Was mir Bewohnerinnen und Bewohner im Einkaufszentrum Steilshoop gezeigt und berichtet haben, ist erschreckend. Bereits am Sonntag war ich vor Ort und habe mir die Zustände in den Wohnbereichen und der Tiefgarage angesehen. Heute durfte ich erneut in das Gebäude und sogar in Wohnungen von Bewohnern, um mir selbst ein Bild von der Situation zu machen.
Und das Bild ist bedrückend.
In der Tiefgarage stapeln sich Müllsäcke, Matratzen, Reifen und weiterer Unrat. In den Fluren riecht es teilweise massiv nach Urin. Bewohner berichten von Ratten. Im Eingangsbereich befand sich bei meinem Besuch sogar eine Blutlache. Hinzu kommen große Mengen Taubenkot und weitere Verschmutzungen.
Besonders problematisch ist die Sicherheit im Gebäude. Die Eingangstür lässt sich nach Angaben der Bewohner nicht mehr richtig verschließen. Damit können Unbefugte praktisch ungehindert in das Gebäude gelangen.
Noch schwerwiegender sind die Zustände bei Fluchtwegen und Fenstern. Bereits am Sonntag waren Fluchtwege zugestellt. In den oberen Etagen lassen sich große Fenster in den Fluren vollständig öffnen. Teilweise sind Fenster beschädigt oder fehlen, sodass sie überhaupt nicht mehr geschlossen werden können. Gerade in großer Höhe ist das ein erhebliches Sicherheitsrisiko.
Auch der Blick aus dem Gebäude zeigt das Ausmaß der Verwahrlosung. Auf Dächern und anderen Flächen liegt Müll, an verschiedenen Stellen sind erhebliche Verschmutzungen und Schäden sichtbar.
Die Bewohner, mit denen ich gesprochen habe, fühlen sich allein gelassen. Sie schildern, dass die Situation kaum noch auszuhalten sei und sie sich in ihrem eigenen Zuhause nicht mehr wohl und sicher fühlen. Mehrfach kam dabei auch die Frage auf, ob angesichts der hygienischen Verhältnisse nicht längst das Gesundheitsamt tätig werden müsste. Auch das muss aus meiner Sicht dringend geprüft werden.
Ich durfte mir heute auch Wohnungen von innen ansehen. Davon habe ich bewusst keine Fotos gemacht. Die Privatsphäre der Menschen muss gewahrt bleiben. Was ich dort gesehen und von den Bewohnern gehört habe, hat meinen Eindruck jedoch noch einmal verstärkt: So dürfen Menschen nicht leben müssen.
Natürlich habe ich die Bewohner auch gefragt, ob sie sich bereits nach einer anderen Wohnung umgesehen haben. Die Antwort war ebenso klar wie ernüchternd: „Wie soll das funktionieren? In Hamburg bekommt man doch keine andere Wohnung.“ Genau darin liegt ein Teil des Problems. Wer wenig Geld hat und auf bezahlbaren Wohnraum angewiesen ist, kann nicht einfach seine Sachen packen und ausziehen.
Hinzu kommt ein weiterer Punkt, den mir Bewohner geschildert haben: Die Nebenkosten seien teilweise außerordentlich hoch. Nach ihren Angaben habe es deshalb sogar Schwierigkeiten mit der vollständigen Übernahme durch das Jobcenter gegeben.
Ich kann nachvollziehen, dass ein Eigentümer vor einem möglicherweise bevorstehenden Abriss nicht mehr Millionen Euro in eine grundlegende Sanierung investieren möchte. Aber daraus kann nicht folgen, ein Gebäude bis dahin sich selbst zu überlassen. Solange dort Menschen wohnen, müssen grundlegende Standards eingehalten werden.
Das gilt insbesondere für Brandschutz, sichere Fluchtwege, funktionierende Türen und Fenster, Hygiene und die allgemeine Sicherheit der Bewohner.
Ich hatte das Bezirksamt bereits über Missstände informiert. Nach meinem erneuten Besuch ist für mich klar: Wir müssen hier weiter Druck machen. Bezirksamt, gegebenenfalls Gesundheitsamt und weitere zuständige Stellen müssen sich die Situation vor Ort genau ansehen und prüfen, welche Maßnahmen gegenüber dem Eigentümer durchgesetzt werden können.
Die Menschen im Einkaufszentrum Steilshoop haben Anspruch darauf, bis zu einem möglichen Abriss in sicheren und menschenwürdigen Verhältnissen zu leben. Der jetzige Zustand ist nicht akzeptabel.
Ich berichtete bereits:
Anwohner in Sorge: Unhaltbare Zustände im EKZ Steilshoop – Bezirksamt muss dringend handeln

