Der Senat verweist in seinen Antworten zur Drucksache 23/2531 auf einen deutlichen prozentualen Zuwachs bei Photovoltaikanlagen auf öffentlichen Gebäuden. Eine Auswertung der absoluten Zahlen sowie eine Hochrechnung des aktuellen Ausbautempos zeigen jedoch, dass der tatsächliche Fortschritt weit hinter den vorhandenen Möglichkeiten zurückbleibt.
Gesamtbestand: Umfangreiche Flächen, geringe Ausstattung
Nach Angaben des Senats befinden sich rund 10.800 Gebäude im Besitz der Freien und Hansestadt Hamburg sowie ihrer öffentlichen Unternehmen. Davon sind lediglich rund 330 bis 370 Gebäude mit Photovoltaikanlagen ausgestattet. Dies entspricht einem Anteil von etwa 3 Prozent des Gesamtbestands. Selbst unter Berücksichtigung technischer Einschränkungen bedeutet dies: Über 97 Prozent der öffentlichen Gebäude verfügen derzeit über keine Photovoltaikanlage.
Hochrechnung des Ausbautempos: Jahrzehnte statt Jahre
Der Senat selbst gibt an, die Anzahl der PV-Anlagen auf öffentlichen Gebäuden von 180 Anlagen (September 2023) auf 338 Anlagen (Ende 2025) gesteigert zu haben. Dies entspricht einem Zuwachs von 158 Anlagen innerhalb von rund 27 Monaten, also etwa 70 Anlagen pro Jahr.
Legt man dieses Tempo zugrunde, ergibt sich folgende Hochrechnung: Bei vollständiger Ausstattung aller rund 10.800 Gebäude: über 150 Jahre. Selbst wenn nur 50 Prozent der Gebäude als geeignet angenommen werden (ca. 5.400 Gebäude): rund 75 bis 80 Jahre. Selbst bei einer sehr großzügigen Annahme von nur 30 Prozent geeigneter Gebäude: mehr als 45 Jahre. Damit wird deutlich: Der derzeitige Ausbaupfad ist mit den eigenen Klimazielen des Senats nicht vereinbar.
Große Dachflächen: Hohe Potenziale, geringe Nutzung
Besonders problematisch ist der Umgang mit großen Dachflächen, bei denen Photovoltaik technisch wie wirtschaftlich besonders sinnvoll ist. Die Antworten des Senats zeigen:
- Hunderte Gebäude mit Dachflächen über 500 Quadratmeter,
- Zahlreiche Gebäude mit Dachflächen über 5.000 Quadratmeter
Ein erheblicher Teil dieser Flächen ist weder mit PV-Anlagen ausgestattet noch priorisiert erschlossen. Teilweise wurden diese Flächen nicht einmal systematisch analysiert. Der Ausbau erfolgt damit nicht potenzialorientiert, sondern fragmentiert und ohne erkennbare Priorisierung der größten Hebel
Öffentliche Unternehmen: Besonders schwache Umsetzung
Gerade bei den öffentlichen Unternehmen, die über große und homogene Immobilienbestände verfügen, fällt die Bilanz besonders negativ aus.
Auffällig sind unter anderem:
- Stadtreinigung Hamburg: über 130 Gebäude, aber nur eine zweistellige Zahl an PV-Anlagen
- Hamburg Port Authority: über 170 Gebäude, ebenfalls nur wenige Anlagen
- Flughafen Hamburg, Hamburg Messe, Hochbahn: jeweils große Dachflächen, aber nur einzelne PV-Projekte
Der vorhandene Gebäudebestand wird somit nicht systematisch zur Erzeugung erneuerbarer Energie genutzt, obwohl gerade hier Skaleneffekte möglich wären.
SAGA: Enormes Potenzial, minimale Umsetzung
Besonders deutlich wird das strukturelle Defizit beim größten städtischen Wohnungsunternehmen, der SAGA:
- über 6.000 Gebäude im Bestand
- rund 587.000 Quadratmeter identifiziertes PV-Dachflächenpotenzial
- jedoch nur rund 40 bis 50 Gebäude mit installierten PV-Anlagen
- damit ein Umsetzungsgrad von deutlich unter 1 Prozent
Angesichts der Größe des Bestands wäre die SAGA prädestiniert für:
- einen flächendeckenden PV-Ausbau
- dezentrale Stromspeicher
- quartiersbezogene Eigenstrommodelle
Stattdessen bleibt der tatsächliche Beitrag der SAGA zur Solarstromerzeugung marginal. Von einer Vorbildrolle kann keine Rede sein.
Keine Speicher: Verzicht auf Systemwirkung
Hinzu kommt, dass der Senat keine nennenswerte Strategie zum Einsatz von Stromspeichern auf öffentlichen Gebäuden verfolgt.
Damit bleiben zentrale Effekte ungenutzt:
- Erhöhung des Eigenverbrauchs
- Entlastung der Netze
- Wirtschaftliche Optimierung der PV-Anlagen
Gerade bei großen Beständen – insbesondere bei der SAGA – wäre der dezentrale Einsatz von Speichern technisch naheliegend und wirtschaftlich darstellbar. Der Verzicht darauf verstärkt den Eindruck eines nicht integrierten, rein symbolischen Ausbaus.
Fossile Heizungen: Deutlicher Widerspruch zur politischen Kommunikation
Obwohl der Senat und insbesondere die Umweltbehörde öffentlich erklären, dass Gasheizungen perspektivisch nicht mehr sinnvoll seien und ausreichende Alternativen zur Verfügung stünden, zeigt der Gebäudebestand ein anderes Bild: Zahlreiche öffentliche Gebäude werden weiterhin mit Gas- oder Ölheizungen betrieben.
Auch in den vergangenen Jahren wurden neue oder modernisierte Gasheizungen in Betrieb genommen. Bei großen Beständen, insbesondere bei der SAGA und bei städtischen Immobiliengesellschaften, dominieren fossile Heizsysteme weiterhin die Wärmeversorgung.
Dies wirft grundlegende Fragen auf:
Entweder sind die propagierten Alternativen nicht in der behaupteten Breite wirtschaftlich oder praktisch umsetzbar, oder sie werden trotz vorhandener Alternativen nicht konsequent angewendet. Beides steht in einem deutlichen Widerspruch zu den erklärten klimapolitischen Zielen des Senats.
Gesamtbewertung
Die Zahlen aus der Drucksache 23/2531 zeigen eindeutig:
- Der Photovoltaik-Ausbau auf öffentlichen Gebäuden ist weder ambitioniert noch ausreichend.
- Tausende Gebäude und große Dachflächen bleiben ungenutzt.
- Speicherlösungen spielen praktisch keine Rolle.
- Fossile Heizsysteme bleiben der Standard.
Prozentuale Zuwächse können nicht darüber hinwegtäuschen, dass der absolute Fortschritt gering ist. Solange große Dachflächen nicht systematisch genutzt, Speicher nicht integriert und fossile Heizungen nicht konsequent ersetzt werden, kommt Hamburg beim Klimaschutz im eigenen Verantwortungsbereich nur sehr langsam voran. Der Abstand zwischen Anspruch und Realität bleibt erheblich.
Quelle: Drucksache 23/2531
Forderung der CDU: Öffentliche Dachflächen endlich wettbewerblich ausschreiben
Angesichts des seit Jahren unzureichenden Ausbautempos fordert die CDU-Fraktion erneut eine grundlegende Kurskorrektur beim Photovoltaik-Ausbau auf öffentlichen Gebäuden. Die bisherigen, überwiegend behördeninternen Umsetzungsmodelle haben sich als zu langsam, zu komplex und zu wenig wirksam erwiesen.
Die CDU fordert daher seit Jahren, öffentliche Dachflächen konsequent wettbewerblich auszuschreiben. Das Prinzip ist klar und praxiserprobt:
Die verfügbaren Dachflächen der Stadt und ihrer öffentlichen Unternehmen werden gebündelt ausgeschrieben. Den Zuschlag erhält der Anbieter, der die Fläche am schnellsten mit Photovoltaikanlagen ausstattet, die höchste Pacht an die Stadt zahlt und einen verlässlichen Betrieb über die Vertragslaufzeit sicherstellt.
Planung, Bau, Betrieb und Wartung erfolgen vollständig durch den privaten Betreiber. Dieses Modell beschleunigt den Ausbau erheblich, entlastet die Verwaltung und stellt sicher, dass öffentliche Flächen zügig und wirtschaftlich genutzt werden, statt über Jahre ungenutzt zu bleiben.
Dass ein solches Vorgehen funktioniert, zeigt das Beispiel Niedersachsen, wo unter einer rot-grünen Landesregierung genau dieses Ausschreibungsmodell umgesetzt wurde – unter anderem mit Beteiligung eines Hamburger Unternehmens (1,5 Grad) aus dem Bereich erneuerbare Energien.
Hamburg hingegen verzichtet bislang auf eine solche systematische Ausschreibung und verliert dadurch wertvolle Zeit. Solange jede Dachfläche einzeln geprüft, priorisiert und umgesetzt wird, bleibt der Ausbau strukturell langsam.

