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Neun gesunde Bäume gefällt – ohne Beschluss, ohne Umsetzung: Berner Heerweg ist ein Symbol politischer Fehlplanung im Bezirk Wandsbek

Immer wieder hatten Bürgerinnen und Bürger gefragt, warum am Berner Heerweg in Farmsen so viele Bäume gefällt wurden – schließlich waren diese augenscheinlich gesund. Die Antwort ist kaum nachvollziehbar und steht sinnbildlich für politisches Versagen im Bezirk Wandsbek. Während überall betont wird, wie wichtig der Schutz von Bäumen und Umwelt ist und Initiativen wie der Klimaentscheid in Hamburg umgesetzt werden, zeigt dieser Fall ein völlig anderes Bild: Neun Bäume wurden bereits im November 2019 gefällt, um Platz für eine geplante Straßensanierung zu schaffen – obwohl diese Maßnahme zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal beschlossen war (Drs. 22/17483, Antwort 8 sowie Drs. 23/3639).

Die Kosten für die Fällungen beliefen sich auf 4.687 Euro. Doch der eigentliche Skandal liegt tiefer: Bis heute wurde die geplante Sanierung nicht umgesetzt. Stattdessen ist das Projekt inzwischen um mindestens fünf Jahre verschoben worden.

Ursprünglich sollten die Bäume einer vierspurigen Ausbaumaßnahme weichen. Diese wurde jedoch nie beschlossen. In der Folge wurde das Konzept zwischenzeitlich geändert – statt vier Spuren war plötzlich nur noch eine reduzierte Variante vorgesehen. Am Ende entschied die Ampel-Koalition im Bezirk Wandsbek, das gesamte Vorhaben auf unbestimmte Zeit zu verschieben.

Das Ergebnis: Die Bäume sind unwiederbringlich verloren – ohne dass jemals ein konkreter Nutzen entstanden ist.

Zusätzlich wurden rund 1,6 Millionen Euro in Planungen investiert, die sich im Nachhinein als überflüssig herausstellen. Für viele Anwohner ist das kaum nachvollziehbar. Erst wird funktionierende Natur zerstört, Geld verbrannt und dann passiert über Jahre hinweg nichts.

Als Begründung für die ausbleibende Umsetzung wird heute auf die Baustellenkoordination verwiesen. Der Berner Heerweg soll derzeit als Umleitungsstrecke dienen, insbesondere im Zusammenhang mit dem Ausbau des Bahnhofsumfeldes Farmsen bis zur August-Krogmann-Straße. Erst danach könne die eigentliche Maßnahme beginnen.

Doch diese Erklärung überzeugt viele vor Ort nicht. Denn die zentrale Frage bleibt unbeantwortet: Warum wurden gesunde Bäume gefällt, obwohl weder ein politischer Beschluss vorlag noch eine zeitnahe Umsetzung gesichert war?

Der Fall steht exemplarisch für ein grundlegendes Problem: fehlende Abstimmung, wechselnde Planungen und Entscheidungen ohne langfristige Perspektive. Die Folge ist wachsender Unmut in der Bevölkerung. Das Vertrauen in politische Entscheidungen leidet – insbesondere dann, wenn Eingriffe in Natur und Stadtbild erfolgen, ohne dass daraus ein erkennbarer Nutzen entsteht.

Neun gefällte Bäume, jahrelanger Stillstand und millionenschwere Planungskosten – der Berner Heerweg zeigt, wie weit Anspruch und Realität in der Verkehrspolitik auseinanderliegen. Die Verantwortung dafür trägt die Leitung des Bezirksamts Wandsbek, die seit Jahren durch fehlendes Interesse an zentralen Themen auffällt.

– Drucksache 23/3639 –