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Schwimmbad in Farmsen schließt – und die SPD sagt heute: Das war absehbar

In Farmsen schließt ein Lehrschwimmbecken. Der Ersatzbau wird erst in rund 1,5 Jahren fertig. Für Kinder, Eltern, Schulen und Vereine ist das ein massives Problem – zumal die Wartelisten fürs Kinderschwimmen schon heute monatelang, teils jahrelang sind. Zusätzlich verschärft sich die Lage, weil zeitgleich das Schwimmbad St. Pauli saniert wird und weitere Vereine auf ohnehin knappe Wasserzeiten ausweichen müssen.

Dass diese Situation nun Realität wird, ist kein Zufall. Sie ist das Ergebnis jahrelanger Verzögerungen.

Nicht überraschend – eine bemerkenswerte Aussage

Der SPD-Fraktionsvorsitzende in der Bezirksversammlung Wandsbek, Marc Buttler, schreibt öffentlich sinngemäß, dass es aus seiner Sicht nicht überraschend sei, dass es keinen nahtlosen Übergang geben wird. Mit anderen Worten: Man hielt es offenbar schon länger für wahrscheinlich, dass es zu einer Versorgungslücke kommt.

Und genau das macht die Sache politisch brisant.

Denn wenn man intern oder politisch davon ausgeht, dass ein nahtloser Übergang nicht gelingen wird, dann stellt sich zwangsläufig die Frage:
Warum wurde nach außen über Jahre etwas anderes suggeriert?

2019: Beschlossen wurde das Gegenteil

Bereits 2019 hat die Bezirksversammlung Wandsbek –mit den Stimmen von SPD und Grünen – beschlossen,

  • das bestehende Lehrschwimmbecken so lange wie möglich offen zu halten,
  • Übergangslösungen aktiv zu unterstützen,
  • und sogar einen phasenweisen Abriss und Neubau zu prüfen, um den Schwimmbetrieb aufrechtzuerhalten.

Das war kein unverbindlicher Wunsch, sondern ein klarer politischer Auftrag: Die Versorgung im Stadtteil sichern.

Wenn heute erklärt wird, es sei „nicht überraschend“, dass genau das nicht gelingt, dann passt das nicht zu den damaligen Beschlüssen – und schon gar nicht zu der Verantwortung, die man gegenüber Familien und Vereinen trägt.

Sieben Jahre Trödelei – 1,5 Jahre Schließung

Besonders aufschlussreich ist der Blick in den aktuellen „Faktencheck“ der SPD. Dort wird selbst darauf hingewiesen, dass bereits 2018 Bundesmittel für das neue Schwimmbad eingeworben wurden.

2018. Und der Baubeginn ist 2025!

Sieben Jahre zwischen Förderzusage und Baustart. Sieben Jahre, in denen man hätte planen, beschleunigen und Alternativen sichern müssen. Wer so lange braucht, darf sich nicht wundern, wenn am Ende eine Lücke entsteht.

Der Neubau ist kein zusätzliches Angebot, sondern ein Ersatzbau. Und ein Ersatz, der 1,5 Jahre zu spät kommt, bedeutet in der Praxis genau eines: Ein Lehrschwimmbecken-Standort schließt in Farmsen.

Nicht formaljuristisch. Sondern ganz real im Alltag der Menschen.

Verantwortung lässt sich nicht wegdiskutieren

Ob man die Situation nun „nicht überraschend“, „schwierig“ oder „nie zugesagt“ nennt, ändert nichts an den Fakten:

  • Fördermittel seit 2018,
  • politische Beschlüsse seit 2019,
  • Baubeginn erst 2025,
  • daraus folgend 1,5 Jahre ohne Lehrschwimmbecken.

Wenn man heute sagt, man habe das kommen sehen, dann ist das kein Argument zur Entlastung – sondern ein Eingeständnis. Denn wer weiß, dass ein Problem droht, trägt erst recht Verantwortung, es zu verhindern und sich mit der Umsetzung des Ersatzbaues zu beeilen.

Das ist hier nicht gelungen. Und deshalb schließt in Farmsen nun ein Lehrschwimmbecken-Standort – mit voller politischer Verantwortung beim Senat.

Quelle: Schwimmhalle im Berufsförderungswerk so lange wie möglich offenhalten! Drucksache – 20-7139.1  

https://sitzungsdienst-wandsbek.hamburg.de/bi/vo020.asp?VOLFDNR=1009870