Die Sommer werden heißer. Hitzewellen nehmen zu. Ärzte und Gesundheitsexperten raten dazu, regelmäßig Wasser zu trinken. Umso erstaunlicher ist ein Blick auf die Zahl der öffentlichen Trinkwasserbrunnen in Hamburg.
Nach Angaben des Senats gibt es in Hamburg aktuell lediglich 55 öffentliche Trinkwasserstandorte. Darunter sind zehn Trinkwasserbrunnen von Hamburg Wasser sowie 45 Trinkwasserspender an öffentlichen Toilettenanlagen der Stadtreinigung. Neue Ausbaupläne gibt es derzeit nicht. Die Zahl der Standorte ist zuletzt unverändert geblieben.
Zum Vergleich: Die Stadt Wien hat im April 2025 ihren 1.600. öffentlichen Trinkbrunnen in Betrieb genommen. Allein seit 2021 wurden dort rund 500 zusätzliche Trinkbrunnen errichtet. Die Wiener Stadtregierung sieht kostenlose Trinkwasserversorgung ausdrücklich als wichtigen Bestandteil des Hitzeschutzes und der Lebensqualität. (https://presse.wien.gv.at/presse/2025/04/13/neuer-hoechststand-wiener-wasser-nimmt-1-600sten-oeffentlichen-trinkbrunnen-in-betrieb)
Der Unterschied könnte kaum größer sein.
Während Wien bei rund zwei Millionen Einwohnern 1.600 öffentliche Trinkbrunnen betreibt, kommt Hamburg bei ähnlicher Einwohnerzahl lediglich auf 55 Trinkwasserstandorte.
Besonders unverständlich ist die Situation am Alten Wall. Dort stand vor der Umgestaltung ein öffentlicher Trinkbrunnen. Im Zuge der Sanierung wurde dieser im Jahr 2020 abgebaut. Wieder aufgebaut wurde er bis heute nicht. Stattdessen befindet sich an dieser Stelle heute eine Kunstinstallation. Eine alternative Brunnenlösung wurde verworfen. Ein Hamburger Hot-Sport verliert somit einen Trinkwasserbrunnen.
Gerade in Zeiten zunehmender Hitzeperioden ist das schwer nachvollziehbar. Trinkwasser gehört zur öffentlichen Daseinsvorsorge. Wer in der Innenstadt unterwegs ist, sollte kostenlos Zugang zu Trinkwasser haben.
Noch problematischer ist, dass der Senat derzeit keine konkreten Ausbaupläne nennt. Neue Trinkwasserspender entstehen nur im Zusammenhang mit Neubauten oder Grundsanierungen öffentlicher Toilettenanlagen. Für eine flächendeckende Versorgung gibt es bislang keine Strategie.
Viele Stadtteile gehen dabei komplett leer aus. Auch in Bramfeld, Steilshoop und Farmsen-Berne gibt es keine öffentlichen Trinkwasserbrunnen von Hamburg Wasser.
Dabei liegen die Vorteile auf der Hand:
- Schutz vor Hitze und Dehydrierung
- Unterstützung älterer Menschen
- Mehr Aufenthaltsqualität in Parks und auf Plätzen
- Weniger Einwegflaschen und Verpackungsmüll
- Kostenlose Versorgung für alle Bürger
Wien zeigt seit Jahren, wie es funktionieren kann. Dort werden Trinkbrunnen gezielt ausgebaut. In Hamburg wird dagegen sogar ein bestehender Brunnen am Alten Wall entfernt, ohne Ersatz zu schaffen.
Hamburg braucht endlich einen Masterplan für öffentliche Trinkwasserbrunnen. Der Senat sollte ein Ausbauprogramm auflegen. Ziel muss sein, in jedem Stadtteil und an allen wichtigen Plätzen kostenloses Trinkwasser anzubieten. Wenn Wien 1.600 Trinkbrunnen schaffen kann, sollte Hamburg deutlich mehr erreichen als die heutigen 55 Standorte.
Quellen:
- Bürgerschaftsdrucksache 23/4215
Eine Übersicht finden Sie hier:
Loading Viewer...

