Hamburg rühmt sich gern als „Stadt am Wasser“ – doch wenn es um die Pflege der Rückhaltebecken (RHB) geht, zeigt sich ein alarmierendes Bild: mangelnde Dokumentation, unklare Zuständigkeiten und zu wenig Personal in den Bezirken.
Rückhaltebecken sind ein zentrales Element des Überschwemmungsschutzes. Sie sollen bei Starkregen Wasser zurückhalten und so verhindern, dass Straßen, Keller und ganze Quartiere überflutet werden. Doch eine aktuelle Anfrage hat gezeigt: Für über 100 Rückhaltebecken in Hamburg ist nicht einmal bekannt, wann sie zuletzt ausgebaggert wurden. Ohne regelmäßige Entschlammung verlieren die Becken ihre Funktionsfähigkeit – ein Risiko, das sich die Stadt nicht leisten darf.
Bezirke am Limit
Die Zuständigkeit liegt bisher bei den Bezirksämtern. Dort fehlt es an Personal, Mitteln und einer verlässlichen Dokumentation. Zwar werden Sichtkontrollen durchgeführt, aber Entschlammungen sind oft nicht dokumentiert. Damit fehlt der Überblick, welche Becken akut Handlungsbedarf haben. Wie will man Überschwemmungsschutz ernsthaft betreiben, wenn nicht einmal die Basisdaten vorliegen?
Einige Beispiele:
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Wandsbek: Für über 70 Becken liegen keinerlei Angaben vor (u. a. Appelhoffweiher, Allhorndiek, Aalwischkoppel). Bramfelder See zuletzt 2010 entschlammt, Berner Gutsteiche 2007, Kupferteich Farmsen 2001.
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Hamburg-Nord: Mehrere Becken seit Herstellung nie entschlammt (Suckweg 1993, Papenreye 1993, Alte Wöhr 2007).
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Harburg: Lohmühlenteich zuletzt 1997, viele weitere mit völlig unbekanntem Zustand.
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Bergedorf: Mehrere Becken seit über 20 Jahren nicht ausgebaggert (z. B. Wiesner Ring, Randersweide).
Auch finanziell zeigt sich ein Ungleichgewicht: Während Wandsbek 2025 rund 2,83 Mio. € einsetzen soll, stehen in Bergedorf für die Vier- und Marschlande gerade einmal 20.000 € pro Jahr bereit – viel zu wenig, um die Becken funktionstüchtig zu halten.
Verantwortung bündeln – Zuständigkeit ändern
Aus meiner Sicht ist klar: So kann es nicht weitergehen. Rückhaltebecken müssen regelmäßig kontrolliert, dokumentiert und bei Bedarf entschlammt werden. Dafür braucht es eine Institution mit Ressourcen und Fachkenntnis.
Die logische Lösung: Die Zuständigkeit für Rückhaltebecken muss von den Bezirken auf Hamburg Wasser übergehen.
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Hamburg Wasser hat das Know-how und die Kapazitäten.
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Die Finanzierung könnte über Gebühren erfolgen – wie bei anderen wasserwirtschaftlichen Aufgaben.
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Die Bezirke würden entlastet und könnten sich auf ihre Kernaufgaben konzentrieren.
Fazit
Hamburg hat ein gravierendes Problem: Der Senat weiß bei weit über 100 Rückhaltebecken nicht einmal, wann sie zuletzt ausgebaggert wurden. Das ist ein Armutszeugnis für die Datengrundlage – und gefährdet die Sicherheit im Starkregenfall. Nur mit klaren Zuständigkeiten und einer lückenlosen Dokumentation kann der Überschwemmungsschutz ernst genommen werden.
📑 Quelle: Schriftliche Kleine Anfrage, Drs. 23/1117

