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Ohlsdorfer Friedhof will klimaneutraler werden: Weniger Lärm, mehr Natur und neue Ideen fürs Krematorium

Der Ohlsdorfer Friedhof ist nicht nur Hamburgs bekanntester Friedhof, sondern gilt auch als einer der größten Parkfriedhöfe der Welt. Viele Bürgerinnen und Bürger haben mich in den vergangenen Wochen gefragt, was der Friedhof eigentlich konkret für den Klimaschutz macht. Denn wer regelmäßig dort unterwegs ist, hört oft laute Mäharbeiten, Heckenschnitte oder sieht große Maschinen im Einsatz. Gleichzeitig stellt sich die Frage, wie nachhaltig ein großer Friedhof mit eigenem Krematorium überhaupt arbeiten kann.

Ich habe mich deshalb mit dem Friedhof ausgetauscht – und dabei wurde deutlich: Auch dort sieht man die Herausforderungen und möchte in den kommenden Jahren einiges verändern.

Weniger Lärm und weniger Verbrauch durch Mähroboter

Ein großes Thema sind die Grünpflegearbeiten. Gerade die vielen benzin- oder dieselbetriebenen Geräte sorgen nicht nur für Lärm, sondern auch für Emissionen. Deshalb möchte der Friedhof künftig verstärkt auf professionelle Mähroboter setzen.

Dabei handelt es sich ausdrücklich nicht um kleine Gartengeräte, sondern um große, moderne Systeme für den professionellen Einsatz. Diese sollen gegen Diebstahl gesichert und vor allem mit Kameratechnik ausgestattet sein, damit Tiere wie Igel oder andere Wildtiere erkannt und geschützt werden können. Andere Hamburger Friedhöfe haben solche Systeme bereits getestet – offenbar mit guten Erfahrungen.

Mehr Natur statt Dauer-Mähen

Ein weiterer Ansatz: mehr natürliche Flächen und weniger dauerhaft gemähte Rasenbereiche. Der Friedhof möchte künftig stärker auf Blumen- und Naturwiesen setzen.

Natürlich wird das nicht jedem sofort gefallen. Manche empfinden solche Flächen zunächst als „ungepflegt“. Tatsächlich geht es aber darum, Wege weiterhin ordentlich und sicher zu halten, gleichzeitig aber der Natur wieder mehr Raum zu geben. Gerade für Insekten und Kleintiere können solche Bereiche ein wichtiger Rückzugsort sein.

Komplett angelegte Wildblumenflächen sind allerdings aufwendig und teuer, weil dafür teilweise der Boden ausgetauscht werden müsste.

Deshalb setzt man eher darauf, natürliche Entwicklungen zuzulassen und bestimmte Bereiche bewusster weniger intensiv zu pflegen.

Krematorium: Weg vom Erdgas?

Besonders spannend ist die Entwicklung beim Krematorium. Dort wird derzeit noch sehr viel Erdgas verbraucht. Genau hier möchte der Friedhof künftig ansetzen.

Nach meinen Informationen beteiligt man sich an einem geförderten Pilotprojekt verschiedener Bundesbehörden. Ziel ist es, die Öfen perspektivisch mit Wasserstoff und Strom zu betreiben, um langfristig klimaneutraler zu werden. Dafür wurden offenbar bereits erste Fördermittel zugesagt.

Offen ist allerdings noch, wie der benötigte Wasserstoff künftig bereitgestellt werden soll. Denkbar wäre beispielsweise eine eigene Elektrolyse mit Strom aus Photovoltaikanlagen auf den Dächern oder der externe Bezug von Wasserstoff.

Klar ist aber: Wenn das gelingt, wäre das ein großer Schritt für mehr Klimaschutz auf dem Friedhof.

20.000 Quadratmeter sollen entsiegelt werden

Auch bei der Flächennutzung will man neue Wege gehen. Die verschiedenen Gärtnereistandorte auf dem Friedhof sollen künftig stärker gebündelt werden. Dafür ist ein neuer zentraler Stützpunkt vorgesehen.

Die bisherigen, dann nicht mehr benötigten Flächen sollen nach und nach entsiegelt werden – insgesamt geht es dabei um rund 20.000 Quadratmeter. Das wäre ein wichtiger Beitrag für mehr Versickerung, weniger Hitzeentwicklung und mehr Naturflächen.

Der Friedhof bleibt eine große Herausforderung

Bei allen positiven Ansätzen darf man eines nicht vergessen: Der Erhalt eines so großen und historischen Friedhofs kostet enorme Summen. Pflege, Wege, Grünflächen, Gebäude und Infrastruktur verursachen hohe laufende Kosten.

Deshalb wird es in den kommenden Jahren sicherlich auch politische Diskussionen darüber geben, wie der Friedhof dauerhaft finanziell abgesichert werden kann. Denn klar ist auch: Der Ohlsdorfer Friedhof ist nicht nur ein Ort der Trauer, sondern gleichzeitig ein bedeutender Park, Kulturort und Naturraum für ganz Hamburg.

Die Richtung, die dort aktuell eingeschlagen wird, halte ich jedenfalls für sinnvoll und spannend.