Skip to content Skip to footer

Seit 2020 blies das Kohlekraftwerk Wedel so viel CO₂ raus wie ganz Hamburg in fast neun Monaten

Hamburg will bis 2040 klimaneutral werden und feiert sich für sinkende Emissionen. Gleichzeitig läuft das alte Kohleheizkraftwerk Wedel immer weiter – weil der Senat die vorgesehenen Ersatzanlagen nicht rechtzeitig fertigbekommt.

Seit 2020 verursachte Wedel folgende CO₂-Emissionen:

  • 2020: 1.090.978 Tonnen
  • 2021: 1.045.104 Tonnen
  • 2022: 1.269.477 Tonnen
  • 2023: 1.072.163 Tonnen
  • 2024: 1.051.821 Tonnen
  • 2025: 843.589 Tonnen
  • Januar bis Juli 2026: 422.940 Tonnen

Insgesamt sind das rund 6,8 Millionen Tonnen CO₂. Zum Vergleich: Ganz Hamburg verursachte laut offizieller Quellenbilanz 2024 rund 9,36 Millionen Tonnen. Wedel hat seit 2020 somit so viel CO₂ ausgestoßen wie ganz Hamburg innerhalb von fast neun Monaten.

Allein 2024 entsprach der Ausstoß Wedels mehr als elf Prozent der gesamten Hamburger Quellenbilanz. Dort erscheint er jedoch nicht, weil das Kraftwerk wenige Kilometer hinter der Landesgrenze in Schleswig-Holstein steht. Dabei gehört es der Stadt und produziert Strom und Wärme für Hamburg. Für das Klima ist es vollkommen unerheblich, auf welcher Seite der Landesgrenze der Schornstein steht.

Eine Verzögerung folgt auf die nächste

Wedel sollte nach früheren Planungen bereits ab etwa 2012 durch Moorburg ersetzt werden. Später sollte ab etwa 2017 eine neue Gas- und Dampfturbinenanlage in Wedel übernehmen. Danach wurde die Stilllegung für 2025 angekündigt. Nun soll das Kohlekraftwerk erst am 1. Juli 2027 vom Netz gehen.

Der Grund: Die neue Anlage in der Dradenau verspätet sich. Auch das Zentrum für Ressourcen und Energie, das Wärme in das Hamburger Netz einspeisen soll, ist weiterhin nicht fertig. Jeder weitere Betriebsmonat in Wedel verursacht zusätzliche Emissionen.

Gleichzeitig wurde die geplante Einbindung des wesentlich moderneren und leistungsfähigeren Kraftwerks Moorburg in die Hamburger Fernwärmeversorgung nicht umgesetzt. Die dafür erforderliche Fernwärmetrasse kam nicht. Moorburg wurde 2021 stillgelegt – während das alte Kraftwerk Wedel bis heute weiter Kohle für Hamburg verbrennt.

Allein 2024 verursachte Wedel je eingespeister Megawattstunde Strom rund 1,11 Tonnen CO₂. Trotzdem kann Hamburg seine territoriale Klimabilanz präsentieren, ohne diese Emissionen mitzuzählen.

Ich verstehe bis heute nicht, warum eines der modernsten Kohlekraftwerke Deutschlands nicht an das Hamburger Fernwärmenetz angeschlossen wurde. Der Bau von Moorburg hatte bereits enorme Mengen an Beton, Stahl, Energie und damit auch CO₂ verursacht. Trotzdem wurde die geplante Fernwärmetrasse insbesondere von den Grünen politisch bekämpft. Ohne Nutzung der Abwärme wurde Moorburg unwirtschaftlicher und schließlich stillgelegt.

Stattdessen läuft mit Wedel eines der ältesten und besonders CO₂-intensiven Kohlekraftwerke Deutschlands jahrelang weiter. Ob es unter Einbeziehung der bereits entstandenen Emissionen für den Bau, der höheren Effizienz Moorburgs und der vermiedenen Emissionen in Wedel nicht klimaschonender gewesen wäre, Moorburg vorübergehend für Strom und Fernwärme zu nutzen, hätte zumindest ehrlich geprüft werden müssen.

Für das Weltklima spielt es keine Rolle, ob das CO₂ in Hamburg, Schleswig-Holstein oder Brandenburg ausgestoßen wird. Moorburg zu verhindern und dafür Wedel länger laufen zu lassen, verbessert vielleicht die Hamburger Quellenbilanz – dem Klima hilft es nicht. Im Gegenteil: Hamburg rechnet sich sauberer, während die Emissionen einfach hinter der Landesgrenze entstehen.

Quelle: Energiebilanz und CO₂-Bilanzen für Hamburg 2024, Statistikamt Nord; Schriftliche Kleine Anfrage von Sandro Kappe und Antwort des Senats, Bürgerschaftsdrucksache 23/5166 vom 8. September 2026, Anlage 1.