Hamburgs Nordosten wächst – und mit ihm die Zahl der Kinder an den Schulen in Bramfeld, Farmsen-Berne und Steilshoop. Die durch meine Anfrage veröffentlichten Daten zeigen: Immer mehr Kinder kommen hinzu, viele wechseln zwischen den Stadtteilen, und in Bramfeld platzen die Schulen bereits heute aus allen Nähten. Trotzdem stuft der Senat die Bedarfsdeckung weiterhin als „sehr gut“ ein und sieht keinen Anlass, zusätzliche Schulplätze zu schaffen oder neue Schulstandorte zu planen.
Deutlich steigende Schülerzahlen in Bramfeld und Farmsen-Berne
Bramfeld ist aktuell einer der dynamischsten Schulstandorte in ganz Hamburg.
Im Schuljahr 2020/21 besuchten dort rund 5.200 Schüler eine allgemeinbildende Schule – im laufenden Schuljahr 2024/25 sind es bereits 5.831. Das entspricht einem Zuwachs von über 600 Schülern in nur vier Jahren. Besonders stark wächst der Grundschulbereich:
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Grundschulen Bramfeld: von 1.718 auf 2.017 Kinder (+17 %),
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Stadtteilschulen: von 642 auf 826 Schüler (+28 %),
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Gymnasien: stabil bei rund 2.400 bis 2.500 Schülern.
Auch Farmsen-Berne zeigt eine ähnliche Entwicklung:
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Von 4.695 auf 5.202 Schüler (+11 %),
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Grundschulen: +15 % Wachstum,
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Stadtteilschulen: +5 %,
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Gymnasien leicht steigend auf rund 820 Schüler.
Das bedeutet: Jahr für Jahr wächst die Schülerzahl in beiden Stadtteilen um rund 200 bis 250 Kinder – deutlich mehr, als die Kapazitäten vieler Schulgebäude hergeben.
Steilshoop: Weniger Schüler, viele Abwanderungen
Ganz anders die Lage in Steilshoop. Hier lernen derzeit rund 1.460 Schüler, 2020 waren es 1.162. Trotz eines prozentualen Wachstums von etwa 25 % bleibt das absolute Niveau gering. Auffällig ist: Viele Kinder aus Steilshoop gehen gar nicht in ihrem Stadtteil zur Schule, sondern pendeln nach Bramfeld oder Farmsen-Berne.
Laut Statistik besuchen über 60 % der Steilshooper Kinder eine Schule außerhalb ihres Stadtteils. Gründe dafür könnten fehlende Kapazitäten, aber auch das Ansehen der Schulen sein. Während die Stadtteilschule am See (Steilshoop) um Schülerinnen und Schüler kämpft, sind viele Eltern bemüht, ihre Kinder an Schulen in Bramfeld oder Farmsen-Berne unterzubringen.
Stärkste Schulen: Bramfelds Schulen besonders nachgefragt
Besonders stark frequentiert sind in Bramfeld die Grundschule Hegholt, die Grundschule Fabriciusstraße und die Grundschule Bramfelder Dorfplatz, die seit Jahren überdurchschnittlich hohe Anmeldezahlen verzeichnen. Auch die Schule Surenland und die Grundschule Berner Heerweg (an der Grenze zu Farmsen) sind konstant voll belegt.
Im weiterführenden Bereich gehören das Johanneum zu den beliebtesten Gymnasien Hamburgs, doch auch das Gymnasium Bramfeld und die Gyula-Trebitsch-Schule sind stark nachgefragt.
Die Stadtteilschule Bramfeld und die Carl-von-Ossietzky-Stadtteilschule (Farmsen) wachsen deutlich, während die Stadtteilschule am See (Steilshoop) deutlich kleinere Klassen hat. Eltern bevorzugen offenbar Schulen, die als leistungsstark, ruhig und gut ausgestattet gelten.
Immer mehr Zu- und Abgänge – hohe Mobilität zwischen den Stadtteilen
Die Zahlen belegen, dass viele Familien innerhalb Hamburgs umziehen oder ihre Kinder an Schulen außerhalb des eigenen Stadtteils schicken.
Aus Bramfeld wechselten im Schuljahr 2023/24:
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319 Schüler in andere Hamburger Stadtteile,
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121 in andere Bundesländer,
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nur 74 nach Farmsen-Berne und 31 nach Steilshoop.
Ähnlich in Farmsen-Berne:
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203 Wechsel in andere Hamburger Stadtteile,
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73 in andere Bundesländer,
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nur 5 nach Steilshoop.
Der größte Anteil der Wechsel findet also nicht innerhalb der Region, sondern in andere Stadtteile statt – etwa Richtung Wandsbek, Wellingsbüttel oder Volksdorf.
Wohnort und Schulort klaffen auseinander
Laut Schulstatistik wohnen zwar viele Kinder in Bramfeld oder Farmsen, lernen aber nicht unbedingt dort.
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In Bramfeld stieg der Anteil der Schüler mit Wohnsitz im Stadtteil von 54,7 % auf 56,3 % – also ein leichter Anstieg, der zeigt, dass viele Kinder wohnortnah beschult werden.
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In Farmsen-Berne sank der Anteil von 11,9 % auf 11,1 %.
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In Steilshoop liegt der Anteil trotz leichter Steigerung bei nur 1,2 % – also weiterhin extrem niedrig.
Das zeigt: Kinder aus Steilshoop werden oft außerhalb des Stadtteils unterrichtet. Eltern suchen offenbar nach Alternativen, was auf eine Ungleichverteilung der Bildungsangebote hindeutet.
Berufsbildende Schulen: Farmsen bleibt Schwerpunkt
Im Bereich der beruflichen Schulen liegt der Schwerpunkt in Farmsen-Berne. Dort besuchen derzeit rund 1.800 Schüler die berufsbildenden Schulen, vor allem die Berufsschule und Berufsfachschule am Hermelinweg. Besonders stark ist der Zuwachs bei der Berufsvorbereitung und den Fachschulen. Die beruflichen Gymnasien spielen dagegen kaum noch eine Rolle – sie sind praktisch ausgelaufen.
Senat sieht „sehr gute Bedarfsdeckung“ – trotz steigender Zahlen
Trotz der deutlichen Zuwächse bewertet der Senat die Lage als unproblematisch.
Für die gemeinsame Schulregion 16 (Bramfeld, Steilshoop, Farmsen-Berne) prognostiziert die Schulentwicklungsplanung:
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47 Grundschulzüge aktuell, 49 bis 2035,
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33 Züge in den weiterführenden Schulen aktuell, 36–37 bis 2035.
Laut Senat sei die Bedarfsdeckung „sehr gut“, die Erstwunscherfüllung bei der Schulwahl liege bei 96,6 %.
Eltern und Schulen sehen das jedoch anders: Schon heute gibt es an mehreren Standorten Engpässe bei Klassenräumen, Fachräumen und Ganztagsbetreuung. In Bramfeld und Farmsen werden zunehmend Containerklassen aufgestellt, um den steigenden Bedarf abzufedern.
Fehlende Stadtteilprognosen erschweren die Planung
Ein zentrales Problem: Hamburg erstellt keine Prognosen auf Stadtteilebene.
Die Bedarfsplanung erfolgt nur für größere Schulregionen, wodurch lokale Unterschiede verwischt werden. So bleibt unklar, welcher Stadtteil besonders stark wächst, und an welchen Standorten konkret neue Räume nötig wären.
Auch methodisch gibt es Lücken: Abgänge in andere Bundesländer werden nicht vollständig erfasst, berufliche Schulen nur teilweise berücksichtigt. Eine echte Steuerung auf Grundlage dieser Daten ist damit kaum möglich.
Wachsende Schülerzahlen, stagnierende Planung
Die Zahlen zeigen ein klares Bild:
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Bramfeld und Farmsen-Berne wachsen rasant,
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Steilshoop stagniert und verliert weiter Schüler,
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der Senat plant dennoch keine neuen Kapazitäten.
Für Eltern bedeutet das: Wer einen Schulplatz in der Nähe sucht, muss mit knapperen Angeboten rechnen. Schon jetzt berichten viele Familien, dass sie nicht an ihrer Wunschschule aufgenommen werden oder weite Wege in Kauf nehmen müssen.
Während Hamburg sich gern als Bildungsmetropole präsentiert, hinkt die Schulentwicklungsplanung im Nordosten der Realität hinterher. Der Bedarf steigt – die Reaktion des Senats bleibt aus.
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