Der NABU Hamburg appelliert an Gartenbesitzerinnen und Gartenbesitzer, mit dem Rückschnitt von Hecken und Sträuchern noch bis mindestens Ende Juli zu warten. Hintergrund ist die laufende Brut- und Aufzuchtzeit vieler heimischer Vogelarten, die in den dicht bewachsenen Gehölzen Schutz und Nistmöglichkeiten finden.
Nach Angaben des Naturschutzverbandes ziehen derzeit zahlreiche Singvögel wie Amseln, Grünfinken, Grasmücken und Zaunkönige ihren Nachwuchs groß. Ein Rückschnitt der Hecken könne in dieser Zeit Nester gefährden und Jungvögel dem Zugriff von Fressfeinden aussetzen. Zudem befinden sich viele Arten noch in einer zweiten Brutphase, sodass auch später im Sommer noch Nester in Sträuchern und Hecken zu finden sind.
Der NABU weist darauf hin, dass vor jedem Heckenschnitt sorgfältig kontrolliert werden sollte, ob sich belegte Nester in den Pflanzen befinden. Das Bundesnaturschutzgesetz verpflichtet dazu, wildlebende Tiere während der Fortpflanzungszeit nicht zu stören und ihre Lebensstätten zu schützen.
Auch aus gärtnerischer Sicht könne sich Geduld lohnen. Viele Hecken und Sträucher wachsen im Sommer noch weiter. Wer zu früh schneidet, muss häufig ein weiteres Mal zur Heckenschere greifen. Ein späterer Rückschnitt kann daher sowohl den Pflanzen als auch der Vogelwelt zugutekommen.
Wichtige Lebensräume in der Stadt
Der NABU betont zudem die Bedeutung von Privatgärten und öffentlichen Grünflächen für die Artenvielfalt in Städten. Naturnah gestaltete Hecken und Sträucher bieten zahlreichen Tierarten Nahrung, Schutz und Nistmöglichkeiten. Gleichzeitig tragen sie zur Verbesserung des Stadtklimas bei und gewinnen angesichts zunehmender Hitzeperioden in urbanen Räumen an Bedeutung.
Jungvögel am Boden meist nicht hilfsbedürftig
Mit der Brutzeit häufen sich auch Begegnungen mit jungen Vögeln, die scheinbar verlassen am Boden sitzen. Der NABU rät in solchen Fällen zur Zurückhaltung. Häufig handelt es sich um sogenannte Ästlinge, die ihr Nest bereits verlassen haben, obwohl sie noch nicht vollständig flugfähig sind.
Diese Jungvögel werden weiterhin von ihren Eltern versorgt und befinden sich meist nicht in einer Notsituation. Wer ein solches Tier entdeckt, sollte es daher möglichst in Ruhe lassen und aus einiger Entfernung beobachten. Nur wenn unmittelbare Gefahr besteht, etwa durch den Straßenverkehr, sollte eingegriffen werden. Dann kann der Vogel vorsichtig an einen geschützten Ort in der Nähe umgesetzt werden.
Dass Vogeleltern ihren Nachwuchs nach menschlichem Kontakt nicht mehr annehmen, ist nach Angaben des NABU ein weit verbreiteter Irrtum. Jungvögel können bei Bedarf ohne Probleme zurück ins Nest gesetzt oder an einen sicheren Platz gebracht werden. Von einer Mitnahme nach Hause rät der Verband jedoch ausdrücklich ab.
Wer in diesen Wochen auf größere Schnittmaßnahmen verzichtet und seinen Garten möglichst naturnah belässt, kann einen wichtigen Beitrag zum Schutz der heimischen Vogelwelt leisten.

