Die Sanierungsvereinbarung zwischen Stadt und Eigentümer-Gesellschaft des maroden EKZ- und Ärztehaus-Komplexes in Steilshoop-Nord wurde sehnlichst erwartet. Sie ist nun seit Mitte April da und wird demnächst im Transparenzportal veröffentlicht. Im Sanierungsbeirat erfuhren die Anwesenden von einem wichtigen Inhalt der Vereinbarung: Die Stadt hat sich sowohl Vorkaufs- als auch Ankaufsrecht gesichert. Somit hat es die Stadt in der Hand, die Zukunft des Kerns Nord-Steilshoops abzusichern, falls die Eigentümerin vertragsbrüchig wird oder das Gebäudeensemble veräußern möchte.
Kommentar Sandro Kappe MdHB: Seit Jahren warten viele Menschen in Steilshoop darauf, dass sich beim Einkaufszentrum endlich sichtbar etwas bewegt. Das EKZ gilt seit langem als Problemstandort: Leerstände, bauliche Mängel und Unsicherheit prägen die Situation. Immer wieder wurden große Pläne angekündigt – doch vor Ort wächst zunehmend der Eindruck, dass den Versprechen bislang nur wenige konkrete Verbesserungen folgen.
Zwar wurde inzwischen die Sanierungsvereinbarung zwischen der Stadt und der Eigentümerin WHM Central Park am Bramfelder See GmbH offiziell abgeschlossen. Senat und Bezirksamt sprechen von einem „Meilenstein“ und betonen, dass damit die Grundlage für die Neugestaltung geschaffen sei. Doch viele Fragen bleiben weiterhin offen – insbesondere für die Mieter des EKZ.
Im Mittelpunkt der Sorgen stehen vor allem die medizinischen Einrichtungen. Ärzte und Apotheke blicken mit großer Unsicherheit auf die kommenden Jahre. Nach Angaben aus der Sitzung des Sanierungsbeirats wurde erneut deutlich, dass weiterhin erheblicher Gesprächsbedarf besteht. Besonders kritisch wird gesehen, dass die Eigentümerseite bislang offenbar noch immer nicht ausreichend das Gespräch mit ihren Mietern gesucht hat.
So wurde berichtet, dass insbesondere die Kieferorthopädin stark unter der Situation leidet. Die Praxis betreut rund 800 Kinderpatienten und benötigt dringend Planungssicherheit. Auch andere medizinische Einrichtungen sorgen sich um ihre Zukunft am Standort. Viele fürchten um ihre Räume und langfristig sogar um ihre wirtschaftliche Existenz.
Zudem sorgt die weiterhin fehlende Veröffentlichung der Sanierungsvereinbarung für Kritik. Bereits seit Wochen wird auf die Veröffentlichung gewartet. Nach Angaben aus der Sitzung soll die Vereinbarung zwar demnächst im Transparenzportal erscheinen, derzeit werde jedoch noch umfangreich geschwärzt. Gleichzeitig wurde bekannt, dass die Vereinbarung unter anderem Ankaufsrechte, Vorkaufsrechte sowie mögliche Sanktionen enthält.
Das Bezirksamt erklärte im Sanierungsbeirat, mit dem Abschluss der Vereinbarung bestehe nun Sicherheit für die Eigentümerin und der weitere Ablauf liege im Zeitplan. Gleichzeitig beschloss der Beirat jedoch, dass die Eigentümerin nun schnellstmöglich konkrete Gespräche mit ihren Mietern führen und verbindliche Vereinbarungen treffen soll. Dieses Anliegen soll nun an den zuständigen Ausschuss der Bezirksversammlung weitergeleitet werden.
Während Politik und Verwaltung weiter von einem neuen Zentrum für Steilshoop sprechen, wächst bei vielen Betroffenen die Ungeduld. Vor Ort zählt inzwischen weniger die nächste Ankündigung – sondern die Frage, wann endlich konkrete Lösungen für Ärzte, Apotheke, Gewerbetreibende und Anwohner geschaffen werden. Ich finde es erschütternd, dass Herr Hemmerich als Repräsentant der Eigentümergesellschaft bei dieser Sitzung nicht anwesend war und immer noch nicht auf seine Mieter zugegangen ist, um für echte Perspektiven zu sorgen.
Zusammenfassung der Sitzung
CDU-Vertreter Mathias Rahn fasst den Sanierungsbeirat Steilshoop für Sie zusammen:
TOP 1: Sanierungsvereinbarung zur Umsetzung der Wettbewerbsergebnisse
Am 17.04. wurde die Sanierungsvereinbarung zwischen Stadt und Eigentümerin des EKZ-Komplexes geschlossen. Frau Laur vom Bezirksamt Wandsbek erläutert, dass damit die Ziele des RISE-Gebiets und Wettbewerbsergebnisse (Architektenwettbewerb) abgesichert werden.
Man gehe davon aus, dass Anfang 2028 eine Vorweggenehmigungsreife für das EKZ bestehe.
Die Sanierungsvereinbarung wird demnächst im Transparenzportal veröffentlicht, die nötigen Schwärzungen würden jedoch Zeit beanspruchen. Wichtig: In der Vereinbarung ist ein Vorkaufsrecht und ein Ankaufsrecht zugunsten der Stadt Hamburg vereinbart, abgesichert durch Bürgschaften. Es sind Fristen hinterlegt, die bei Nicht-Erreichung mit Sanktionen geahndet werden können.
Enthalten in der Vereinbarung ist auch die Regelung, dass für die Bestandsmieter sozialverträgliche Lösungen gefunden werden müssen – bspw. der Umzug in das EKZ zu einer ortsüblichen Miete in angemessenen Räumlichkeiten. Ebenso ist enthalten, dass die Nahversorgung – mit Lebensmitteln/täglicher Bedarf/gesundheitliche Versorgung aufrechterhalten werden muss, ebenfalls mit Sanktionen hinterlegt.
Zuerst wird das Ärztehaus umgebaut/saniert. Im April ist dafür den Bauantrag eingereicht worden. Innerhalb von Monaten, also in diesem Jahr, können dort erste Arbeiten stattfinden.
Aussagen und Fragen aus der Runde zu diesem TOP:
Derzeit und seit langer Zeit gibt es erhebliche Missstände in der Kommunikation des Eigentümerunternehmens mit seinen Mietern und der Nachbarschaft. Apotheke, Kinderarzt, Kieferorthopädin (mit 800 kleinen Patienten) und weitere Einrichtungen sowie die MLK wissen nicht, woran sie sind.
In der letzten Sanierungsbeiratssitzung hätte Herr Hemmerich eine schnelle Fassadensanierung zugesagt – ist nicht passiert. Es gibt keine Kommunikation darüber, wie das soziale Leben der Anwohner und die Erreichbarkeit der Institutionen mit Doppelbaustelle gesichert werden kann. Die MLK hat 8.000 Besucher im Jahr – die Besucher müssen weiterhin die Kirche und die soziale Infrastruktur der Kirche erreichen können.
Es wird die Verbindlichkeit der Termine erfragt, bemängelt, dass die Hygiene im EKZ – dorthin, wo Ärzte und Apotheke mehrmals umziehen sollen – durch Wasserschäden und Schädlingsbefall katastrophal wäre. Seit 5 Jahren würde über Ausweichflächen geredet – aber eine feste Auskunft – welche Räume genau, wann genau, wer trägt welche Kosten, wie ist die Logistik – gibt es seitens des Eigentümerunternehmens bis heute nicht. Das zermürbt bisherige Mieter, die auch laut darüber nachdenken, evtl. den Stadtteil verlassen zu müssen. Denn sie müssen wirtschaftlich und verantwortungsvoll in Zusammenarbeit mit Behörden, Unternehmen und Patienten handeln und frühzeitig planen. Hauruck-Aktionen gehen bei einer Arztpraxis nicht, die auch teure und empfindliche Geräte wie ein Röntgengerät hat. Auch die Apotheke hat gesetzlich festgeschriebene Anforderungen mit einem langen und aufwendigen Genehmigungsprozess. Dabei geht es bspw. um die Möglichkeit eines Nachtschalters, der Anlieferung, der Kühlung, der Belüftung, der absoluten Hygiene, der barrierefreien Erreichbarkeit für die Kundschaft.
Die Antworten von der Sitzungsleitung:
– Die Baustelleneinrichtung (es geht vorerst um das Ärztehaus) ist privatrechtlich geregelt, eine Abstimmung solle jedoch erfolgen und man könne Herrn Hemmerich als Verantwortlichen dann auch fragen/sich abstimmen. Der Bauantrag ist noch frisch (eingereicht im April), daher gibt es noch keine Festlegungen, wann was gearbeitet wird/ob und wo genau es Behinderungen/Sperrungen geben wird.
– Die Eigentümerin ist dazu verpflichtet, sozialverträgliche Lösungen für die Bestandsmieter zu finden und das Versorgungsangebot zu erhalten, das muss nachgewiesen werden. Das heißt auch, dass Räumlichkeiten im EKZ ertüchtigt werden. Laut Herrn Ludger Schmitz von der steg sind in der Kostenplanung dafür nicht wenige Mittel eingeplant.
– Der Zeitplan soll eingehalten werden, die Sanierungsvereinbarung war fast pünktlich fertig (bzw. hat die notarielle Beglaubigung noch Zeit in Anspruch genommen). Geplant im Quartal I in 2026, es ist knapp Quartal II in 2026 geworden.
– Falls Ärzte/die Apotheke den Standort verlassen, muss die EKZ-Eigentümerin für Ersatz sorgen. Das würde nicht im Interesse der Eigentümerin liegen.
– Auf die Frage, wer im Notfall konkret als Mediator einspringt, gab es keine ganz genaue Antwort.
Der Beirat hat sich mehrheitlich für eine Eingabe für den zuständigen Ausschuss bei der Bezirksversammlung ausgesprochen, dass Herr Hemmerich sich möglichst rasch mit seinen vorhandenen Mietern melden und mit ihnen zusammen die Zukunft planen solle, um Planungssicherheit herzustellen.
TOP 2: Geschäftsordnung des Sanierungsbeirates – Erforderliche Anpassung zu „Stimmrecht/Abstimmungen“
Neu: Die Fraktionen der Parteien haben im Sanierungsbeirat ab sofort eine einzelne Stimme. Das gilt nur, wenn die Personen nicht schon 3x anwesend waren. Der Beirat hat die Regelung mehrheitlich unterstützt.
TOP 3: Ergänzendes Wegeleitsystem U5 Baustelle – Sachstand und weiteres Vorgehen
Dorothea Metzner, Apothekerin: Das ist absolut noch Thema, die Leute fragen weiterhin nach guten Orientierungshilfen, durch die U5-Baustelle ist die Wegeführung unübersichtlich.
Frau Laur, Bezirksamt: Fachabteilung MR möchte gern ein Bodenleitsystem, wollen ungern Schilder aufbauen.
Vertreter des Seniorenbeirats: Der Seniorenbeirat hatte hier kürzlich eine Sitzung, da haben sich einige ortsunkundige Mitglieder aufgrund dder Baustellensituation verlaufen.
Herr Holzbauer, MLK-Pastor: Es gibt die Drs. 22-3256 – die Antwort des Bezirksamts auf die im Regionalausschuss beantragte Prüfung eines Bodenleitsystems. https://sitzungsdienst-wandsbek.hamburg.de/bi/vo020.asp?VOLFDNR=1024797
Diese Antwort fiel negativ aus. Frau Laur und ein Vertreter des Seniorenbeirats erläuterten, dass die Prüfung der Gegenargumente dennoch derzeit durchgeführt wird. Sie erwartet, dass sie in der nächsten oder übernächsten Sitzung des Sanierungsbeirates dazu eine Aussage treffen kann.
TOP 4: Vernetzung zum Thema Gesundheit im Stadtteil
- a) „Runder Tisch Gesundheit“: Kurzbericht vom ersten Treffen
(Frau Krieger)
Frau Krieger hat aufgrund der fortgeschrittenen Uhrzeit (die Sitzung wurde insgesamt um 45 min überzogen) auf die Präsentation verzichtet, die Ergebnisse des ersten Treffens sollen jedoch ins Protokoll. Sie können auch hier nachgelesen werden: https://www.steilshoop.net/2026/05/05/ergebnisse-vom-1-runden-tisch-zum-thema-gesundheit-in-steilshoop/
- b) Koordinierungsstelle Gesundheitliche Chancengleichheit (KGC)
geplante Standortanalyse Steilshoop im 2. Halbjahr 2026 (Frau Roenes Bart)
Frau Roenes Bart ließ sich aufgrund von Krankheit entschuldigen. Dieser TOP wird bei der nächsten Sitzung nachgeholt.
TOP 5: Fehlinghöhe: Aufwertung der Wegeverbindung zwischen dem Nahversorgungszentrum und dem Campus Steilshoop – Planungsbeteiligung: Bericht der steg
Herr Schmitz stellte die Planungen und den Zeitplan vor.
Die Fußwege der Fehlinghöhe sollen barrierefrei saniert werden. Gespräche mit dem Anlieger-Grundstückseigentümer SAGA wurden geführt. Es wird eine mehrstufige Bürgerbeteiligung geben. Baubeginn soll Anfang 2028, Bauende Ende 2028 sein. Eine Bürgerbeteiligung soll es in der 3. Juniwoche 2026 geben.
Die Punkte, die angegangen werden sollen:
– östlichen Gehweg – Hauptwegeverbindung für den Fußverkehr
– Barrierefreiheit gewährleisten
– Beleuchtung verbessern
– Gestaltung Gehweg und Grünstreifen
– Aufenthaltsqualität (Sitzgelegenheiten/Papierkörbe) verbessern
– Querungsstellen sichern und optimieren
– Führung des Radverkehrs auf der Fahrbahn verbessern (vom Campus kommend)
TOP 6: Verfügungsfonds Steilshoop-Zentrum 2026
Alle drei Anträge fanden eine mehrheitliche Zustimmung und wurden somit angenommen. Siehe Tagesordnung unten.
Nächste Termine und Protokolle siehe https://steilshoop-zentrum.de/
Tagesordnung:
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