abhängig. Besonders die genannten Behörden und Bezirke müssen sich die Frage gefallen lassen, warum ausgerechnet sie ihre gesetzliche Pflicht und die eigene Vorbildrolle nicht erfüllen.
Wer Nachhaltigkeit ernst meint, sollte zuerst dort aufräumen, wo er selbst Verantwortung trägt.
Quelle: Schriftliche Kleine Anfrage Drs. 23/2367 „Umsetzung der Mülltrennung und Abfallvermeidung in den Hamburger Behörden“, Anlage zur Antwort des Senats.

