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Solarstrom auf Hamburgs Feldern: Große Chancen – aber der Senat kommt kaum voran

Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE sieht große Chancen für die sogenannte Agri-Photovoltaik in Hamburg. Gemeint ist damit die gleichzeitige Nutzung landwirtschaftlicher Flächen für Landwirtschaft und Solarstromerzeugung. Gerade für einen dicht besiedelten Stadtstaat wie Hamburg wäre das eigentlich ein idealer Weg, um mehr erneuerbare Energien zu erzeugen, ohne zusätzliche Flächen zu versiegeln.

Doch die Antworten des Senats auf eine aktuelle Kleine Anfrage zeigen vor allem eines: Vieles wird untersucht, erforscht und geprüft – konkrete Umsetzungen gibt es bislang kaum.

Hamburg sieht enormes Potenzial – nutzt es aber bisher nicht

Der Senat verweist auf verschiedene Studien und Forschungsprojekte, die ein enormes theoretisches Potenzial für Agri-Photovoltaik in Hamburg sehen. Laut den Angaben könnten theoretisch Anlagen mit einer Leistung von 120 bis 150 Gigawatt möglich sein. Technisch realisierbar seien davon noch etwa 50 bis 70 Gigawatt. Tatsächlich realistisch hält der Senat derzeit jedoch lediglich bis zu 10 Gigawatt.

Auch beim möglichen Stromertrag zeigt sich diese enorme Diskrepanz: Theoretisch seien 120 bis 160 Terawattstunden denkbar, tatsächlich realistisch aber nur noch bis zu 20 Terawattstunden.

Besonders bemerkenswert: Trotz dieser großen Potenziale konnte der Senat bislang keine einzige konkrete Fläche benennen, die bereits als geeignet für Agri-Photovoltaik identifiziert wurde.

Gerade das wirkt angesichts der seit Jahren angekündigten Energiewende und der ambitionierten Hamburger Klimaziele erstaunlich dünn.

Studien und Pilotprojekte statt echter Umsetzung

Zwar laufen derzeit Forschungsprojekte wie „AgriChanceHH“ oder „PV-GreenHHouse“, doch konkrete großflächige Projekte sucht man bislang vergeblich.

Aktuell existiert lediglich ein Pilotprojekt in Curslack. Dort soll bei einem Zierpflanzenbetrieb untersucht werden, wie sich Solaranlagen auf Pflanzenwachstum, Verschattung, Erträge und Krankheitsanfälligkeit auswirken.

Der Senat argumentiert, dass zunächst Risiken für landwirtschaftliche Betriebe ausgeschlossen werden müssten, bevor größere Investitionen empfohlen werden können. Das ist grundsätzlich nachvollziehbar. Gleichzeitig zeigt sich aber auch: Hamburg befindet sich beim Thema Agri-Photovoltaik noch immer überwiegend in der Forschungsphase.

Während andere Bundesländer bereits konkrete Anlagen bauen, testet Hamburg weiterhin Grundlagen.

Viele Hemmnisse – aber kaum Lösungen

Der Senat nennt zahlreiche Probleme, die den Ausbau erschweren:

  • fehlende Netzanschlüsse,
  • komplizierte Genehmigungen,
  • Naturschutzauflagen,
  • wirtschaftliche Unsicherheiten,
  • fehlende Fördermöglichkeiten,
  • technische Fragen.

Besonders problematisch: Selbst bei den Genehmigungsverfahren gibt es bislang offenbar keine klaren einheitlichen Vorgaben für die Bezirke. Die Bearbeitungszeiten liegen laut Senat bei „mehreren Wochen bis wenigen Monaten“.

Hinzu kommt: Der Senat konnte keine statistischen Daten dazu liefern, wie lange Netzanschlussverfahren aktuell tatsächlich dauern.

Auch bei der Netzinfrastruktur bleibt vieles vage. Zwar erklärt der Senat, es gebe keine pauschalen Netzengpassregionen, gleichzeitig räumt er aber ein, dass jeder Anschluss individuell geprüft werden müsse. Gerade das gilt jedoch bundesweit als eines der größten Probleme beim Ausbau erneuerbarer Energien.

Viele Flächen scheiden aus

Die Untersuchung des Projekts „AgriChance“ zeigt außerdem, wie stark geeignete Flächen eingeschränkt werden.

Als ungeeignet gelten unter anderem:

  • Naturschutzgebiete,
  • Vogelschutzgebiete,
  • Wasserschutzgebiete,
  • Hochwasserschutzflächen,
  • Gewässerrandstreifen,
  • Infrastrukturflächen,
  • Flächen nahe Siedlungen.

Zusätzlich problematisch sind:

  • große Entfernungen zu Netzanschlüssen,
  • kleine oder zerschnittene Flächen,
  • empfindliche Kulturen,
  • bestehende Folientunnel oder Schutzsysteme.

Besonders brisant: Obwohl die Studie GIS-basierte Untersuchungen durchgeführt hat, liegt dem Senat nach eigenen Angaben bis heute keine vollständige parzellenscharfe Bewertung aller potenziellen Flächen vor.

Das bedeutet letztlich: Hamburg kennt die grundsätzlichen Potenziale – hat aber weiterhin keinen vollständigen Überblick, wo konkret überhaupt gebaut werden könnte.

Landwirtschaft soll Schlüsselrolle spielen

Immerhin erkennt der Senat an, dass landwirtschaftliche Betriebe eine zentrale Rolle spielen müssen. Gerade in den Vier- und Marschlanden sowie im Alten Land sieht der Senat Potenziale.

Vor allem bestehende Gewächshäuser gelten laut den Forschern als besonders vielversprechend. Hintergrund ist der hohe Energieverbrauch im Gartenbau für Heizung, Beleuchtung und Kühlung. Hier könnten Solaranlagen helfen, Energiekosten und CO₂-Emissionen zu senken.