Direkt neben der U-Bahn-Station Wandsbek Markt steht das Rathaus Wandsbek. Das markante Gebäude ist Sitz des Bezirksamtes und damit die zentrale Verwaltungsstelle des größten Hamburger Bezirks. Täglich arbeiten hier zahlreiche Beschäftigte der Verwaltung, und viele Bürgerinnen und Bürger kommen für ihre Anliegen in das Gebäude. Umso erstaunlicher ist der Umgang der Stadt mit ihrer eigenen Immobilie.
Im Jahr 2023 kaufte Hamburg das sogenannte Stormarnhaus zurück. Der Rückkauf wurde damals als wichtiger Schritt gefeiert. Schließlich sollte ein Gebäude, das die Stadt seit Jahrzehnten nutzt und langfristig weiter nutzen will, wieder in öffentliches Eigentum überführt werden.
Nur wenige Jahre später zeigt sich jedoch ein anderes Bild.
Wie aus einer Mitteilung des Bezirksamtes Wandsbek (Drs. 22-3747) hervorgeht, wurden bereits Ende 2022 erhebliche Schäden der höchsten Sanierungspriorität festgestellt. Dazu gehören Undichtigkeiten im Entwässerungssystem, Feuchtigkeitsschäden an Wänden sowie Korrosionsschäden an Bauteilen. Die Schäden wurden im Rahmen einer gesetzlich vorgeschriebenen Dichtheitsprüfung festgestellt.
Gerade bei solchen Dichtheitsnachweisen erwartet die Stadt von privaten Grundstückseigentümern, dass festgestellte Mängel zeitnah beseitigt werden. Umso mehr sollte die öffentliche Hand selbst mit gutem Beispiel vorangehen.
Besonders bemerkenswert ist dabei die zeitliche Dimension. Nach den Vorgaben der Umweltbehörde sollen Schäden dieser Prioritätsstufe grundsätzlich innerhalb von sechs Monaten beseitigt werden. Für das Rathaus Wandsbek wird die Fertigstellung der Sanierung jedoch erst Ende 2026 angestrebt. Zwischen Feststellung der Schäden und geplanter Fertigstellung liegen damit mehrere Jahre.
Damit stellt sich zwangsläufig die Frage, wie ernst die Stadt die Pflege ihres eigenen Gebäudebestandes nimmt. Wer eine Immobilie zurückkauft, übernimmt nicht nur die Eigentümerrolle, sondern auch die Verantwortung für deren Erhalt. Öffentliche Gebäude sollten dabei Vorbild sein. Wer von Bürgern und Unternehmen die Einhaltung von Vorschriften verlangt, muss diese Maßstäbe auch an sich selbst anlegen.
Hinzu kommt ein weiterer Aspekt: Es geht nicht nur um Mauern, Leitungen und Entwässerungsanlagen. Es geht auch um die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten. Hunderte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verbringen einen großen Teil ihres Arbeitsalltags in diesem Gebäude. Sie haben Anspruch auf einen Arbeitsplatz, der in einem ordnungsgemäßen Zustand ist und dessen Mängel zeitnah beseitigt werden. Jahrelange Verzögerungen bei der Beseitigung von Schäden der höchsten Prioritätsstufe senden das falsche Signal – sowohl an die Beschäftigten als auch an die Bürgerinnen und Bürger.
Der Fall des Rathauses Wandsbek wirft deshalb grundsätzliche Fragen auf. Warum wurden Schäden der höchsten Prioritätsstufe über Jahre nicht beseitigt? Warum gelingt es der Stadt nicht, bei ihren eigenen Immobilien die Standards einzuhalten, die sie selbst vorgibt? Und warum dauert die Sanierung eines zentralen Verwaltungsgebäudes so lange?
Natürlich können fehlende Bestandspläne, zusätzliche Untersuchungen oder Arbeiten im laufenden Betrieb Herausforderungen darstellen. Dennoch bleibt der Eindruck, dass die Instandhaltung eines wichtigen öffentlichen Gebäudes nicht die notwendige Priorität erhalten hat.
Der Rückkauf des Rathauses wurde als Erfolg verkauft. Umso wichtiger wäre es gewesen, die Immobilie anschließend konsequent zu pflegen, notwendige Sanierungen zügig umzusetzen und den Wert des Gebäudes dauerhaft zu erhalten. Öffentliche Gebäude sind Vermögenswerte der Bürgerinnen und Bürger. Sie sollten gepflegt und instand gehalten werden – nicht erst dann, wenn jahrelang aufgelaufene Schäden umfangreiche Sanierungsmaßnahmen erforderlich machen.
Das Rathaus Wandsbek zeigt exemplarisch, dass der Ankauf einer Immobilie allein noch keine erfolgreiche Immobilienpolitik ist. Entscheidend ist, was danach passiert.

