Der Hamburger Senat hält zwar an der beitragsfreien fünfstündigen Grundbetreuung in der Kita fest. Für viele Familien endet die Entlastung jedoch genau dort, wo der Alltag beginnt. Denn wer wegen Beruf, Ausbildung oder anderer Verpflichtungen auf längere Betreuungszeiten angewiesen ist, muss künftig deutlich tiefer in die Tasche greifen.
Mit dem neuen Haushalt plant der Senat eine umfassende Reform der Kita-Gebühren. Die Einkommensgrenzen sollen angepasst, die Staffelung verändert und die Beiträge jährlich dynamisiert werden. Haushalte mit höheren Einkommen sollen künftig stärker belastet werden. Ab 2028 rechnet der Senat mit zusätzlichen Einnahmen von rund 13,68 Millionen Euro jährlich.
Das ist kein kleiner technischer Eingriff, sondern eine spürbare Mehrbelastung für viele Familien.
Fünf Stunden reichen für viele Familien nicht aus
Die beitragsfreie Grundbetreuung von fünf Stunden wird vom Senat gerne als soziale Errungenschaft hervorgehoben. Doch für viele Eltern ist sie im Alltag kaum ausreichend. Wer in Vollzeit arbeitet, pendelt, mehrere Kinder versorgt oder auf verlässliche Betreuungszeiten angewiesen ist, benötigt deutlich mehr als fünf Stunden Kita am Tag.
Gerade Familien mit mittleren und höheren Einkommen werden nun stärker zur Kasse gebeten. Dabei handelt es sich keineswegs automatisch um Haushalte, die finanziell sorgenfrei leben. Hohe Mieten, steigende Lebensmittelpreise, Energiekosten, Mobilitätsausgaben und allgemeine Lebenshaltungskosten belasten auch diese Familien erheblich.
Wenn die Kita-Gebühren steigen, trifft das vor allem Eltern, die arbeiten gehen und auf eine verlässliche Betreuung angewiesen sind. Der Senat darf Familien nicht dafür bestrafen, dass sie Beruf und Familie miteinander vereinbaren.
Höchstbeitrag steigt deutlich
Besonders deutlich wird die Belastung beim Höchstbeitrag. Dieser soll von derzeit 191 Euro zunächst auf 320 Euro zum 1. August 2027 und anschließend auf 336 Euro zum 1. August 2028 steigen.
Das ist eine erhebliche Steigerung innerhalb kurzer Zeit. Für Familien mit mehreren Kindern können daraus schnell mehrere hundert Euro zusätzliche Belastung im Monat entstehen. Gerade dann, wenn gleichzeitig weitere Kosten für Schulmaterialien, Freizeitangebote, Kleidung oder Vereinsbeiträge anfallen, wird die finanzielle Belastung spürbar.
Der Senat spricht von einer sozial ausgewogenen Reform. Doch sozial ausgewogen ist eine Regelung nur dann, wenn sie die tatsächliche Lebensrealität von Familien berücksichtigt. Dazu gehören nicht nur Einkommen, sondern auch Wohnkosten, Kinderzahl und die Tatsache, dass viele Eltern auf längere Betreuungszeiten angewiesen sind, um überhaupt arbeiten zu können.
Mehr Einnahmen für den Haushalt – weniger Spielraum für Familien
Der Senat rechnet ab 2028 mit Mehreinnahmen von rund 13,68 Millionen Euro. Diese Summe soll offenbar durch höhere Beiträge der Eltern finanziert werden.
Es stellt sich die Frage, ob Familien künftig zur Haushaltsreserve des Senats werden sollen. Hamburg verfügt über erhebliche finanzielle Mittel und erhebt zugleich hohe Steuern und Gebühren. Statt die Vereinbarkeit von Familie und Beruf weiter zu stärken, werden nun zusätzliche Belastungen geschaffen.
Eine moderne Familienpolitik sollte Eltern entlasten, nicht neue Hürden aufbauen. Wer möchte, dass mehr Menschen arbeiten, Fachkräfte dem Arbeitsmarkt erhalten bleiben und Kinder frühzeitig gute Bildungsangebote erhalten, darf die Betreuung nicht schrittweise verteuern.
Frühkindliche Bildung ist keine Nebensache
Kitas sind nicht nur Betreuungsorte. Sie sind Orte frühkindlicher Bildung, Sprachförderung, sozialer Entwicklung und Integration. Eine gute Kita-Betreuung hilft Kindern, fördert Chancengerechtigkeit und entlastet Familien im Alltag.
Deshalb sollte der Zugang zu längeren Betreuungszeiten nicht zunehmend vom Einkommen abhängen. Es darf nicht dazu kommen, dass Eltern ihre Arbeitszeit reduzieren müssen, weil die Betreuungskosten zu hoch werden. Das wäre weder familienfreundlich noch wirtschaftlich sinnvoll.
Der Senat muss daher genau darlegen, welche Familien von den neuen Gebühren betroffen sein werden, wie hoch die Belastungen im Einzelfall ausfallen und wie verhindert wird, dass insbesondere Familien mit mehreren Kindern überfordert werden.
Familien brauchen Verlässlichkeit statt steigender Gebühren
Die geplante Reform sendet ein falsches Signal. Während Hamburg mehr Fachkräfte braucht und Eltern zur Erwerbstätigkeit ermutigt werden sollen, steigen ausgerechnet die Kosten für die notwendige Betreuung.
Die beitragsfreie fünfstündige Grundbetreuung bleibt wichtig. Sie darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die meisten Familien auf deutlich längere Betreuungszeiten angewiesen sind. Für sie bedeuten die neuen Gebühren vor allem eines: weniger finanzieller Spielraum.
Hamburg sollte Familien stärken, statt sie zur Finanzierung des Haushalts heranzuziehen. Eine gute Kita-Betreuung muss bezahlbar, verlässlich und für alle Familien erreichbar bleiben.

