Die Osterbek mit der Seebek steht exemplarisch für den schlechten Zustand vieler Hamburger Gewässer. Die aktuellen Ergebnisse der operativen Gewässerüberwachung 2024 zeigen: In diesem Gewässerabschnitt wurden acht Grenzwertüberschreitungen festgestellt. Betroffen sind gleich mehrere Schadstoffgruppen – darunter Schwermetalle, sogenannte Ewigkeitschemikalien und Rückstände aus Verbrennungs- und Industrieprozessen.
Damit rückt die Osterbek mit Seebek erneut in den Fokus einer politischen Debatte, die der Senat bislang nur unzureichend beantwortet: Wie glaubwürdig sind Gewässerschutz, Artenschutz und Gesundheitsvorsorge, wenn selbst kleinere Stadtgewässer dauerhaft belastet sind?
Welche Schadstoffe wurden gemessen?
Nach Angaben des Senats wurden 2024 folgende Stoffe oberhalb der zulässigen Umweltqualitätsnormen nachgewiesen:
- Quecksilber
- Bromierte Diphenylether
- Perfluoroktansulfonsäure (PFOS) und Derivate
- Fluoranthen
- Benzo(b)fluoranthen
- Benzo(ghi)perylen
- Kupfer
- Zink
Mehrere dieser Stoffe gelten als hochproblematisch, da sie sich im Sediment und in Organismen anreichern und nur sehr langsam abgebaut werden. Besonders brisant: Ein Teil der Belastungen gilt nicht als kurzfristiger Ausreißer, sondern als dauerhafte Hintergrundbelastung.
Gefahr für Fische – und für Menschen
Für die Fischbestände in Osterbek und Seebek bedeutet diese Mischung aus Schadstoffen eine erhebliche Belastung. Schwermetalle und PFAS wirken toxisch, stören die Fortpflanzung und schwächen langfristig ganze Populationen. Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe gelten zudem als krebserregend.
Was die Fische betrifft, betrifft langfristig auch den Menschen. Schadstoffe können über Nahrungsketten, Sedimente oder direkten Kontakt in den menschlichen Körper gelangen. Gerade in dicht besiedelten Stadtteilen ist das kein abstraktes Umweltproblem, sondern eine Frage der öffentlichen Gesundheit.
Politischer Widerspruch: Gewässer belasten, Naturbäder planen?
Die Messdaten werfen eine zentrale politische Frage auf: Wie will der Senat Naturbäder entwickeln, Gewässer erlebbar machen oder für Erholung und Freizeit öffnen, wenn gleichzeitig regelmäßig Grenzwerte überschritten werden?
Solange Gewässer wie die Osterbek und Seebek messbar belastet sind, wirken entsprechende Ankündigungen widersprüchlich. Ohne saubere Gewässer gibt es weder funktionierenden Artenschutz noch sichere Erholungsräume.
Forderung: Klarheit statt Schönwetterpolitik
Die Situation an der Osterbek mit Seebek macht deutlich, dass es nicht reicht, auf langfristige Ziele zu verweisen. Der Senat muss offenlegen, wie er Schadstoffeinträge konkret reduzieren will, welche Maßnahmen priorisiert werden und wo Gewässernutzung klare Grenzen gesetzt werden müssen.
Denn eines ist klar: Ohne sauberes Wasser keine gesunden Fische – und kein glaubwürdiger Gewässerschutz.
Quelle
Antwort des Senats auf die Schriftliche Kleine Anfrage, Drs. 23/2549

