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Seit Jahren „nur vorübergehend“ mit mobiler Ölheizung: Warum die Eisporthalle Farmsen zum Sinnbild der Hamburger Klimakrise wird

Noch vor wenigen Jahren hieß es, die Ölheizung in der Eisporthalle Farmsen sei eine kurzfristige Übergangslösung. Ein Notbehelf, bis eine nachhaltige Alternative gefunden sei. Inzwischen zeigt sich: Aus dem Provisorium ist ein Dauerzustand geworden – und eine echte Lösung ist weiterhin nicht in Sicht.

Während der Senat das Ziel ausruft, Hamburg bis 2040 klimaneutral zu machen, wird eine öffentliche Sportstätte seit Jahren mit Öl beheizt. Das ist kein Randproblem mehr, sondern ein politischer Widerspruch.

Übergangslösung auf unbestimmte Zeit

Neu und besonders brisant ist die Erkenntnis, dass diese Übergangslösung nicht nur Monate, sondern über Jahre Bestand hat. Der Erneuerungsbedarf der Heizungsanlage war bereits 2022 bekannt. Dennoch wurde weder rechtzeitig geplant noch vorgesorgt.

Als es schließlich zum Ausfall kam, wurde eine Ölheizung installiert – ausdrücklich als temporäre Maßnahme. Doch bis heute gibt es:

  • keinen verbindlichen Umsetzungsplan,
  • keinen festgelegten Zeithorizont,
  • keine belastbare Alternative, die konkret umgesetzt wird.

Stattdessen wird weiter geprüft, weiter gesprochen, weiter abgewogen – während die Ölheizung läuft.

Keine Alternativen geprüft, obwohl Zeit da war

Besonders schwer wiegt: Trotz des langen Vorlaufs wurden keine alternativen Übergangslösungen geprüft. Die Sprinkenhof GmbH räumt ein, dass weder ein temporärer Gaskessel noch Hybridlösungen oder mobile Wärmeerzeuger betrachtet wurden.

Die Begründung, die Ölheizung sei selbst nur vorübergehend, wirkt inzwischen fast zynisch. Denn genau dieses „Vorübergehend“ dauert nun schon Jahre – ohne Perspektive auf ein Ende.

Klimaziele auf dem Papier – Öl im Alltag

Der Widerspruch könnte größer kaum sein: Der Senat bekennt sich zur Klimaneutralität bis 2040, verweist auf ambitionierte Strategien und gesetzliche Vorgaben. Gleichzeitig akzeptiert er, dass eine landeseigene Immobilie dauerhaft mit einem der klimaschädlichsten Energieträger betrieben wird.

Das wirft eine einfache, aber zentrale Frage auf: Was macht der Senat eigentlich, wenn selbst bei eigenen Gebäuden keine konsequente Umsetzung erfolgt?

Abwärme vorhanden, Fernwärme nah – und trotzdem Stillstand

Die Eisporthalle verfügt über eine Kälteanlage, deren Abwärme zumindest teilweise genutzt wird. Eine weitergehende Nutzung – etwa durch Wärmepumpen – wird zwar geprüft, aber ohne Zeitplan. Auch die Fernwärme liegt in räumlicher Nähe, ist aber derzeit nicht verfügbar.

Provisorische Lösungen wurden bislang nicht umgesetzt. Damit bleibt alles im Ungefähren. Prüfungen ersetzen Entscheidungen, Perspektiven ersetzen konkrete Maßnahmen.

Keine Kostenklarheit, keine Verantwortung

Hinzu kommt: Es gibt bis heute keine Zahlen, welche Mehrkosten die jahrelange Ölheizung verursacht – weder im Vergleich zu Gas noch zu anderen Übergangslösungen. Für eine öffentliche Einrichtung ist das ein alarmierendes Signal mangelnder Steuerung und Kontrolle.

Ein Provisorium, das zum Symbol wird

Die Eisporthalle Farmsen steht inzwischen sinnbildlich für ein größeres Problem. Klimaziele werden formuliert, aber nicht konsequent umgesetzt. Übergangslösungen werden installiert, aber nicht beendet. Verantwortung wird zwischen Behörden, Gesellschaften und Politik verschoben.

Wenn Hamburg wirklich klimaneutral werden will, dann darf der Klimaschutz nicht an der eigenen Tür enden. Eine Eisporthalle, die jahrelang mit Öl beheizt wird, ist kein Betriebsunfall – sie ist ein politisches Versäumnis, das endlich beendet werden muss.

Quelle: Drucksache 23/2533