Seit Jahren setze ich mich für mehr Straßenbäume in Hamburg ein – für konsequente Nachpflanzungen, echte Transparenz beim Bestand und eine langfristige Strategie für unser Stadtgrün. Lange wurde dieses Thema von Rot-Grün belächelt. Warnungen vor einem massiven Rückstand bei den Nachpflanzungen wurden ignoriert, Hinweise auf Lücken schöngeredet. Heute verkündet der Senat stolz positive Zahlen – doch der eigentliche Auftrag ist noch lange nicht erfüllt.
Im vergangenen Jahr wurden in Hamburg 1.850 neue Straßenbäume gepflanzt, insgesamt sind es nun rund 230.000 Exemplare entlang unserer Straßen. Das ist ein Fortschritt – und genau die Entwicklung, für die ich mich seit Jahren eingesetzt habe. Doch trotz der aktuellen Erfolgszahlen darf nicht übersehen werden, dass Hamburg ein erhebliches Baumdefizit vor sich herschiebt: Seit 2015 fehlen rund 2.500 Straßenbäume, die nach Fällungen nicht nachgepflanzt wurden. Auf privaten Flächen liegt das Minus sogar bei über 17.000 Bäumen.
Dieses Defizit ist nicht vom Himmel gefallen – es ist das Ergebnis jahrelanger Versäumnisse unter rot-grüner Verantwortung. Statt konsequenter Nachpflanzungen wurde mit Statistiken gearbeitet: Bereits vorhandene Bäume wurden einfach als „Straßenbäume“ umdeklariert, um die Zahlen zu schönen. Allein 2023 wurden laut Senatsangaben 189 bestehende Bäume neu kategorisiert – ohne dass ein einziger zusätzlich gepflanzt wurde.
Der aktuelle Kurswechsel kommt spät, aber er ist richtig. Mit zusätzlichen Mitteln – seit 2024 stehen 5,5 Millionen Euro mehr für Pflanzungen und Pflege bereit – können endlich wichtige Lücken geschlossen werden. Doch dieser Weg muss nun mit Konsequenz weitergegangen werden: Hamburg braucht eine echte Nachpflanzoffensive, die dauerhaft, nachvollziehbar und ambitioniert ist. Denn Straßenbäume sind weit mehr als Stadtverschönerung – sie sind Klimaschützer, Luftfilter, Schattenspender und Lebensqualität in einer wachsenden Metropole.
Dass es nach Jahren des Stillstands nun endlich vorangeht, ist ein Erfolg – aber auch eine klare Verpflichtung, die Versäumnisse der Vergangenheit nicht aus den Augen zu verlieren. Nur wenn Hamburg das bestehende Defizit aktiv aufholt, wird aus Symbolpolitik echter Fortschritt.
Dem NDR habe ich zu diesem Thema auch ein Statement gegeben. Es freut mich, dass das Thema nun endlich die öffentliche Aufmerksamkeit bekommt, die es verdient.

