Der Hamburger Senat betont regelmäßig, wie wichtig Transparenz und messbare Fortschritte für die Erreichung der eigenen Klimaziele sind. Öffentliche Unternehmen sollen dabei Vorreiter sein – immerhin verwalten sie Milliardenvermögen, prägen den Alltag der Bürgerinnen und Bürger und stehen politisch in besonderer Verantwortung. Doch auf die Frage, ob alle öffentlichen Unternehmen der Stadt bereits eine Klimabilanz erstellt haben, zeigt sich: So klar, wie es die politischen Ankündigungen vermuten lassen, ist die Lage nicht.
Nur ein Teil der öffentlichen Unternehmen bilanziert – und das erst seit Kurzem
Grundlage ist ein Stufenplan, den die Bürgerschaft eingefordert hat (Drs. 22/5636). Auf dieser Basis wurde festgelegt, dass nur ausgewählte Mehrheitsbeteiligungen der Stadt ab 2024 bzw. 2025 eine Treibhausgasbilanz nach einheitlichen Vorgaben erstellen müssen.
Zu den Unternehmen der Stufe 1 (Bilanzierung ab 2024) gehören u. a. die Hochbahn, Bäderland, SAGA, Hamburg Wasser, GMH oder die Stadtreinigung Hamburg.
Zu den Stufe-2-Unternehmen (Bilanzierung ab 2025) zählen u. a. die Deichtorhallen, die Elbkinder, die Staatsoper, die Hamburgische Investitions- und Förderbank, Lotto Hamburg oder die Hamburg Port Authority.
Alle anderen öffentlichen Unternehmen müssen bislang keine Bilanz erstellen. Erst ab 2026 soll geprüft werden, ob weitere Unternehmen verpflichtet werden. Für eine Stadt, die „Klimavorreiterin“ sein will, ist dieser Zeitplan erstaunlich langsam.
Fehlende Transparenz: Klimabilanzen werden nicht veröffentlicht
Besonders kritisch: Die THG-Bilanzen selbst sind nicht öffentlich einsehbar.
Die Unternehmen melden ihre Scope-1-, Scope-2- und teilweise Scope-3-Emissionen lediglich über eine interne Software an den Senat. Veröffentlicht werden dann im Beteiligungsbericht nur einzelne aggregierte Werte – ohne Details, ohne Einblick in Methoden, Quellen, Abgrenzungen oder Reduktionspfade.
Damit fehlt der Öffentlichkeit ein zentraler Baustein: die Nachvollziehbarkeit. Wie glaubwürdig ist Klimaschutz, wenn die städtischen Unternehmen ihre Klimadaten hinter verschlossenen Türen erheben?
Uneinheitlichkeit bleibt – obwohl ein Standard existiert
Zwar orientieren sich die verpflichteten Unternehmen laut Senat am international anerkannten Greenhouse Gas Protocol (GHG Protocol). Ein Leitfaden wurde im März 2024 erstellt.
Aber: Unternehmen, die nicht vom Stufenplan erfasst sind, bilanzieren nur freiwillig und „orientieren sich“ lediglich am Leitfaden. Von einer vollständigen Einheitlichkeit kann also keine Rede sein. Ein echter Vergleich zwischen Unternehmen ist damit in vielen Fällen nicht möglich.
Aktualisierung erfolgt jährlich – aber zu spät für politische Steuerung
Aktualisiert werden die Bilanzen jeweils bis zum 30. Juni des Folgejahres. Das bedeutet: Der Senat arbeitet regelmäßig mit Klimadaten, die ein Jahr alt sind. Gerade in Zeiten dynamischer Klimaherausforderungen wirkt dieser lange Berichtszyklus alles andere als zeitgemäß.
Anspruch und Wirklichkeit klaffen auseinander
Hamburg hat ehrgeizige Klimaversprechen formuliert. Doch die Realität zeigt:
- Nicht alle öffentlichen Unternehmen erstellen eine Klimabilanz.
- Nicht alle bilanzierten Werte sind öffentlich einsehbar.
- Nicht alle Unternehmen folgen verbindlich dem gleichen Standard.
- Viele Daten kommen verspätet, zu unvollständig oder bleiben intransparent.
Wer Klimaschutz glaubwürdig vorleben will, muss mit gutem Beispiel vorangehen – gerade als öffentliche Hand.
Bis dahin bleibt ein unangenehmer Eindruck: Hamburg fordert Transparenz von Unternehmen und Bürgern ein, schafft es aber selbst noch nicht, diese konsequent vorzuleben.
Quelle: Drucksache 23/2195

